Flyer zum Energiegesetz: «Frauen wird der Zeitpunkt zum Waschen diktiert»
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Flyer zum Energiegesetz«Frauen wird der Zeitpunkt zum Waschen diktiert»

Mit dem Energiegesetz könnten Frauen sich nicht mehr auf ihre Waschmaschine verlassen. Ein Flyer mit dieser Argumentation sorgt für Empörung.

von
asc
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Dieser Flyer erregte die Gemüter. Er stammt vom Verein «Frauen für Energie». Sie wollen damit gegen die Energiestrategie werben.

Dieser Flyer erregte die Gemüter. Er stammt vom Verein «Frauen für Energie». Sie wollen damit gegen die Energiestrategie werben.

Der Verein warnt:  «Sie können nicht mehr selber bestimmen, wann Sie waschen, kochen, backen und Geschirr spülen, bügeln oder staubsaugen möchten, sondern der Zeitpunkt wird Ihnen diktiert werden von den Elektrizitätswerken oder gar von der Laune des Wetters!»

Der Verein warnt: «Sie können nicht mehr selber bestimmen, wann Sie waschen, kochen, backen und Geschirr spülen, bügeln oder staubsaugen möchten, sondern der Zeitpunkt wird Ihnen diktiert werden von den Elektrizitätswerken oder gar von der Laune des Wetters!»

Anne-Regula Keller, langjährig engagiert bei «Solar Frauen Schweiz», hält den Flyer für voll daneben: «Für mich tönt das nach ‹Zurück in die Waschküche›.» Es erinnere sie an die Frauen, die sich gegen das Frauenstimmrecht engagierten.

Anne-Regula Keller, langjährig engagiert bei «Solar Frauen Schweiz», hält den Flyer für voll daneben: «Für mich tönt das nach ‹Zurück in die Waschküche›.» Es erinnere sie an die Frauen, die sich gegen das Frauenstimmrecht engagierten.

Keystone/Christian Beutler

Es ist Waschtag und die Waschmaschine funktioniert nicht, weil Strommangel herrscht: Vor diesem Horrorszenario für Schweizer Frauen warnt der Verein «Frauen für Energie» in einem Flyer. Der Verein, der gegen das revidierte Energiegesetz mobil macht, erklärt seine Schlussfolgerung damit, dass die Energiestrategie die sichere Stromversorgung gefährde.

Die Argumentation des Vereins: Solaranlagen würden nur Strom liefern, wenn die Sonne scheine. Darum steht auf dem Flyer, der sich explizit an Frauen richtet: «Sie können nicht mehr selber bestimmen, wann Sie waschen, kochen, backen und Geschirr spülen, bügeln oder staubsaugen möchten, sondern der Zeitpunkt wird Ihnen diktiert werden von den Elektrizitätswerken oder gar von der Laune des Wetters!»

Auch dass der Energieverbrauch gegenüber dem Jahr 2000 auf fast die Hälfte reduziert werden soll, passt den «Frauen für Energie» nicht. «Sie müssen im Alltag Ihre Mobilität einschränken, im Haushalt auf gewohnten Komfort und lieb gewordene elektrische Geräte verzichten sowie gewisse Freizeitaktivitäten unterlassen.»

«Ein unsäglicher Flyer»

Auf Twitter sorgte der Flyer für heftige Reaktionen.

Anne-Regula Keller, die sich viele Jahre bei den «Solar Frauen Schweiz» engagiert hat, bezeichnet den Flyer als «unsäglich»: «Für mich tönt das nach ‹Zurück in die Waschküche›.» Auch wenn es vermutlich nicht so gemeint sei, sehe es auf jeden Fall so aus.

«Das erinnert mich an die Frauen, die sich gegen das Frauenstimmrecht engagierten», so Keller. Im Gegensatz zu den «Frauen für Energie» befürwortet sie die Energiestrategie: «Wenn die Schweiz jetzt eine fortschrittliche Position einnimmt, kann sie davon noch sehr lange profitieren.» Der Trend gehe nämlich global in diese Richtung. «Technisch ist heute bereits extrem viel möglich. Die Schweiz sollte die neuen Technologien nutzen und vorantreiben.»

Berufstätige Frauen seien auf Haushaltsgeräte angewiesen

Elisabeth Ruh, Präsidentin des Vereins «Frauen für Energie» und studierte Physikerin, verteidigt die Kampagne: «Wir wollten alle Frauen ansprechen, auch berufstätige.» Gerade wenn Frauen alleinstehend seien, seien sie darauf angewiesen, dass ihre Haushaltsgeräte funktionieren, wenn sie nach Hause kämen. Gerade im Winter wäre das bei der Umsetzung des Energiegesetzes nicht mehr gewährleistet.

Sie gibt zwar zu, dass dies nicht allein ein Frauenproblem wäre. Aber sie seien halt der Verein «Frauen für Energie». «Die Entwicklung der Arbeitstätigkeit der Frauen in der Schweiz ist Hand in Hand mit der Elektrifizierung des Haushalts gegangen», sagt Ruh.

«Es war nicht unsere Absicht, die Botschaft zu verbreiten, dass Frauen an den Herd gehören», erklärt Ruh weiter. «Falls dieser Eindruck entstanden ist, tut mir das leid.»

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