Extreme E: «Frauen werden im Motorsport zu wenig wahrgenommen»
Claudia Hürtgen fährt am Sonntag in Saudi-Arabien ihr erstes Extreme-E-Rennen.

Claudia Hürtgen fährt am Sonntag in Saudi-Arabien ihr erstes Extreme-E-Rennen.

Extreme E
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Extreme E«Frauen werden im Motorsport zu wenig wahrgenommen»

An Ostern fällt der Startschuss zur ersten Elektro-SUV-Rallye der Welt in Saudi Arabien. Mit der «Extreme E» betreten Macher und Rennfahrer Neuland. Die Deutsche Claudia Hürtgen steigt für das Team Cupra/Abt ins Cockpit. Wie sich das anfühlt, erzählt sie im Interview.

von
Isabelle Riederer / A&W Verlag

Claudia, du bist seit Jahren aktiv im Motorsport und hast unzählige Rennserien bestritten, aber die Extreme E ist wohl auch für dich was Neues?

Ich bin seit mehr als 25 Jahren im Motorsport und habe schon viel erlebt, aber die Extreme E ist was ganz anderes. Ich freue mich riesig, dabei zu sein und obwohl ich so viel Erfahrung habe, fühle ich mich wie bei meinem ersten Mal auf der Rennstrecke.

Die Extreme E will mit ihrer Rennserie weltweit auf bedrohte Biotope und den Klimawandel aufmerksam machen. Funktioniert das?

Davon bin ich überzeugt. Ich merke es an mir selbst: Seit ich mich für die Extreme E engagiere, versuche ich nachhaltiger mit unseren Ressourcen umzugehen. Es ist wichtig, dass man über diese Themen spricht und das Bewusstsein dafür schafft. Und es ist natürlich toll, ist es mit Motorsport verbunden.

Aber kann Motorsport überhaupt nachhaltig sein?

Natürlich, der beste Beweis ist die Formel E und jetzt auch die Extreme E. Alle Teilnehmer und die Organisatoren der Extreme E achten bewusst darauf, ihren CO2-Fussabdruck so gering wie möglich zu halten. So werden die Elektro-SUVs vor Ort nicht via Dieselgeneratoren sondern mit Solarstrom aufgeladen. Dabei wird Solarenergie in Form von Wasserstoff gespeichert und dann beim Laden wieder in Strom umgewandelt. Auch wird das ganze Equipment und die Elektro-SUVs mit einem riesigen Schiff von Ort zu Ort transportiert. Das Schiff dient auch als unser Fahrerlager.

Die 49-jährige Deutsche Claudia Hürtgen steigt an der Extreme E-Series für Cupra/Abt ins Cockpit.

Die 49-jährige Deutsche Claudia Hürtgen steigt an der Extreme E-Series für Cupra/Abt ins Cockpit.

Extreme E
Ihr Teamkollege ist Rennfahrer Mattias Ekström. Beide sind seit Jahren auf den Rennstrecken dieser Welt unterwegs. Gleichberechtigung im Cockpit spielt eine grosse Rolle bei der Extreme E.

Ihr Teamkollege ist Rennfahrer Mattias Ekström. Beide sind seit Jahren auf den Rennstrecken dieser Welt unterwegs. Gleichberechtigung im Cockpit spielt eine grosse Rolle bei der Extreme E.

Extreme E
Der Elektro-SUV «Odyssey 21» von Cupra/Abt und ist ein wahres Kraftpaket.

Der Elektro-SUV «Odyssey 21» von Cupra/Abt und ist ein wahres Kraftpaket.

Extreme E

Die Elektro-SUVs wurden speziell für die Extreme E entwickelt. Wie fühlt er sich an?

Wir konnten bereits im Dezember das erste Mal mit den Elektro-SUVs auf Tuchfühlung gehen. Für mich als Langstrecken-Rennfahrerin ist so ein Elektro-SUV definitiv was anderes. Allein das Fehlen des Motorensounds war zu Beginn ungewohnt. Aber das ist eigentlich auch der einzige Unterschied zu einem Rennfahrzeug mit Benzinmotor und natürlich die erhöhte Sitzposition. Die Beschleunigung ist toll und auch das Bremsverhalten ist fantastisch. Ich habe schnell ein Gefühl für das Fahrzeug bekommen und mein Popo-Meter hat sofort angeschlagen. Die Herausforderung während der Rennen werden vor allem die verschiedenen Untergründe sein. Wir fahren auf Sand, im Dschungel, auf Eis und Geröll, das wird spannend. Ich bin zum Beispiel noch nie auf Sand gefahren.

Alle Teams haben das gleiche Auto und die gleichen Voraussetzungen. Wie holt man sich da einen Sieg?

Das ist der Reiz an der Extreme E. Weil alle Teams, auch wir von Cupra/Abt, das gleiche Fahrzeug haben, liegt es am ganzen Team, das Beste aus dem Elektro-SUV herauszuholen und es perfekt abzustimmen. Das fängt an bei den Technikern und hört auf bei den Fahrern und der Taktik.

Neun Teams gehen an den Start und jedes Team besteht aus einem Rennfahrer und einer Rennfahrerin – wie wichtig ist dir Gleichberechtigung im Cockpit?

Ich finde es richtig, dass es Projekte wie die Extreme E gibt, die Rennfahrerinnen die Möglichkeit gibt, auf internationaler Bühne zu zeigen, was sie können. Gemischte Cockpits gibt es im Motorsport zwar schon länger, aber oft werden Frauen zu wenig wahrgenommen. Ich erinnere mich, als ich in den 90er-Jahren Langstrecken- und 24-Stunden-Rennen fuhr, war es üblich, dass Frauen und Männer in einem Team an den Start gingen. Die Gleichberechtigung im Motorsport ist ein grosses Thema und muss weiter vorangetrieben werden.

Insgesamt fünf Rennen sind geplant, in Saudi Arabien, im Senegal, in Grönland, Brasilien und Patagonien. Auf welches Rennen freust du dich am meisten?

Das Rennen in Patagonien. Die Landschaft dort muss unglaublich beeindruckend sein und wenn alles klappt, kann ich noch eine Woche Urlaub dranhängen.

Wie muss man sich so ein Rennen vorstellen? Habt ihr da auch Ladestopps?

Wenn wir mit den Fahrzeugen starten haben wir einen vollen Akku, damit müssen wir das gesamte Rennen bestreiten und bis über die Ziellinie kommen. Ein voller Akku reicht ungefähr für 50 Kilometer. Der Veranstaltungspark ist so angelegt, dass man mit einem klugen Batteriemanagement durchkommt, aber das ist auch die Herausforderung. Deshalb sind wir auch während des Rennens in permanentem Austausch mit unseren Technikern, die uns genau sagen können, wo wir wann wieviel Leistung abrufen sollen oder im Idealfall «segeln» können.

Fährst du selber auch ein Elektro-Auto?

Ich fahre ein Hybrid-Fahrzeug, da ich doch öfters längere Strecken fahre. In der Stadt und auf kürzeren Wegen bin ich aber gerne mit dem Velo unterwegs.

Wie schätzt du deine Chancen ein, aufs Podest zu fahren?

Mit Mattias Ekström als Kollegen habe ich natürlich einen der besten Fahrer an meiner Seite und wir haben uns zum Ziel gesetzt, in die Top Drei zu kommen.

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