Frauenmangel in Ostdeutschland
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Frauenmangel in Ostdeutschland

In Sachsen mögen zwar die schönsten Mädchen wachsen, nutzen tut dies aber nicht allzu viel, denn sie wandern aus.

Die Abwanderung aus Ostdeutschland verursacht in einigen Regionen einen deutlichen Männerüberschuss und ein soziales Ungleichgewicht. Das zeigt eine neue Studie des Berlin- Instituts für Bevölkerung und Entwicklung.

Fortgezogen seien vor allem junge, qualifizierte Frauen, während deutlich mehr schlecht qualifizierte Männer zurückblieben, heisst es in der Studie, die am Mittwoch vorgestellt wurde.

In manchen ländlichen Regionen habe die überproportionale Abwanderung von Frauen mittlerweile zu einem Männerüberschuss von mehr als 20 Prozent in der Altersklasse der 18- bis 29-Jährigen geführt.

Bildungsvorsprung

Als Hauptgrund dafür, dass seit der Wende wesentlich mehr Frauen als Männer den Osten Richtung Westen verliessen, sehen die Autoren der Studie «Not am Mann» den Bildungsvorsprung von jungen Frauen.

Da sie bessere Zeugnisse vorweisen könnten als ihre männlichen Altersgenossen, hätten sie es anderenorts leichter, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden.

In den Landstrichen mit den grössten wirtschaftlichen Problemen sei deshalb «eine neue, von Männern dominierte Unterschicht» entstanden. Viele von ihnen hätten keinen Job, keine Ausbildung und keine Partnerin. Wer als Frau einen Partner «auf gleicher Augenhöhe» suche, werde immer seltener fündig.

Kindermangel

Das Fortgehen der jungen Frauen beschleunigt damit nicht nur den wirtschaftlichen und sozialen Erosionsprozess in den betroffenen Regionen. Es fehlen aufgrund der Frauenabwanderung in den neuen Bundesländern auch rund 100 000 Kinder.

Darüber hinaus sind die Regionen mit Männerüberschuss besonders anfällig für rechtsradikales Gedankengut, so das Ergebnis der Studie. Rechte Parteien erzielen dort ihre besten Wahlergebnisse. Eine Ursache sieht das Berlin-Institut in einer «tief greifenden Entwertung traditioneller männlicher Rollenvorstellungen».

(sda)

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