Pick-up-Debatte: «Frauen wollen doch genauso oft Sex wie wir»
Aktualisiert

Pick-up-Debatte«Frauen wollen doch genauso oft Sex wie wir»

Der Aufreisser Julien Blanc sorgte mit Videos, auf denen er Frauen sexuell belästigte, für Wirbel. Gehört das unter den Pick-up-Artisten etwa zum guten Ton?

von
R. Neumann

Herr Pöhm, der Pick-up-Artist Julien Blanc zieht den Kopf von Frauen in seinen Schritt, würgt sie – lernt man so etwas in Aufreiss-Seminaren?

Matthias Pöhm*: Ganz sicher nicht. Lässt man mal beiseite, dass es sich um einen Übergriff handelt, könnte das gar nicht funktionieren. Da würde man sich höchstens eine Ohrfeige und eine Anzeige und nicht eine Telefonnummer einhandeln. Übrigens denke ich, dass es sich um gestellte Videos handelt, und Blanc damit versuchte, Aufmerksamkeit zu erhaschen. Im Interview mit CNN sagte er auch, dass das ein fürchterlicher Versuch war, lustig zu sein.

Ich habe das Video so interpretiert, dass er asiatische Frauen als unterlegen ansieht und mit ihnen machen kann, was er will.

In einigen Ländern ist es tatsächlich so, dass Weisse einen höheren Stellenwert haben und sich dadurch vielleicht mehr erlauben können. Das würde aber nicht mal in Japan funktionieren. Ich glaube, er hat seine Lektion gelernt, nachdem dieser Tsunami der Empörung über ihn geschwappt ist.

Die Methoden aller Pick-up-Artisten werden derzeit kritisch beleuchtet.

Dieser Blanc ist in den roten Bereich gerutscht – und nun versucht man überall, den grünen Bereich schlechtzureden. Das ist schade.

Mit diesen Pick-up-Techniken, die auch Sie lehren, geht es doch nur darum, Frauen ins Bett zu kriegen, oder?

Und was wäre so falsch daran? Aber es kommt ganz darauf an, mit welchen Zielen diese Techniken erlernt werden. Die Teilnehmer in meinen Kursen wollen lernen, wie man nach einer Telefonnummer fragt, andere wollen flirten, wieder andere wollen ein Date – und viele wollen einfach nur Sex, ja, und ich wüsste nicht, weshalb ich mich da als Moralapostel aufspielen sollte.

Möglichst viel, möglichst oft – wird die Frau so nicht zum Objekt degradiert?

Frauen schätzen einen guten und eleganten Flirt doch viel mehr als die Anmache eines betrunkenen Pöblers, oder? Das lehre ich in meinen Kursen. Und es geschieht nie etwas ohne das Einverständnis der Frau. Wenn eine Frau nicht will, dann will sie nicht, da kann man sich auf den Kopf stellen. Und übrigens wollen Frauen doch genauso oft Sex wie wir.

Aber sie suchen sich ihren Partner aus und springen nicht den erstbesten Dahergelaufenen an.

Es ist moralisch in unserer Gesellschaft verankert, dass die Frau mit ihren Bedürfnissen nicht hausieren darf, dass sie sich möglichst zurückhalten, sich hinter einer Mauer verstecken soll. Das ist die soziale Programmierung. Aber wenn die Schlafzimmertüre zu ist, passieren ganz andere Sachen, das wissen Sie und ich. Und Männer sind für Frauen auch Objekte.

Bitte?

Ja, nur haben Frauen ein anderes Ziel. Frauen wollen Männer festhalten, sie binden, sie einsperren in das Gefängnis namens Ehe. Deshalb gibt es auch so viele Ratgeber für Frauen. Die heissen dann «Wie kann ich ihn halten, wie bleibe ich interessant» und so weiter. Sind die etwa nicht manipulativ? Ist eine Frau, die sich schminkt, High Heels anzieht, nicht auch manipulativ, so, wie man es Pick-up-Artisten vorwirft?

Die grosse Liebe findet man mit den Techniken aber nicht, oder?

Vielleicht eben genau darum. Was, wenn die Frau fürs Leben gerade jetzt da drüben an der Bushaltestelle steht, aber der Mann sich nicht traut, sie anzusprechen? Bei mir lernt er so was. Denn viele haben einfach keinen Mumm mehr. Männer kommen mit blutenden Wunden zu mir.

Wunden?

Wunden der Zurückweisung. Sie wurden abgeschmettert und heiraten danach die erstbeste Frau, weil das aus ihrer Sicht immer noch besser ist, als alleine draussen zu stehen und wieder Frauen ansprechen zu müssen. Ich nehme den Männern diese Angst, lehre sie das Rüstzeug, gebe ihnen Krücken, auf denen sie laufen lernen können. Sie lernen auch, die gängigsten Fehler zu vermeiden.

Zum Beispiel?

Von hinten antanzen zum Beispiel. Furchtbar. Da rennt jede sofort weg. Oder einer Frau beim Kennenlernen Komplimente machen, die auf ihr Äusseres gemünzt sind.

Ich bekenne mich schuldig.

Sehen Sie! Ein Profi macht einer Frau erst nach einer gewissen interaktiven Länge Komplimente. Und ich lehre den Männern, wie sie richtig lächeln, den richtigen Blick entwickeln, wie sie es schaffen, damit es knistert. Verführung ist wie Skifahren: Am Anfang sieht es holprig aus, aber wenn man die richtigen Kniffe gelernt hat, geht es schwungvoll.

Matthias Pöhm ist selbsternannter Verführungsexperte, Buchautor («Ich kann euch alle haben - der entschlüsselte Verführungscode») und gibt diverse Seminare.

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