Aktualisiert 26.01.2016 03:31

Angst vor Zika-Virus«Frauen, werdet bis 2018 nicht schwanger»

Aus Angst vor dem Zika-Virus empfiehlt die Regierung in El Salvador Frauen, nicht schwanger zu werden – und stellt das erzkonservative Land vor mehrere Dilemmas.

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Die Ausbreitung des Zika-Virus alarmiert die Behörden von El Salvador. Das Tropenvirus wird für Tausende Fälle von Mikrozephalie bei Babys verantwortlich gemacht: Die Kinder werden mit einem ungewöhnlich kleinen Kopf geboren, weil sich das Gehirn nicht richtig ausgebildet hat.

Seit November 2015 registrierte das zentralamerikanische Land 5397 Zika-Verdachtsfälle, davon 96 bei Schwangeren. Jetzt hat der salvadorianische Gesundheitsminister Eduardo Espinoza einen Appell an alle Frauen in seinem Land gerichtet: «Wir raten allen Frauen im gebärfähigen Alter, eine Schwangerschaft dieses und nächstes Jahr zu vermeiden.»

Das Thema Abtreibung steht wieder zur Debatte

Die Empfehlung beinhaltet eine unausgesprochene Bewilligung zur Empfängnisverhütung – eine heikle Angelegenheit im erzkonservativen El Salvador. Es stellt vor allem die katholische Kirche vor ein Dilemma. «Nach den Regeln der Moral sollten die Menschen nicht verhüten», sagt Priester Héctor Figueroa gegenüber der «Washington Post». Doch in einem solchen Fall könne sich die katholische Kirche nicht gegen Leben und Gesundheit aussprechen. Eine offizielle Mitteilung hat die Kirche bislang nicht veröffentlicht.

Mit der Empfehlung der Regierung wurde zudem das Thema Abtreibungsverbot wieder aufs Tapet gebracht. Die Frauenrechtsorganisation ACDATEE fordert eine Debatte zu einer möglichen Entkriminalisierung der Schwangerschaftsabbrüche. «Die Bedrohung durch Zika wird für eine Erhöhung der heimlichen Abtreibungen sorgen. Gleichzeitig wird sich die Zahl der Frauen erhöhen, die verfolgt und ins Gefängnis geschickt werden», warnt laut dem Nachrichtenportal «El Faro» Organisationsleiterin Angela Rivas.

Das strenge Gesetz in ihrem Land verbietet nicht nur Abtreibung – auch Fehlgeburten bedeuteten mindestens Untersuchungshaft und führten oft zu vernichtenden Urteilen, wie sie erklärt. Dabei seien 30- bis 40-jährige Haftstrafen keine Seltenheit. Aktuell sitzen rund 20 Frauen aufgrund solcher Urteile im Gefängnis.

Brasilien setzt 220'000 Soldaten ein

Im Kampf gegen die Ausbreitung des von Mücken übertragenen Zika-Virus will die brasilianische Regierung bis zu 220'000 Soldaten einsetzen. Die Soldaten sollen am 13. Februar in den besonders gefährdeten Gebieten von Haus zu Haus gehen.

Die Soldaten sollen bei der Bekämpfung der Moskitoart Aedes aegypti helfen, wie Gesundheitsminister Marcelo Castro am Montagabend nach Angaben der Nachrichtenagentur Agência Brasil mitteilte. «Seit 30 Jahren gibt es diese Moskitos im Land und wir haben es nicht geschafft, sie zu eliminieren», sagte Castro.

Moskitoschutzmittel für schwangere Frauen

Die Mückenart überträgt auch Dengue und Gelbfieber. Als weitere Massnahme sollen rund 400'000 schwangere Frauen aus ärmeren Schichten, die Sozialleistungen im Rahmen des Programms Bolsa Familia bekommen, Moskitoschutzmittel erhalten.

Das Virus, das binnen weniger Monate bereits in 21 Ländern auf dem amerikanischen Kontinent aufgetaucht ist, kann zu Fieber und Hautausschlag führen. Vor allem aber steht es im Verdacht, bei einer Infektion von Schwangeren Schädelfehlbildungen bei Babys auszulösen.

3893 Fälle in Brasilien

Im am stärksten betroffenen Brasilien wurden bisher 3893 Fälle der sogenannten Mikrozephalie ermittelt, vor allem im Norden des fünftgrössten Landes der Welt. Dabei ist der Kopfumfang des Kindes zu klein, geistige Behinderungen sind meist die Folge.

In sechs Mikrozephalie-Fällen hatten Schwangere sich zuvor mit Zika infiziert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt inzwischen vor einer Ausbreitung des Zika-Virus auf dem gesamten amerikanischen Kontinent.

Ende letzten Jahres wurde das Zika-Virus erstmals in Brasilien nachgewiesen, seitdem breitet es sich aus. Die US-Behörden raten Schwangeren inzwischen, Reisen nach Brasilien und in 21 weitere Länder in Südamerika und der Karibik zu überdenken. (kle/sda)

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