Lohnunterschied wird grösser: Frauen verdienen 18,9 Prozent weniger
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Lohnunterschied wird grösserFrauen verdienen 18,9 Prozent weniger

Der Unterschied zwischen Männer- und Frauenlöhnen wird wieder grösser. Arbeitgeberdirektor Roland Müller sieht den Grund bei der «inneren Einstellung» der Frauen.

Gewerkschaftsaktivistinnen und -aktivisten demonstrierten am 8. März 2013 für Lohngleichheit zwischen Mann und Frau. Anlass war der Internationale Frauentag.

Gewerkschaftsaktivistinnen und -aktivisten demonstrierten am 8. März 2013 für Lohngleichheit zwischen Mann und Frau. Anlass war der Internationale Frauentag.

Seit 1996 verbietet das Gesetz unterschiedliche Löhne aufgrund des Geschlechts. So weit die Theorie. In der Praxis liegen die Löhne von Frauen und Männern 18,9 Prozent auseinander – Tendenz steigend. Arbeitgeberdirektor Roland Müller sieht eine der Ursachen darin, dass Frauen weniger bereit seien, über die reguläre Arbeitszeit hinaus zu arbeiten.

Bei der Lohnstrukturerhebung 2010 lag der Unterschied noch bei 18,4 Prozent. Dieses Gefälle ist teilweise damit zu erklären, dass berufstätige Frauen eher jünger sind, weil sich viele aus familiären Gründen ganz oder teilweise aus dem Berufsleben zurückziehen. Unter anderem aus diesem Grund sind Frauen auch in Kaderpositionen untervertreten. Auch das Ausbildungsniveau spielt eine Rolle.

Ein beträchtlicher Teil des Lohnunterschieds geht aber schlicht auf Diskriminierung zurück: Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) schätzt die Lohndifferenz aufgrund des Geschlechts auf 9 Prozent. Das sind 677 Franken, die Frauen im Durchschnitt pro Monat weniger verdienen.

Lampart: «Illegale Situation»

Während SGB-Chefökonom Daniel Lampart am Montag vor den Bundeshausmedien von einer «illegalen Situation» sprach, machte Arbeitgeberdirektor Roland Müller die «innere Einstellung» der Frauen zur Berufsausübung für die Lohndifferenz verantwortlich.

Für gewisse Stellen müsse man bereit sein, höhere Anstrengungen auf sich zu nehmen, sagte Müller. Abklärungen hätten ergeben, dass sich eher Männer bereit erklärten, Arbeitszeiten weit über die regulären acht Stunden hinaus zu leisten, während Frauen vermehrt reguläre Arbeitszeiten und geordnete Arbeitsverhältnisse verlangten.

Das sei ein wesentlicher Faktor für die Lohnunterschiede, sagte Müller. «Somit sind es strukturelle Probleme, welche die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau verhindern.»

Die am Montag veröffentlichten Zahlen des Bundesamts für Statistik widersprechen jedoch der Aussage des Arbeitgeberdirektors. Gemäss der Lohnstrukturerhebung 2012 sind die Differenzen umso grösser, je mehr Verantwortung Frauen übernehmen.

Lohngleichheit durchsetzen

Beispielsweise 40- bis 49-jährige Arbeitnehmerinnen mit hohem Verantwortungsniveau verdienen gemäss BFS gut 25 Prozent weniger als Männer mit demselben Profil. Bei Arbeitsstellen mit niedrigen Anforderungen seien die Lohnunterschiede zu Ungunsten der Frauen immer noch zu finden, aber weniger ausgeprägt, schreibt das Bundesamt in einer Mitteilung.

Das Thema wird demnächst wieder auf die politische Agenda kommen. Letzten November hatte Justizministerin Simonetta Sommaruga den 2009 lancierten Lohngleichheitsdialog für gescheitert erklärt. Statt der angestrebten 100 Unternehmen und Institutionen hatten sich nur deren 40 bereit erklärt, ihr Lohnsystem auf Geschlechterdiskriminierung durchleuchten zu lassen.

Sommaruga kündigte darauf konkrete Massnahmen an, um die in Gesetz und Verfassung garantierte Lohngleichheit durchzusetzen. Derzeit werden von der Verwaltung die Grundlagen dafür erarbeitet. Gestützt darauf will Sommaruga dem Bundesrat Vorschläge für das weitere Vorgehen unterbreiten. Ein Entscheid soll noch im Laufe dieses Jahres fallen. (sda)

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