Victoria's Secret: Frauen wollen grössere Slips und BHs
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Victoria's SecretFrauen wollen grössere Slips und BHs

Nicht nur die Models müssen bei Victoria's Secret superschlank sein – auch für Kundinnen gibt es keine Übergrössen. Das sorgt für Ärger.

von
Kaspar Wolfensberger
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Die brasilianischen Models Adriana Lima (links) und Alessandra Ambrosio präsentieren die neuste Mode von Victorias Secret an deren Fashionshow in London, im Dezember 2014.

Die brasilianischen Models Adriana Lima (links) und Alessandra Ambrosio präsentieren die neuste Mode von Victorias Secret an deren Fashionshow in London, im Dezember 2014.

Keystone/Facundo Arrizabalaga
Doch die Konsumentinnen werden langsam unzufrieden. Sie fordern vom Modelabel grössere Grössen. (Auf dem Bild Doutzen Kroes, an der Fashionshow 2014).

Doch die Konsumentinnen werden langsam unzufrieden. Sie fordern vom Modelabel grössere Grössen. (Auf dem Bild Doutzen Kroes, an der Fashionshow 2014).

Keystone/Facundo Arrizabalaga
Victoria's Secret ist bekannt für die «Angels» an den Fashion Shows.

Victoria's Secret ist bekannt für die «Angels» an den Fashion Shows.

Keystone/Facundo Arrizabalaga

Die Victoria's-Secret-Show ist jedes Jahr ein Highlight: Perfekt trainierte Models präsentieren die Unterwäsche des Marktführers in den USA. Und damit auch ein körperliches Idealbild. Vielen Kundinnen gefällt das nicht. Das Unterwäsche-Label sieht sich weltweit mit wachsendem Druck von Konsumentinnen konfrontiert. Deren Forderung: Das Unternehmen solle endlich auch Lingerie für Frauen anbieten, die nicht sehr schlank sind. Grösse 44 etwa (US-Grösse 16) führt Victoria's Secret derzeit nicht im Sortiment. Auch Frauen mit sehr grossen Brüsten finden keine passenden BHs.

Tausende von Personen haben bereits entsprechende Petitionen unterschrieben.

Es ist kein Zufall, dass der Unmut der Konsumentinnen sich ausgerechnet gegen Victoria's Secret richtet. In den USA kontrolliert das Unternehmen im Lingerie-Bereich einen Marktanteil von 35 Prozent – viel mehr als irgendeiner der Konkurrenten. Das Verhalten der Firma hat also eine entscheidende Signalwirkung für die ganze Branche.

Gefühle der Unvollkommenheit

Was genau ärgert die Frauen, die aufgrund ihrer Körpermasse nicht bei Victoria's Secret einkaufen können? Eine Antwort bietet Dana Drew, die Initiantin einer der Petitionen gegen das Modelabel: «Mein Geld und meine Kreditkarte sind für Victoria's Secret gut genug. Dass ich aber nur Parfum und Lotions, nicht aber Unterwäsche kaufen kann, sagt mir: Mein Körper ist es nicht.»

Genau dieses Gefühl der Unvollkommenheit des eigenen Körpers kann zu Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie führen, erklärt Jürg Siegfried, Leiter der Medizinischen Zentren Geissberg. Er sagt: «Bei Geschäften wie Victoria's Secret können nur Frauen einkaufen, die einem übertriebenen Schlankheitsbild entsprechen. Andere fühlen sich deshalb ausgeschlossen und überflüssig.» Aufgrund des Wunsches, trotzdem den Idealen entsprechen zu wollen, entstünden bei gewissen Personen schliesslich Essstörungen.

Der perfekte Körper

Viele der derzeitigen Petitionen gegen Victoria's Secret haben auch einen Bezug zur letzten Kampagne des Labels, die die Unterwäschemarke letzten Herbst lanciert hatte. Damals waren auf Plakaten Models in Dessous zu sehen, über deren sehr schlanken Körpern der Slogan «the perfect body» prangte. Obwohl sich das Wort «Body» hier auf das Kleidungsstück bezog, brachte die Doppelbedeutung Frauen auf Twitter auf die Barrikaden. Erstens sei es nicht an Victorias' Secret, jungen Mädchen und Frauen zu sagen, wie der perfekte Körper auszusehen habe, und zweitens nicht mit der Botschaft, dass nur der Körper eines Models perfekt sei.

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