Aktualisiert 03.12.2008 18:38

Zürich

Frauen skrupellos zur Prostitution gezwungen

Ein bulgarischer Chef-Zuhälter und drei Türken sollen im Grossraum Zürich Menschenhandel mit osteuropäischen Prostituierten betrieben haben. Nun drohen den Angeklagten hohe Freiheitsstrafen.

von
Attila Szenogrady

Für den am Mittwoch eröffneten Prozess hat das Bezirksgericht Zürich zwei volle Tage angesetzt. Am ersten Verhandlungstag stand ein 38-jähriger Chef-Zuhälter aus Bulgarien im Mittelpunkt. Der mutmassliche Menschenhändler zeigte sich wortkarg und verweigerte die Aussage. Mehr zu erzählen hatten die Gerichtsakten. Demnach hatte der Angeklagte bereits früher in Südfrankreich ein einträgliches Sexgewerbe mit vornehmlich osteuropäischen Frauen betrieben. Bis ihn die französische Justiz mittels einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren für längere Zeit aus dem Verkehr zog.

Laut Anklage ein strenges Prügelregime

Im August 2006 wechselte der Bulgare nach seiner Haftentlassung das «Revier» und setzte neu auf das Zürcher Rotlicht-Milieu. Die Anklageschrift schilderte, wie der Chef-Zuhälter drei Landsfrauen aus Osteuropa in die Prostitution an der Limmat einführte und dabei ein strenges Regime aufzog. Dabei soll der Angeschuldigte die wirtschaftliche Notlage der Opfer skrupellos ausgenutzt haben. Regte sich Widerstand, so setzte es für die Geschädigten auch massiv Prügel ab.

In der Folge kontrollierte der Boss die Einkommen der Prostituierten und schöpfte jeweils mindestens die Hälfte ihrer Einkommen ab.

Viereinhalb Jahre gefordert

Innerhalb eines Jahres weitete der Angeklagte seine Tätigkeit von Zürich aus bis in die Ost- und Innerschweiz aus. Unter Mithilfe von drei türkischen Staatsangehörigen, die laut Anklage auch weitere Frauen aus Rumänien in die Prostitution zwangen.

Laut Staatsanwältin Silvia Steiner galt der Bulgare als Organisator, Transporteur und als Stellenvermittler. Bis zum 10. Juli 2007, als die Polizei zuschlug und der verhaftete Mann bis heute hinter Gitter verschwand.

Wo er laut Steiner auch für längere Zeit bleiben soll. So forderte sie für den Angeklagten vor Gericht eine hohe Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Wegen mehrfachen Menschenhandels und Förderung der Prostitution.

Für die drei weiteren Beschuldigten verlangte Steiner bedingte Strafen. Zwei Mal 18 Monate sowie ein Mal zwei Jahre.

Urteil am Donnerstag erwartet

Die Verteidiger setzten sich in längeren Plädoyers für Freisprüche ein. In erster Linie, da die massiven Vorwürfe gar nicht zu beweisen seien und die Frauen ihrer Tätigkeit freiwillig nachgegangen seien. Das Gericht stellte in Aussicht, dass die Urteile bereits am Donnerstag eröffnet werden.

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