Gewalt und Missbrauch: «Frauen sind zu denselben Taten fähig wie Männer»
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Gewalt und Missbrauch«Frauen sind zu denselben Taten fähig wie Männer»

Auch Frauen können böse sein: Sie missbrauchen Kinder und verprügeln ihre Männer. Letztes Jahr wurden 2365 Männer Opfer von häuslicher Gewalt.

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tab

Eine Mutter, die ihr Kind vergewaltigt? Eine Frau, die ihren Mann windelweich prügelt? Unmöglich – spricht man von Gewalt und Missbrauch, scheinen die Rollen meist klar verteilt: Täter ist der Mann, Opfer ist die Frau. Ganz so einfach ist es aber nicht. Monika Egli-Alge, Geschäftsführerin des Forensischen Instituts Ostschweiz, schätzt, dass 10 bis 25 Prozent der Täter, die Kinder sexuell misshandeln, Frauen sind.

Erst letzte Woche hat der Fall einer 36-jährigen Hausfrau, die sich mehrmals an einem 14-jährigen Schulfreund ihrer Tochter vergangen haben soll, Schlagzeilen gemacht. Von «Täterinnen» liest man bei sexuellen Übergriffen selten. «Man traut den Frauen solche Taten schlicht nicht zu», sagt Egli-Alge zur «Aargauer Zeitung».

«Bereitschaft zu Gewalt ist menschlich»

Dass auch Frauen zu Missbrauch fähig sind, passe einfach nicht in unsere Vorstellung, die wir vom weiblichen Geschlecht haben, sagt auch Oliver Hunziker, Gründer des Väterhauses Zwüschehalt im Aargau. «Sie ist die Mutter, die Gütige, die per se nichts falsch machen kann.» Dies könne aber nicht in diesem Sinne pauschalisiert werden: «Die Bereitschaft zu Gewalt und Missbrauch sind menschliche Dinge, nicht männliche.» Auch Frauen hätten diese Veranlagung.

Nicht alle unterdrücken diese, vor allem in ihrer Partnerschaft: Gemäss neuen Zahlen des Bundesamts für Statistik sind letztes Jahr 2365 Männer Opfer häuslicher Gewalt geworden. 2012 waren weniger, nämlich 2248 Anzeigen erstattet worden.

«Diese Zahl hat in den vergangenen Jahren stetig etwas zugenommen», bestätigt Hunziker. In Tat und Wahrheit sei sie wohl noch einiges grösser, da man auch eine Dunkelziffer miteinrechnen müsse. Männer erstatteten viel seltener Anzeige, wenn sie von ihrer Frau tätlich angegriffen wurden, als im umgekehrten Fall. «Die Scham und das Tabu auf diesem Gebiet sind noch immer gross.»

Eine Folge der Emanzipation?

Die zunehmende Berichterstattung über gewalttätige Frauen habe auch die Wahrnehmung der Bevölkerung beeinflusst, glaubt Hunziker. «Man hört öfter von solchen Vorfällen und glaubt deshalb auch, sie hätten zugenommen.» Er kann sich aber auch vorstellen, dass die Emanzipation dazu geführt hat, dass Frauen eher die Hand gegen ihren Mann erheben.

«Frauen sind zu denselben Taten fähig wie Männer», sagt Hunziker. Der einzige Unterschied in ihrem gewalttätigen Verhalten sei anatomisch bedingt. Frauen würden öfter psychischen Druck auf ihre Opfer ausüben, Nötigung und Drohungen seien typisch. Auch leichte Tätlichkeiten wie Kratzen und Beissen gehörten dazu. «Schwere Prügel hingegen gibt es eher selten, weil ihnen schlicht die Kraft dazu fehlt – Männer sind nun mal in den meisten Fällen stärker als Frauen.»

In der Polizeistatistik zeigt sich aber, dass, sobald Waffen zum Einsatz kommen, die Zahl der von Frauen ausgeübten Angriffe auf Männer wieder steigt.

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