Aktualisiert 15.05.2017 13:47

Rocker in ZürichFrei.Wild-Auftritt sorgt für Ärger

Politiker sind empört: Die Rockband Frei.Wild tritt im Hallenstadion auf – das teils der Stadt Zürich gehört. Die Betreiber sehen kein Problem, planen aber strenge ­Eingangskontrollen.

von
Deborah Sutter
Frei.Wild beim «Gegengift»-Konzert vor einem Jahr.

Frei.Wild beim «Gegengift»-Konzert vor einem Jahr.

youtube.com

«Südtirol, deinen Brüdern entrissen, (...) du bist noch nicht verlorn, in der Hölle sollen ­deine Feinde schmorn»: Wegen solcher Texte wird die Band Frei.Wild von gewissen Kommentatoren als rechtsextrem eingestuft (siehe Interview). Im Herbst tritt die Band im Zürcher Hallenstadion auf. Das sorgt für Kritik bei Politikern, denn die AG Hallenstadion gehört zu

34 Prozent der Stadt Zürich.

«Einer solchen Gruppe darf keine Plattform geboten werden», sagt etwa SP-National­rätin Evi Allemann. Auch sei die Stadt mitverantwortlich: «Sie muss prüfen, ob sie das Risiko einer solchen Veranstaltung überhaupt eingehen will.» Die Zürcher Kantonsrätin Alma Redzic (Grüne) geht noch weiter: «Das Hallenstadion gehört zu einem Drittel uns allen und der Grossteil der Bevölkerung ist nicht rechts­extrem – der Gemeinderat ist nun gefordert, dieses Konzert zu verhindern.» CVP-Fraktionspräsident Christian Traber pflichtet bei: «Bleiben die Betreiber des Stadions dabei, werden wir einen Vorstoss einreichen, um beim Stadtrat die Vermietungspraxis zu hinterfragen.»

Beim Hallenstadion will man von all dem nichts wissen: «Alle Veranstaltungen sind willkommen, die sich an die Schweizer Gesetzgebung halten», sagt Direktor Felix Frei gegenüber dem «Zürcher Unterländer». Allerdings sind für dieses Konzert strenge ­Eingangskontrollen vorgesehen: «Wir werden sehr genau darauf achten, dass keine ver­botenen Gegenstände ins Stadion gelangen», so Frei. Bei der Stadt Zürich wollte man sich gestern nicht zum Konzert äussern.

«Eindeutig in der rechtsextremen Szene»

Herr Wilking*, wie ist die Band Frei.Wild politisch einzuordnen? Dirk Wilking: Die Band ist eindeutig in der rechts­extremen Szene anzusiedeln, da sie über ihre Texte Nazi-Ideologien verbreitet.

Herr Wilking*, wie ist die Band Frei.Wild politisch einzuordnen? Dirk Wilking: Die Band ist eindeutig in der rechts­extremen Szene anzusiedeln, da sie über ihre Texte Nazi-Ideologien verbreitet.

Welche Nazi-Ideologien denn? Die Band wehrt sich ja gegen dieses Image ...

Im Lied «Südtirol» etwa wird eindeutig Italien angegriffen: Südtirol soll nicht mehr zu ­Italien gehören, vielmehr wollen sie etwas Grossdeutsches. Es ist ein klassisches Modell der rechtsextremen Szene, dass die Staatengeografie Europas in Frage gestellt wird.

Was sind die Gefahren solcher Konzerte?

Die Bands wollen ihre moralischen Werte verbreiten, und mit einer ­solchen Plattform können sie viele Jugend­liche erreichen. Dies führt zu einem logischen Domino­effekt. Also ich würde meine Kinder nicht an dieses Konzert lassen.

*Dirk Wilking ist Rechtsextremismus-Experte und Geschäftsleiter des Brandenburgischen Instituts für Gemeinwesenberatung.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.