14.08.2020 20:04

3 mit Sex«Free Nipples – Ich lasse meinen Busen aus dem BH-Gefängnis!»

Im Homeoffice und Lockdown hat Ella nie BH getragen – und will damit auch gar nicht wieder anfangen. Doch ihr Jetzt-Ex will Ellas Brüste für sich allein.

von
Ella
Julia Ullrich
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Ella verabschiedet sich im Homeoffice vom BH.

Ella verabschiedet sich im Homeoffice vom BH.

Anna Deér
Lars
Lars

Er ist ein schwuler Designer aus dem Aargau. WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln umgehen kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, in und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.

Anna Deér
Ella
Ella

Sie ist single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.

Anna Deér

Darum gehts

  • Ella verzichtet im Homeoffice auf ihren BH.
  • Auch ihre Freundinnen tun es – unabhängig von ihr – gleich.
  • Alles schön und gut, bis Ellas Freund plötzlich meint, dass das für ihn zu weit gehe. Es seien schliesslich seine Nippel.
  • Ella greift deshalb wieder zum ungeliebt gewordenen Büstenhalter zurück – bis Bruce, Lars und sogar ihre eigene Mutter ihr ins Gewissen sprechen.
  • Daraus folgt eine Entscheidung – BH oder Freund?

Es sind nicht die Atemschutzmasken und das Desinfektionsmittel, die mir vom Lockdown am stärksten in Erinnerung bleiben. Nicht der spröd-charmante Mr. Koch, nicht die ständig aktualisierten Fallzahlen, nicht die Infektionsangst – sondern die erst kühle, dann immer wärmer werdende Frühlingsluft, die ab Mitte März um meine Brüste strich. Dann nämlich schickte mein Boss uns ins Homeoffice und ich meine BHs ins Nirvana. (Büstenhalter ist ja eigentlich auch ein Wort aus der Kategorie Lockenwickler, nicht wahr? Und die benutzt ja schliesslich auch keine mehr!)

Die Bandeaus und die Triangel, die mit Rüschchen und Spitzen, die sportlichen Bustiers, die BHs aus glänzendem Satin und auch die billigen aus elektrisch aufgeladenem Polyester, die voluminösen Wonderbras, die aus Birnen Melonen machen und aus Marshmallows Luftballons – sie alle kompostieren seit dem Lockdown am Grund meiner Unterwäsche-Schublade, wo sie vorerst auch bleiben werden.

«Meine Freundinnen und ich liessen den BH links liegen»

Und das Schöne ist: alle meine Freundinnen machen es wie ich und feiern die neue No-Bra-Culture. Unabhängig voneinander haben wir das Busenkorsett im Homeoffice abgestreift, unbemerkt die einen, voll bewusst die anderen. Manche haben noch gegoogelt zuvor: Führt ein BH zu Hängebrüsten? Führt kein BH zu Hängebrüsten? Die Antwort ist nicht ganz eindeutig, ein paar Männer (ja, Männer, wahre Experten ganz bestimmt) haben ein paar Jahre geforscht und dann das eine oder andere behauptet. Ein Franzose zum Beispiel hat berechnet, dass sich das Verhältnis zwischen der Höhe der Brustwarzen und der Schultern um jährlich sieben Millimeter reduziert, wenn Frauen keinen BH tragen, später aber einen Rückzieher seiner Studie gemacht. Ich finde: let’s free and see.

Kleben meine Nippel 2050 auf meiner Schulter, dann hatte der Franzose recht und ich werde mich ärgern, weil sie dort ganz sicher an den Trägern meiner Chanel-Tasche scheuern werden, die ich mir bis dahin hoffentlich leisten kann (Job-Angebote, die die Zeit bis zur Chanel-Tasche verkürzen, subito an onelove@20minuten, thx!) Bis dahin aber scheuert bei mir gar nichts mehr: Meine Boobies und ich genossen einen lauen Frühling und einen heissen Sommer, und ich weiss, dass es den Brüsten meiner Freundinnen genau gleich geht. Ein einträchtiges Busen-Jekami unter Kleidchen, Tops, Shirts. Die ganze Stadt ein einziges weiches Bällebad.

«Mein Ex-Gschleick erklärte mir, dass es seine Nippel seien»

Bis plötzlich mein Seither-Ex-Gschleick meinte, er fände das nicht so gut, dass andere Männer meine Nippel sehen könnten. Es seien eigentlich seine Nippel. Ich könnte mich den Typen ja sonst auch gleich an den Hals werfen. Wer so aufreizend rumlaufe wie ich, müsse sich nicht wundern, im Geschäftsleben nicht ernst genommen zu werden und als bitchy zu gelten. Ich war verunsichert, denn ich wollte nicht, dass meine männlichen Kollegen denken, ich trüge aus strategischen Gründen keinen BH. Dass sie denken, ich lasse das Bustier weg, um sie zu beeinflussen, ihre Aufmerksamkeit abzulenken, oder minderwertige Leistungen mit gesteigerter Freizügigkeit zu kompensieren.

Weil ich es grundsätzlich nicht mag, wenn sich mein Umfeld grosse Gedanken über meine mittelgrosse Oberweite macht, liess ich meine Brüste nach der Moralrede meines Boys schnell wieder hinter gepolsterten Schalen aus fleischfarbenem Textil verschwinden. One girl, two cups, darüber ein säuerliches Lächeln. Bis mich Bruce, Lars und Juno an einem Brunch in der WG zusammen mit meiner Mutter einmal kurz durchschüttelten und klarmachten, dass meine Brüste meine Brüste seien. Nur meine Brüste*. Dass diese Brüste Erhebungen mit nochmals Erhebungen drauf sind, die man durch die Kleidung sehen kann, genauso wie Schlüsselbeine, Kniescheiben oder, jawohl, Penisse. Dass diese Konturen unter Kleidung keine Einladung für gar nichts darstellten, weder zum Grabschen noch zum Gaffen und auch sicher nicht als strategisch eingesetzte «Bulletpoints» in Budgetdiskussionen oder Projektpräsentationen.

«Neuerdings überprüft ein Franzose die Theorie seines Landsmannes»

Und meine Mutter, die sonst nur Kopfschütteln, Lachanfälle oder Sorgenfalten für mein Liebesleben übrig hat, schaute mich streng an und meinte, dass Generationen von Frauen dafür gekämpft haben, dass Frauen wie ich über ihren Körper selbst bestimmen dürfen: ob und wann darin ein Baby wachse, wer wie viel davon sehen, wer ihn berühren dürfe. Ich gab ihnen allen sofort recht, so einleuchtend war das. Tags darauf wiederholte ich ihre Rede mitsamt Junos stilistischen Pausen und Lars’ ausladenden Gesten gegenüber meinem Gschleick – und machte ihn damit zum Ex-Gschleick.

Meine Brüste holte ich aus ihrem Gefängnis, wo sie sich auch nach Lockdown-Ende prächtig entwickeln. Und neuerdings lasse ich manchmal einen Franzosen ran. Mit warmen Händen und sanften Lippen versucht er, die Theorie seines Landsmanns zum Nippel-Schulter-Abstand zu überprüfen. Sobald ich Resultate habe, seid ihr, chéries, die ersten, die es erfährt.

Sex-WG

3 mit Sex

Ella, Lars und Bruce heissen in Wirklichkeit gar nicht so, und auch einige Angaben sind geändert. Wahr ist aber, dass sie leidenschaftlich gern durch die Keller und Clubs der besten Stadt dieses Landes tanzen. Die drei Singles lieben Techno, Rührei und die stabilen Betten ihrer WG. Und sie wissen: Falls sie sich je zu dritt darin vergnügen, ist das das Ende von allem – oder der Beginn von etwas noch Grösserem. 20 Minuten erzählen sie exklusiv von ihren Abenteuern.

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