Magazin «Sportlerin»: «Frauensport wurde lange vernachlässigt, nun geht es vorwärts»
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Magazin «Sportlerin»«Frauensport wurde lange vernachlässigt, nun geht es vorwärts»

Mit «Sportlerin» bringen drei Berner ein Magazin rein um Frauensport auf den Markt. Dass es von Männern herausgegeben wird sei nebensächlich – das sehen auch Sportlerinnen und Bundesrätin Viola Amherd so.

von
Christian Holzer
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So sieht das neue Magazin «Sportlerin» aus.

So sieht das neue Magazin «Sportlerin» aus.

Die Herausgeber: Roman Grünig, Fabian Ruch, Leander Strupler (v.l.n.r.)

Die Herausgeber: Roman Grünig, Fabian Ruch, Leander Strupler (v.l.n.r.)

 Ariella Käslin freut sich über die neue Plattform.

Ariella Käslin freut sich über die neue Plattform.

https://www.ariella-kaeslin.ch/

Darum gehts

  • Die Schweiz hat ein neues Magazin, das sich komplett dem Frauensport widmet.

  • Damit soll das Metier die Aufmerksamkeit bekommen, die es verdient.

  • Spitzensportlerinnen begrüssen die neue Plattform.

  • Auch Bundesrätin Viola Amherd unterstützt das Projekt.

Mit «Sportlerin» kommt heute das erste Magazin rund um Frauensport auf den Schweizer Markt. Herausgeben wird dieses von drei Männern, aber das sei nebensächlich, sagt Mit-Herausgeber Roman Grünig: «Wer es macht, ist unwichtig. Wichtig ist, dass endlich ein solches Magazin erscheint.» Denn es gäbe etliche Sportmagazine, jedoch würden die meisten den Männersport beleuchten: «Nun bekommt Frauensport langsam die Aufmerksamkeit, die er verdient», so der YB-Sponsoringverantwortliche. So zeige SRF mittlerweile auch Frauenfussball und mit der Axpo habe die Liga nun auch einen grossen Sponsor. «Mit dem Magazin stiessen wir auf grosses Interesse. Viele wollten uns dabei unterstützen; von den Verbänden, über Sponsoren bis hin zu Spotlerinnen und Sportler.»

Den Anfang hat das 116 Seiten dicke Magazin der drei Berner ungefähr von einem Jahr genommen. Sportjournalist Fabian Ruch, Grafiker Leander Strupler und Grünig haben das Projekt im Lockdown ausgearbeitet. Ruch: «Weil wir alle weniger zu tun hatten, haben wir uns überlegt, wie wir unsere Fähigkeiten für etwas Notwendiges und Nachhaltiges einsetzen können.» Herausgekommen ist nun gut neun Monate später «Sportlerin», welches ab heute an allen Valora-Kiosken, an Coop-Kassen oder online gekauft werden kann.

Keine Angst vor ernsten Themen

Ein Blick ins Hochglanzheft zeigt, die Macher setzen den Fokus nicht nur auf Sport, sondern richteten den Blick auch auf gesellschaftliche Komponenten und wagen sich auch an schwere Themen: Ariella Kaeslin über die schrecklichen Vorfälle im Kunstturnen, eine kritische Analyse zu SCB-Sportchefin Florence Schelling und ihr Debüt oder Fussballerin Lara Dickenmann über ihr Coming-out. Die Artikel, Reportagen und Kolumnen werden von Sportlerinnen oder bekannten Journalistinnen und Journalisten geschrieben. Ginge es nach Fabian Ruch, so würden fast nur Frauen für das Magazin schreiben: «Aber leider gibt es dafür zu wenig Journalistinnen im Metier.»

Nicht zuletzt soll das Magazin laut den Herausgebern eine wichtigen Plattform für den Frauensport werden. Diese sei längst überfällig, sagt Ariella Kaeslin zu 20 Minuten: «Frauensport wurde lange vernachlässigt. Es freut mich enorm, dass die Entwicklung nun in die richtige Richtung geht.» Das Magazin «Sportlerin» sei ein wichtiges Projekt: «Ich hoffe, dass ich in Zukunft noch viele ähnliche Projekte unterstützen darf.» Auch Bundesrätin Viola Amherd hat das Projekt anerkannt und dem Magazin ein umfassendes Interview beigesteuert. Die Sportministerin sieht noch immer viel Arbeit in Sachen Gleichstellung – etwa bei den Führungspositionen der Sportverbände, wo es noch immer zu wenig Frauen gebe. Oder: «Frauenspezifische Themen wie etwa der Menstruationszyklus oder Schwangerschaften werden zu wenig thematisiert und diskutiert.» Dabei sei solches Wissen essenziell, damit die Leistungsfähigkeit von Athletinnen verbessert werden könne.

«Ein Herzensprojekt»

10 Franken kostet die erste Ausgabe – die nächste ist bereits in Planung. Viermal jährlich soll das Magazin erscheinen: «Wir hoffen vor allem, dass wir möglichst viele Jahres-Abonnements à 30 Franken verkaufen», so Mitgründer Leander Strupler. Denn auf diese Weise sei der Fortbestand des Projekts gesichert. «Es ist ein Herzensprojekt, das nicht viel Geld abwerfen muss. Ziel ist, dass wir auf keinen Kosten sitzen bleiben.»

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