Nach Vorwurf von Polizeigewalt in Zürich: Frauenstreik-Kollektiv reicht Beschwerde ein
Publiziert

Nach Vorwurf von Polizeigewalt in ZürichFrauenstreik-Kollektiv reicht Beschwerde ein

Ein Video von einem Polizisten, der offenbar auf eine Demonstrantin schlägt, sorgt für viel Wut. Nun hat sich das Kollektiv «Feministischer Streik Zürich» zu Wort gemeldet.

Am Samstag fand in Zürich eine unbewilligte Frauendemo statt. Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort.

Darum gehts

  • Ein Video von einem Polizist, der offenbar mit der Faust auf eine Demonstrantin schlägt, sorgt für viel Wut.

  • «Wir werden kämpfen», heisst es in einem Post der betroffenen Gruppe.

Im Zusammenhang mit dem 8. März, dem internationalen Tag der Frauen, kam es am Wochenende in der Zürcher Innenstadt zu mehreren unbewilligten Demonstrationen. Das Kollektiv «Feministischer Streik Zürich» rief bereits am Wochenende zuvor zu Veranstaltungen in der Stadt auf. Die Stadtpolizei markierte Präsenz, ging gegen die Protestierenden vor und setzte Reizstoff ein. Besonders ein Video sorgt in den vergangenen Tagen für viel Wut in der Community. In der Aufnahme ist zu sehen, wie ein Polizist offenbar mit der Faust auf eine Demonstrantin schlägt, die am Boden liegt.

Das Kollektiv äusserte sich am Mittwoch nun erstmals offiziell zu den Vorfällen am Wochenende. Wie es in einer Mitteilung heisst, wurde im Zusammenhang mit den Ausschreitungen eine Beschwerde an die Verantwortlichen des Sicherheitsdepartementes, die Stadtpolizei Zürich sowie die Ombudstelle und die Fachstelle für Gleichstellung geschickt. «Wir erwarten von den Behörden eine Stellungnahme und wollen Antworten auf eine Reihe von Fragen. Zudem fordern wir einen Erlass aller für und am 6. März ausgeteilten Bussen und eine klare Aufarbeitung der polizeilichen Gewalt am 6. März.»

«Wir werden kämpfen»

Am Dienstag tauchte das Bild einer Frau auf Instagram auf, die im Gesicht verletzt ist. Dazu steht: «Als mich die Polizei grundlos rausnahm, hat diese Person versucht, mir zu helfen. Menschen wie sie zeigen, was Solidarität bedeutet.» Weiter heisst es: «Was dieses Wochenende passiert ist, können wir nicht ignorieren. Wir werden kämpfen. Zürich wird wieder brennen.» Der Post wurde vom «Feministischen Streik Zürich» geteilt.

Screenshot Instagram

Wie es bei der Stadtpolizei Zürich auf Anfrage heisst, hat man das Schreiben zur Kenntnis genommen. Soweit wie nötig und angezeigt werde man den Absenderinnen eine Antwort zukommen lassen. «Wir halten aber jetzt schon klar fest, dass der Einsatz insgesamt keine massive Polizeigewalt dargestellt hat und die Regeln der Verhältnismässigkeit immer eingehalten wurden», sagt Sprecher Michael Walker.

Laut der Stadtpolizei Zürich sind die Bilder bei einer Verhaftungsaktion im Zürcher Kreis 4 entstanden. Zuvor sei es zu Gewalt und Drohung gegen Beamte gekommen. «Aufgrund der Bilder ist eine vertiefte Abklärung zweifellos notwendig. Neben der strafrechtlichen Frage, die durch die Staatsanwaltschaft geklärt wird, muss unter Einbezug des betroffenen Mitarbeiters auch geklärt werden, ob zusätzlich personalrechtliche Massnahmen angezeigt sind.»

Wie es bei der Zürcher Staatsanwaltschaft auf Anfrage heisst, hat man Kenntnis von den Vorfällen vom letzten Wochenende. «Dabei stehen einerseits Vorwürfe gegen Demonstrierende unter anderem wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Raum wie auch Vorwürfe gegen die Polizei im Zusammenhang mit dem Video», sagt Sprecher Erich Wenzinger. «Die Abklärungen befinden sich noch im Stadium des polizeilichen Ermittlungsverfahrens. Sobald die Rapportierung an die Staatsanwaltschaft erfolgt ist, nimmt sich die Staatsanwaltschaft wie üblich der Sache an und entscheidet über das weitere Vorgehen.»

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Fachstelle Frauenberatung

Onlineberatung für Frauen (BIF)

Onlineberatung für Männer

Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Pro Juventute, Tel. 147

(20m)

Deine Meinung