Umfrage zeigt: Frauen sind die besseren Chefs
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Umfrage zeigtFrauen sind die besseren Chefs

Ein Report offenbart wachsendes Misstrauen in die Führungsqualitäten von männlichen Führungskräften. Die Mehrheit hält Frauen für die besseren Chefs.

von
C. Landolt

In den Augen von 6500 Menschen weltweit leisten die Top-Manager offenbar keine gute Arbeit. Wie der «Ketchum Leadership Communication Monitor 2014» (KLCM) offenbart, glauben nur noch 22 Prozent an die Fähigkeiten ihrer Top-Manager. In Deutschland sind es gar nur 16 Prozent.

Den Vertrauensverlust retten sollen Frauen. Mehr als die Hälfte der Befragten in Deutschland ist der Meinung, dass weibliche Führungskräfte mit Veränderungen und zukünftigen Herausforderungen besser klarkommen als ihre männlichen Kollegen.

Frauen wird mehr zugetraut

Die schlechten Werte beziehen sich allerdings vor allem auf männliche Führungskräfte, wie Dirk Popp, CEO von Ketchum Pleon, bestätigt: «Den Führungsqualitäten von Frauen wird grosses Vertrauen entgegengebracht: Hier glauben immerhin 58 Prozent der Deutschen, dass Frauen besser als ihre männlichen Kollegen mit den Veränderungen und Herausforderungen in den nächsten fünf Jahren zurechtkommen. Sie liegen mit dieser positiven Einschätzung um zwölf Prozentpunkte über dem weltweiten Durchschnitt.»

Zudem haben Frauen in Führungspositionen nach Ansicht aller weltweit Befragten die männlichen Topmanager in wichtigen Management-Eigenschaften abgehängt. Vor allem beim Eingestehen von Fehlern (66 Prozent versus 34 Prozent), offener, transparenter Kommunikation (62 Prozent versus 38 Prozent) und vorbildlicher Führung (57 Prozent versus 43 Prozent) haben Frauen die Nase vorn.

Gutes Beispiel

Was die Befragten von einer guten Führungskraft grundsätzlich erwarten, zeigt das Ranking der wichtigsten Eigenschaften. Mit jeweils 64 und 60 Prozent wurden «Mit gutem Beispiel vorangehen» beziehungsweise eine «offene und transparente Kommunikation» als Schlüsselfaktoren für einen guten Führungsstil genannt. Darauf folgen «Fehler zugeben» und das selbstbewusste und ruhige Umgehen mit schwierigen Situationen und Krisen.

Effektives Kommunizieren ist sehr wichtig für eine gute Führungskraft - diese Meinung vertreten 74 Prozent der Deutschen, 36 Prozent sagen sogar, es ist extrem wichtig. Allerdings haben nur 27 Prozent der Befragten (29 Prozent weltweit) das Gefühl, dass Führungskräfte das effektive Kommunizieren auch beherrschen.

Weniger Widerstand

Weltweit suchen Firmen Frauen für ihre Führungsetagen. Hierzulande sind nur 6 Prozent Frauen in Geschäftsleitungen von SMI-Unternehmen vertreten. Doch ihre Fluktuationsrate ist stets höher als die der Männer. 2013 betrug sie 18 Prozent (Männer: 13 Prozent), wie der Report der Executive Search Firma Schilling bestätigt. Daran sind sie nicht ganz unschuldig: «Ihnen fehlt oft der Durchhaltewille», sagt Experte Guido Schilling. Das hat mit Widerstand zu tun, sagt er. «Frauen denken eher, dass sie sich das nicht bieten lassen müssen und ziehen Konsequenzen, während Männer eine Situation durchaus aussitzen wollen.

Es gebe keine Branche, die den Vorteil der Geschlechter-durchmischung nicht erkannt habe, betont Headhunter Schilling. Trotzdem sind die Geschäftsleitungen von Coop,

Migros, Swisscom, ZKB, Axpo, Novartis, Siemens Schweiz und ABB Schweiz nach wie vor «Boys only»-Clubs - ungeachtet einer beträchtlichen Zahl weiblicher Verwaltungsräte. Das kann, soll und wird sich ändern, ist Schilling überzeugt: «Auf die Dauer kommt die Frauenpower», sagt er zu 20 Minuten.

Herr Schilling, warum suchen so viele Firmen weibliche Chefs?

Guido Schilling: Der Vorteil von geschlechterdurchmischten Teams ist überall anerkannt. Frauen verfügen über viele positive Führungsqualitäten, begeistern mit ihrer hohen Sozialkompetenz und arbeiten sehr fokussiert.

Warum sind dennoch so viele Geschäftsleitungen in der Schweiz männlich?

Frauen muss man anders führen als Männer. Das Prinzip «Zuckerbrot und Peitsche» funktioniert bei ihnen nicht. Frauen sind anspruchsvoll, sie wollen begeisternd, partizipativ, respektvoll und wertschätzend geführt werden. Diese Führungsinstrumente müssen oft von den Männern noch erlernt werden.

Das Problem aber ist hausgemacht: Hierzulande regiert der Boy's club. Und Männer stellen oft eher Männer als Frauen ein.

Es braucht Männer, die Frauen mitnehmen und fördern. Männer haben in ihren Adressbüchern oft nur Männer namen stehen, und solange dem Adressbuch nicht die männlichen Namen ausgehen, haben es Frauen schwerer. Eine Frau will gefunden werden und dies ist immer mit Aufwand verbunden. Weitsichtige Manager notieren sich heute schon die besten Frauennamen, um fit zu sein, wenn die nächste Kaderposition besetzt werden muss.

Also ist die Zukunft trotzdem weiblich?

Ja, davon bin ich überzeugt. Es braucht aber mehr als nur eine Frau, um die Spielregeln zu ändern.

*Guido Schilling ist Headhunter und Gründer der Executive Search Firma schilling partners in Zürich.

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