Wegen Billig-Implantaten: Frauen sind bei Brust-OPs misstrauischer
Aktualisiert

Wegen Billig-ImplantatenFrauen sind bei Brust-OPs misstrauischer

Seit Anfang Jahr haben 53 Frauen ihre PIP-Brustimplantate entfernen lassen. Swissmedic rät von einem vorsorglichen Eingriff ab, auch wenn eine neue Studie das Risiko für Risse belegt.

von
Jessica Pfister
Der Skandal um die mangelhaften französischen PIP-Implantate habe die Frauen sensibilisiert, sagen Ärzte.

Der Skandal um die mangelhaften französischen PIP-Implantate habe die Frauen sensibilisiert, sagen Ärzte.

Der Skandal um die minderwertigen französischen Brustimplantate hat Anfang Jahr auch viele Schweizerinnen verunsichert. Von den geschätzten 300 PIP-Trägerinnen haben sich seit Januar 53 Frauen die Billig-Implantate entfernen lassen, wie das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic auf Anfrage bekannt gibt. Laut Direktionsmitglied Petra Dörr liessen sich 28 Frauen die Implantate präventiv entnehmen, bei weiteren 14 Trägerinnen war ein Defekt der Grund für die Entfernung, beim Rest sei die Ursache noch unklar.

Im Gegensatz zu anderen Ländern wie Deutschland oder Frankreich hat die Schweiz bisher von einer präventiven Entfernung der Implantate abgeraten. Daran hält Swissmedic auch nach der neusten Studie der britischen Gesundheitsbehörden fest. Diese besagt zwar, dass das PIP-Sillikon nicht giftig ist und keinen Krebs auslösen kann. Allerdings sei das Risiko, dass die Implantate innerhalb von zehn Jahren reissen doppelt so hoch, wie bei anderen Herstellern.

«Wir glauben nach wie vor, dass eine präventive Entfernung mehr Risiken birgt als das Tragen intakter Implantate», hält Daniel Lüthi von Swissmedic fest. Zumal die Implantate selbst bei einem Riss keine gesundheitsschädigenden Wirkungen auslösen können. «Wichtig für PIP-Trägerinnen ist einfach die regelmässige Kontrolle beim Arzt.»

«Schmerzhafte Entzündungen»

Doch so harmlos, wie Lüthi dies beschreibt, sind die Auswirkungen eines defekten Implantats nicht. «Platzt das Kissen, kann sich das Billigsilikon in der ganzen Brust verteilen und äusserst schmerzhafte Entzündungen auslösen», sagt Dominique Erni, Vorstandsmitglied bei der Gesellschaft für plastische Chirurgie. Dies bestätigt Schönheitschirurg Raphael Wirth aus Biel, der in den letzten Monaten auch schon ein geplatztes Implantat entfernen musste. Er sieht noch ein weiteres Problem: «Läuft das Silikon aus, kann es zu Verkalkungen kommen, die auf dem Ultraschall schwierig von Krebs zu unterscheiden sind.» Offen möchte sich jedoch keiner der Ärzte gegen die Empfehlungen von Swissmedic stellen.

Dafür sprechen sie über die positiven Auswirkungen des Skandals. «Die Schlagzeilen haben die Frauen sensibilisiert», sagt Wirth. Erni stellt ebenfalls fest, dass Frauen heute über die Implantate und den Hersteller genauso Bescheid wissen wollen, wie über die Qualität des behandelnden Arztes. «Bei Ärzten, die Brustvergrösserungen besonders billig anbieten, sind die Frauen heute misstrauischer.»

Genfer Opfervereinigung klagt nicht

Eigentlich wollte die Genfer Opfervereinigung Victimes du 95C den französischen Billig-Brustimplantat-Hersteller PIP zur Rechenschaft ziehen und hatte die Genfer Staatsanwaltschaft im Januar darum ersucht, ein Strafverfahren gegen die Firma zu eröffnen. Der juristische Weg habe sich in der Zwischenzeit als unmöglich herausgestellt, sagt Salika Wenger von Vereinigung gegenüber 20 Minuten Online. Denn jede Betroffene hätte einzeln Klage erheben müssen. Nun wolle man sich dafür einsetzen, dass die Krankenkassen wenigstens das Entfernen der Implantate übernehme. Momentan kommen diese lediglich für die Kosten der Operation auf, wenn die Herausnahme wegen Komplikationen erfolgt. Auch in diesen Fällen müssen aber die Betroffenen die neuen Implantate auf die eigene Rechnung nehmen. >(jep)

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