Enthüllungsbuch: Frauenfeindliches Klima im Weissen Haus
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EnthüllungsbuchFrauenfeindliches Klima im Weissen Haus

Ein neues Buch zeichnet ein wenig vorteilhaftes Bild von Barack Obamas Anfangszeit als US-Präsident. Seine Berater sollen ihn ausmanövriert und Frauen an den Rand gedrängt haben.

von
pbl
Barack Obama mit den Wirtschaftsberatern Christina Romer (l.) und Lawrence Summers (r.) sowie Finanzminister Timothy Geithner. Alle drei spielen im Buch eine nicht nur vorteilhafte Rolle.

Barack Obama mit den Wirtschaftsberatern Christina Romer (l.) und Lawrence Summers (r.) sowie Finanzminister Timothy Geithner. Alle drei spielen im Buch eine nicht nur vorteilhafte Rolle.

Am Dienstag erscheint in den USA das Buch «Confidence Men: Wall Street, Washington and the Education of a President». Verfasser ist der bekannte Enthüllungsjournalist und Pulitzer-Preisträger Ron Suskind. Er schildert die ersten beiden Jahre der Präsidentschaft von Barack Obama. Das Weisse Haus hatte den Autor umfassend unterstützt, er erhielt sogar ein Interview mit dem Präsidenten. Nun feuert es aus vollen Rohren gegen Suskind, denn laut seinem Buch herrschte im Umfeld Obamas eine chaotische und vergiftete Atmosphäre.

Besonders schwer wiegt der Vorwurf, wonach Frauen selbst in hohen Positionen oft an den Rand gedrängt worden seien. Als «Hauptbösewichte» werden Wirtschaftsberater Lawrence Summers und Stabschef Rahm Emanuel identifiziert. An einem Nachtessen im November 2009 sollen sich mehrere hochrangige Mitarbeiterinnen direkt beim Präsidenten beschwert haben, dass Männer einen besseren Zugang zu ihm erhielten und sie oft aus wichtigen politischen Diskussionen ausschliessen würden, heisst es in Suskinds Buch.

«Wie ein Stück Fleisch»

Anita Dunn, die ehemalige Kommunikationsdirektorin des Präsidenten, wird sogar mit der Aussage zitiert, wonach das Weisse Haus «alle rechtlichen Voraussetzungen erfüllt, um als frauenfeindlicher Arbeitsplatz zu gelten». Und die frühere Wirtschaftsberaterin Christina Romer soll sich «wie ein Stück Fleisch» gefühlt haben, nachdem Lawrence Summers sie von einer wichtigen Sitzung ausgeschlossen habe.

Dunn und Romer haben sich von diesen Aussagen distanziert. In letzter Zeit soll sich das Klima gemäss «Washington Post» verbessert haben, vielleicht auch weil Summers und Emanuel nicht mehr im Weissen Haus tätig sind. Mehrere Frauen wurden in hochrangige Positionen berufen. Melody Barnes, Obamas Chefberaterin für Innenpolitik, erklärte, der Präsident und seine Mitarbeiter hätten «grosse Anstrengungen unternommen, um Frauen einen bevorzugten Platz am Tisch zu verschaffen».

«Traurige kleine Geschichten»

Wenig vorteilhaft erscheint in Suskinds Buch auch Barack Obamas Umgang mit seinen Wirtschaftsberatern. Sowohl Summers wie Finanzminister Timothy Geithner sollen den in ökonomischen Fragen unerfahrenen Präsidenten mehrfach ausmanövriert und seine Pläne zur Rettung der US-Wirtschaft behindert haben. So habe Geithner die Forderung Obamas nach einer Umstrukturierung der von der Regierung geretteten Citibank blockiert.

Geithner wehrte sich am Montag vehement gegen diese «traurigen kleinen Geschichten». Er habe das Buch zwar nicht gelesen, «doch die Berichte darüber enthalten keine Ähnlichkeit mit der Realität, in der wir zusammen lebten», sagte der Finanzminister. Auch Jay Carney, der Sprecher des Weissen Hauses, erklärte, selbst einfachste Dinge in diesem Buch seien falsch: «Eine Passage scheint direkt aus Wikipedia abgeschrieben worden zu sein.» Ron Suskind äusserte sich dazu bislang nicht.

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