Spanien machts vor: Frauen sollen bis zu fünf Tage «Menstruationsferien» pro Monat erhalten
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Spanien machts vorFrauen sollen bis zu fünf Tage «Menstruationsferien» pro Monat erhalten

Die spanische Regierung entscheidet nächste Woche darüber, ob Frauen «Menstruationsferien» erhalten. Juso-Präsidentin Ronja Jansen fordert, dass die Schweiz nachzieht.

von
Marino Walser
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In Spanien sollen Frauen mit starken Menstruationsschmerzen bis zu fünf Tage im Monat «Menstruationsurlaub» erhalten.

In Spanien sollen Frauen mit starken Menstruationsschmerzen bis zu fünf Tage im Monat «Menstruationsurlaub» erhalten.

Pexels/Polina Zimmerman
Juso-Präsidentin Ronja Jansen würde einen solchen Sonderurlaub auch für die Schweiz begrüssen. Derzeit sei die Schweiz aber noch weit davon entfernt. «Drei Viertel der Nationalrätinnen sind noch immer nicht bereit, anzuerkennen, dass für viele Frauen in der Schweiz die Menstruationsartikel zu teuer sind.»

Juso-Präsidentin Ronja Jansen würde einen solchen Sonderurlaub auch für die Schweiz begrüssen. Derzeit sei die Schweiz aber noch weit davon entfernt. «Drei Viertel der Nationalrätinnen sind noch immer nicht bereit, anzuerkennen, dass für viele Frauen in der Schweiz die Menstruationsartikel zu teuer sind.»

20min/Simon Glauser
Unterstützung erhält Jansen von der SP-Nationalrätin Tamara Funiciello. Für Funiciello ist der Menstruationsurlaub ein «interessanter Ansatz». Grundsätzlich sei es so, dass die Menstruation, und eben auch die Endometriose, noch immer ein Thema sei, dass tabuisiert werde. «Die ganze Gesellschaft orientiert sich an Leuten, die nicht menstruieren.»

Unterstützung erhält Jansen von der SP-Nationalrätin Tamara Funiciello. Für Funiciello ist der Menstruationsurlaub ein «interessanter Ansatz». Grundsätzlich sei es so, dass die Menstruation, und eben auch die Endometriose, noch immer ein Thema sei, dass tabuisiert werde. «Die ganze Gesellschaft orientiert sich an Leuten, die nicht menstruieren.»

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Darum gehts

  • In Spanien sollen Frauen mit starken Menstruationsschmerzen bis zu fünf Tage im Monat «Menstruationsurlaub» erhalten.

  • Spanien könnte damit das erste westliche Land werden, das menstruationsgeplagten Frauen erlaubt, der Arbeit fernzubleiben.

  • Laut den Schweizer Sozialdemokratinnen ist die Schweiz von einem ähnlichen Sonderurlaub noch weit entfernt. 

  • Die bürgerlichen Nationalrätinnen halten einen solchen Sonderurlaub für unnötig. 

Die spanische Regierung wird nächste Woche über einen Gesetzesentwurf entscheiden, der Frauen erlauben soll, bei starken Regelschmerzen bis zu fünf Tage im Monat Menstruationsferien zu nehmen. Wird das Gesetz verabschiedet, ist Spanien das erste westliche Land, das menstruationsgeplagten Frauen mit einem eigenen Gesetz erlaubt, der Arbeit fernzubleiben. Nur Japan, Taiwan, Südkorea, Indonesien und Sambia kennen vergleichbare Regelungen.

In der Schweiz ist man von ähnlichen Sonderferien hingegen noch weit entfernt, sagt Juso-Präsidentin Ronja Jansen. Sie fordert, dass die Schweiz nachzieht und ebenfalls Menstruationsferien bewilligt. «Es wäre super, würde unser Staat der weiblichen Regel ebenfalls eine solch grosse Beachtung schenken.» Laut Jansen ist der Nachholbedarf in diesem Thema hierzulande riesig. Gerade dann, wenn es um die Stigmatisierung gehe. «Es geht dabei auch nicht um mehr Ferien für die Frau. Viel eher geht es um die Akzeptanz in der Gesellschaft.»

Dass in Spanien nächste Woche über den Mens-Urlaub diskutiert werde, in der Schweiz aber erst jetzt über die Besteuerung weiblicher Hygieneartikel debattiert werde, sei «krass», sagt Jansen: «Drei Viertel der Nationalrätinnen sind noch immer nicht bereit, anzuerkennen, dass Menstruationsartikel Güter des täglichen Bedarfs sind.» Das zeige, wie sehr die Schweiz in Geschlechterfragen hinterherhinkt.

Endometriose

Endometriose ist eine der häufigsten Unterleibs-Erkrankungen bei Frauen. Die Ursache sind Ansiedlungen von Gewebe ausserhalb der Gebärmutter, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt. Das Hauptsymptom einer Endometriose sind Unterleibsschmerzen. Diese treten oft gemeinsam mit der Menstruation auf. Die Schmerzen können in den Unterbauch, den Rücken und die Beine ausstrahlen. Diese können von Übelkeit, Erbrechen und Durchfall begleitet sein.

Hoher Druck auf Schweizer Arbeitsmarkt

Unterstützung erhält Jansen von der SP-Nationalrätin Tamara Funiciello. Für Funiciello sind Menstruationsferien ein «interessanter Ansatz». Grundsätzlich sei es so, dass die Menstruation, und eben auch die Endometriose, noch immer ein Thema sei, das tabuisiert werde. «Die ganze Gesellschaft orientiert sich an Leuten, die nicht menstruieren.» Darum ist für die SP-Politikerin klar: Es muss eine Änderung in der gesamten Arbeitswelt geben.

Denn der Druck auf dem Schweizer Arbeitsmarkt sei derart hoch, dass sich kaum jemand getraue, sich krank zu melden – egal, ob Frau oder Mann. «Macht man dann noch Regelschmerzen geltend, gibt es dafür noch weniger Verständnis. Das Resultat ist, dass sich menstruierende Menschen mehrheitlich medikamentiert durch den Tag kämpfen», sagt Funiciello. Daher müsse ein Arbeitsklima geschaffen werden, in dem Arbeitnehmende – egal, welchen Geschlechts – zu Hause bleiben, wenn sie krank seien oder sich nicht wohl fühlten.

«Unnötig» und «nicht umsetzbar»

Vertreterinnen der Mitte, FDP und SVP haben hingegen nur wenig Sympathien für die spanischen Menstruationsferien übrig. Laut SVP-Nationalrätin Yvette Estermann ist ein solches Gesetz in der Schweiz nicht nur unnötig, sondern würde für zusätzliche Probleme bei der Gleichstellung sorgen. «Ich bin der Ansicht, dass die von Spanien angestrebte Gesetzesänderung in der Schweiz die Männer zusätzlich diskriminieren würde.»

Viel eher sollten an Endometriose leidende Frauen es direkt mit ihrem Arbeitgeber besprechen und allenfalls nach Lösungen suchen. «Die Frauen konnten bislang mit ihren Problemen und Schmerzen umgehen. Das können sie auch in Zukunft – auch ohne Gesetz», sagt Estermann. «Menstruationsferien könnten auch dazu führen, dass sich wohl einige zusätzliche Ferientage erschleichen würden.»

«Die Gleichstellung hat andere Prioritäten»

Für FDP-Nationalrätin Susanne Vincenz-Stauffacher sind «Menstruationsferien» gut gemeint, könnten sich aber nach der Umsetzung zum Nachteil für die betroffenen Frauen herausstellen. «Im Arbeitsmarkt werden Frauen zur zweiten Wahl degradiert.» Für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sei das Risiko, dass die Angestellten jeden Monat bis zu fünf Tage fehlen, zu gross.

Unnötig findet ein solches Gesetz auch Mitte-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter. «Ich bin auch eine Frau. Rückblickend war die Menstruation für mich nie ein Problem.» Unabhängig davon wäre es auch sehr schwierig, ein solches Gesetz in der Schweiz umzusetzen, so Schneider-Schneiter.

Beim Thema Gleichstellung müsse die Schweiz zunächst andere Herausforderungen angehen. «In unserer Gesellschaft ist beispielsweise die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie für Frauen noch zu wenig gegeben, um nur einen Punkt zu nennen», sagt Schneider-Schneiter.

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