Wahlkampf-Aktion: «Frauen statt Würstchen» sollen in den Nationalrat
Aktualisiert

Wahlkampf-Aktion«Frauen statt Würstchen» sollen in den Nationalrat

Der Frauenanteil im Bundeshaus stagniert. Drei junge Politikerinnen wollen das ändern. Doch nicht alle finden die Aktion witzig.

von
jbu
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Kathrin Bertschy (GLP), Lea Kusano (SP) und Aline Trede (Grüne) wollen den Frauenanteil im Parlament erhöhen  und selbst (wieder-)gewählt werden.

Kathrin Bertschy (GLP), Lea Kusano (SP) und Aline Trede (Grüne) wollen den Frauenanteil im Parlament erhöhen und selbst (wieder-)gewählt werden.

Isabelle Schönholzer
Im Nationalrat  stieg der Frauenanteil über Jahre an. An den Wahlen 2011 erhöhte sich der Anteil gegenüber 2007 erstmals nicht mehr. Inzwischen konnten aber einige Politikerinnen nachrücken. Damit sind 62 der insgesamt 200 Nationalratssitze in weiblicher Hand.

Im Nationalrat stieg der Frauenanteil über Jahre an. An den Wahlen 2011 erhöhte sich der Anteil gegenüber 2007 erstmals nicht mehr. Inzwischen konnten aber einige Politikerinnen nachrücken. Damit sind 62 der insgesamt 200 Nationalratssitze in weiblicher Hand.

Im Ständerat war der Frauenanteil in den letzten Jahren leicht rückläufig. Heute sitzen neun Frauen in der kleinen Kammer.

Im Ständerat war der Frauenanteil in den letzten Jahren leicht rückläufig. Heute sitzen neun Frauen in der kleinen Kammer.

Knapp jeder dritte Nationalratssitz in der Schweiz ist derzeit in weiblicher Hand. Im Ständerat ist es etwas weniger als jeder fünfte (siehe Bildstrecke). «Das reicht nicht», finden drei junge Berner Politikerinnen. Kathrin Bertschy (GLP), Lea Kusano (SP) und Aline Trede (Grüne) starten deshalb eine gemeinsame Wahlaktion. «Würstchen gehören auf den Grill, starke Frauen in den Nationalrat», lautet der Slogan. Das Sujet macht seit kurzem auf Social Media die Runde. Trede und Kusano planen zudem eine gemeinsame Plakatkampagne.

Laut Kusano, die als einzige der drei noch nicht im nationalen Parlament sitzt, ist die Idee an einem privaten Grillabend entstanden: «Wir sagten uns, es müssen dringend mehr Frauen ins Parlament – egal aus welcher Fraktion.» Die Aktion sei eine Möglichkeit, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Eigenen Wahlkampf zu betreiben und ein Zeichen für die Frauenförderung zu setzen.

«Lustig ist anders»

Kathrin Bertschy ist neben ihrem Nationalratsmandat auch Co-Präsidentin der Alliance F, dem Bund schweizerischer Frauenorganisationen. Sie sagt: «Das Parlament trifft wegweisende Entscheidungen für Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt. Es darf nicht sein, dass eine Gruppe der Gesellschaft – die Frauen – hier systematisch so stark untervertreten ist.» Wenn die klare Mehrheit der Politiker ältere Herren seien, politisiere das Parlament an den wahren Themen der Bevölkerung völlig vorbei.

Bürgerliche Ratskollegen haben für die ganze Aktion nur ein müdes Lächeln übrig. SVP-Nationalrat Sebastian Frehner sagt, er finde den Slogan plump. «Lustig ist anders. Ich sage ja auch nicht: ‹Schnecken zur Vorspeise, Männer in den Nationalrat.›» Es sei «etwas wenig», im Wahlkampf nur auf die Frauenkarte zu setzen. «Weiblich zu sein, ist an sich noch keine Leistung.» Auch Frehners Parteikollegin Yvette Estermann sagt: «Die Wähler sollten Politiker wegen ihrer Arbeit wählen, nicht wegen ihres Geschlechts.»

«Etwas prüde»

Aline Trede kontert: «Dass Frehner etwas prüde ist, hat er schon mit seiner Sexualkunde-Initiative bewiesen.» Wer sich über den Slogan aufrege, fühle sich offensichtlich angesprochen. Auch die Kritik, die Aktion würde das Geschlecht über die Leistung stellen, greife zu kurz. «Wir sind drei Frauen mit einem beachtlichen Leistungsausweis.» Damit Frauen ins Parlament gewählt werden, müssten sie aber auch kandidieren. «Wenn wir die SVP-Listen anschauen, sind Frauen ganz klar untervertreten, was sich dann auch im Parlament niederschlägt.»

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