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Obergericht ZürichFraumünster-Posträuber muss wieder ins Gefängnis

Der frühere Zürcher Fraumünster-Posträuber Domenico Silano wollte zusammen mit einem Profigangster einen UBS-Kurier überfallen. Acht Monate der Strafe muss er absitzen.

von
Attila Szenogrady
Der verurteilte Domenico Silano im Juni 2009 beim Präsentieren seines Enthüllungsbuchs vor der Fraumünsterpost.

Der verurteilte Domenico Silano im Juni 2009 beim Präsentieren seines Enthüllungsbuchs vor der Fraumünsterpost.

«Ich dachte an meinen Sohn und wollte wie mit meinem Buch junge Menschen vor Raubtaten warnen», begründete Domenico Silano am Dienstag vor dem Zürcher Obergericht seinen plötzlichen Rücktritt von einem geplanten Raubüberfall. Dieser sollte im Mai 2010 mitten in Zürich über die Bühne gehen. Der ehemalige Fraumünster-Posträuber Silano wollte damals zusammen mit einem italienischen Profigangster an der Pelikanstrasse einen UBS-Kurier überfallen. Dabei rechnete das Duo mit einer Beute von rund 150'000 Franken.

Fest steht, dass der heute 41-jährige Silano und sein Komplize konkrete Vorbereitungshandlungen trafen. So besorgten sie sich laut Anklage nicht nur Schusswaffen, sondern auch einen Pfefferspray sowie schwarze Sturmhauben. Zudem prüften sie mögliche Fluchtwege und heuerten für das Absetzen vom Tatort einen Chauffeur mit einem Personenwagen an.

Räuber zerstritten sich

Allerdings platzte der Coup, da sich die Akteure kurz vor der Aktion zerstritten hatten. Zudem hatte die Polizei einige Landsleute aus dem Umfeld des Duos wegen Verdachts auf Drogenhandel festgenommen. Im Herbst 2011 wurden Silano und sein Komplize verhaftet. Silano kam in Untersuchungshaft und musste dabei erfahren, dass die Polizei seine Gespräche im Mai 2010 abgehört und mitverfolgt hatte.

Vor Obergericht gab der grundsätzlich geständige Silano nun eine gewisse Vorbereitung zu, liess aber seinen Verteidiger dennoch auf einen vollen Freispruch von den Hauptvorwürfen plädieren. Der Rechtsanwalt richtete sein Plädoyer gegen ein erstinstanzliches Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom April 2014.

Freispruch gefordert

Dieses hatte Silano wegen strafbaren Vorbereitungshandlungen zu Raub sowie Misswirtschaft – er hat nebenbei eine eigene Baufirma in den Ruin getrieben – zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 28 Monaten verurteilt. Sechs Monate davon sollte der Beschuldigte verbüssen.

Zu Unrecht, wie der Verteidiger ausführte und festhielt, dass sein Klient rechtzeitig vom Vorhaben zurückgetreten sei. Er habe die Vorbereitungshandlungen aus eigenem Antrieb nicht zu Ende geführt, zeigte er sich überzeugt. Deswegen sei ein Freispruch zwingend.

Staatsanwalt verlangte 30 Monate unbedingt

Anders sah es der zuständige Staatsanwalt. Er verlangte nicht nur die Bestätigung der Schuldsprüche, sondern auch eine markante Straferhöhung auf 30 Monate – aufgrund des Rückfalls des früheren Fraumünster-Posträubers gesamthaft unbedingt. Silano zeige weder Reue noch Einsicht, plädierte der Ankläger, der sich zudem auf ein inzwischen rechtskräftiges Urteil gegen den Komplizen Silanos berufen konnte. Dieser wurde kürzlich vom Obergericht wegen den Vorbereitungshandlungen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt.

Das Obergericht folgte zum Schluss der Anklage und setzte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 28 Monaten fest. Allerdings mit einem unbedingten Teil von acht Monaten, womit Silano für zwei Monate länger ins Gefängnis muss. Die Oberrichter kauften dem Beschuldigten nicht ab, dass er wegen seines Sohns oder seines Buchs aus eigenem Antrieb vom Vorhaben zurückgetreten sei.

Ausschaffung droht

Vielmehr hätten äussere Umstände – wie die Verhaftung von eingeweihten Landsleuten sowie das Verschwinden des Komplizen nach Italien – zum Rückzug Silanos geführt, erklärte der Gerichtsvorsitzende Daniel Bussmann. Mit diesem Urteil muss Silano mit seiner Ausschaffung nach Italien rechnen, obwohl er bereits seit 1990 in der Schweiz lebt.

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