Geständnis abgelegt: Fraumünster-Posträuber hat Koks verkauft
Aktualisiert

Geständnis abgelegtFraumünster-Posträuber hat Koks verkauft

Er war der führende Kopf des Jahrhundert-Postraubes von 1997, als die Fraumünsterpost ausgeraubt wurde. Jetzt steht der 53-jährige heutige Barbetreiber wegen Drogenhandel vor dem Bezirksgericht Zürich.

von
Attila Szenogrady
Beim Jahrhundert-Raub in der Fraumünsterpost erbeuteten die Täter am 1. September 1997 auf filmreife Art und Weise 53 Millionen Franken.

Beim Jahrhundert-Raub in der Fraumünsterpost erbeuteten die Täter am 1. September 1997 auf filmreife Art und Weise 53 Millionen Franken.

Im Frühjahr 2008 wurde die Polizei auf eine Bar an der Friesstrasse in Zürich-Nord aufmerksam. So hatten Ermittlungen ergeben, dass das Lokal als wichtiger Treffpunkt für Drogendealer, Waffenverkäufer und Menschenhändler galt. Beim Barbetreiber handelte es sich ausgerechnet um den heute 53-jährigen Giuseppe V. aus Bassersdorf.

Der Italiener hatte bereits im Sommer 1997 weltweit für Schlagzeilen gesorgt. So hatte er damals als Drahtzieher im Hintergrund den Zürcher Jahrhundert-Raub entscheidend mitorganisiert. Dabei hatte eine mehrköpfige Bande die Fraumünsterpost überfallen und über 53 Millionen Franken gestohlen. Bis heute ist rund die Hälfte der Beute verschwunden.

Statt Pizzas und Pasta lieber Kokain und Alkohol

Giuseppe V. flog wie alle Bandenmitglieder auf und wurde zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Der Familienvater hoffte danach auf ruhigere Zeiten. Allerdings vergeblich. So stand er vor fünf Jahren wegen Geldwäscherei vor dem Zürcher Obergericht. So soll er 16 Millionen Franken aus der Fraumünster-Beute an die italienische Mafia überwiesen haben. Allerdings wurde er mangels Beweisen freigesprochen.

Giuseppe V. betätigte sich in der Folge weiterhin als Gastronom. Wobei sein Lokal zu einer Vorstadt-Spelunke mit Gangsterromantik verkam. Dafür war in erster Linie sein Ruf als führender Jahrhundert-Posträuber verantwortlich. «Wer kennt ihn schon nicht», erklärte eine Stammkundin später der Polizei. Sicher ist, dass die Gäste statt Pizzas und Pasta lieber viel Kokain und übermässig Alkohol konsumierten.

V-Mann mit silbernem Porsche

Um die Szene zu zerschlagen, setzte die Zürcher Polizei einen verdeckten Ermittler ein. Es handelte sich um einen gewissen «Fabrizio», der eines Tages vor der Bar des Beschuldigten mit einem silbernen Porsche auftauchte und sich offiziell als Autohändler vorstellte. Inoffiziell als potenter Vermittler von leichten Frauen und Kokain.

Der V-Mann hatte bald Erfolg. So entpuppte sich Wirt Giuseppe V. schon bald auch als Drogenhändler und belieferte den vermeintlichen Grossdealer bei mehreren Übergaben mit insgesamt rund 300 Gramm Kokain. Zudem organisierte der Ex-Posträuber einen illegalen Kauf einer Pistole. Im Mai 2010 nahm die Polizei Giuseppe V. fest. Er verschwand für vier Monate in Untersuchungshaft, wo er alles zugab.

Bedingte Freiheitsstrafe

Das Gericht kam am Mittwoch trotz eines umfassenden Geständnisses des Angeklagten noch zu keinem Urteil. Dieses wird am kommenden 14. Mai eröffnet. Dann soll sich ein Mittäter des Bassersdorfer Beschuldigten ebenfalls wegen Drogenhandels vor Gericht verantworten. Sicher ist, dass Giuseppe V. kaum mehr hinter Gitter muss. So hat die Staatsanwaltschaft eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten beantragt. Verteidiger Valentin Landmann sprach vom Fluch des Jahrhundert-Postraubs und setzte sich für 20 Monate auf Bewährung ein. Giuseppe V. versicherte vor Gericht, dass er nicht mehr straffällig werden wolle. Vielmehr habe er inzwischen alle Kokainkonsumenten aus seiner Gaststätte hinausgeworfen.

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