29.08.2019 04:52

Online-UmfrageFreiburg will wissen, wo gegrapscht wird

Die Stadt Freiburg sagt Belästigung im öffentlichen Raum den Kampf an. Besucher und Bewohner sollen angeben, wo sie schlechte Erfahrungen gemacht haben.

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km
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Die Stadt Freiburg lanciert eine Kampagne, um herauszufinden, wo und wie oft Belästigungen im öffentlichen Raum vorkommen.

Die Stadt Freiburg lanciert eine Kampagne, um herauszufinden, wo und wie oft Belästigungen im öffentlichen Raum vorkommen.

Gar nicht so selten, wie eine nicht repräsentative Umfrage von 20 Minuten zeigt.

Gar nicht so selten, wie eine nicht repräsentative Umfrage von 20 Minuten zeigt.

Mixmike
Thierry Steiert, Freiburger Stadtammann, sieht in diesem Projekt grosses Potenzial.

Thierry Steiert, Freiburger Stadtammann, sieht in diesem Projekt grosses Potenzial.

Keystone/Thomas Delley

Im Bus an den Hintern gefasst, ein sexistischer Spruch da, eine Beleidigung dort – gerade Frauen sind oft Opfer von Belästigungen. Das weiss auch die Stadt Freiburg – und will dem nun einen Riegel schieben. Dafür lanciert sie eine Kampagne und eine gross angelegte Umfrage.

Mit Letzterer will Freiburg herausfinden, wo und wie oft Belästigungen im städtischen öffentlichen Raum vorkommen. Gar nicht so selten, wie eine nicht repräsentative Umfrage von 20 Minuten zeigt. So gibt etwa die Freiburgerin R. S.* an, dass sie erst letztes Jahr eine schlimme Erfahrung machen musste: «Ein älterer Herr hat mir an einem Strassenfest in Freiburg unter den Rock gegriffen», erzählt die 21-Jährige. Daraufhin schlug sie seine Hand weg, doch dieser habe kaum darauf reagiert und sei weitergegangen, ohne etwas zu sagen.

Handynummer aufgezwungen

Auch L. J.* fand sich in einer ungemütlichen Situation wieder. Die 16-Jährige wurde eines Abends in Freiburg im Zug von einem jungen Mann verbal belästigt. «Er sass zu mir ins leere Zugabteil, bedrängte und zwang mich, seine Handynummer zu notieren», erzählt die Schülerin. Es sei sehr unangenehm gewesen. Die 23-jährige J. G.* hat mehrere Jahre in Freiburg studiert: «Mir wurde auch schon nachgepfiffen oder respektlose und sexistische Sprüche hinterhergerufen», erzählt sie. «Meistens versuche ich, das zu ignorieren und die Männer nicht zu beachten.» Auch K. S.* gibt an, ihr sei am Bahnhof schon hinterhergepfiffen worden, was jeweils unangenehm sei.

Konkrete Zahlen und Fakten über Belästigungen kennt die Stadt Freiburg nicht – doch das soll sich mit der Umfrage ändern. Der Fragebogen ist online auszufüllen und richtet sich an Besucher und Bewohner der Stadt über 14 Jahre. «Je nachdem, was bei der Auswertung herauskommt, werden wir entsprechende Massnahmen einleiten», sagt Stadtammann Thierry Steiert.

«Grosses Potenzial»

Steiert sieht in dem Projekt grosses Potenzial. Man erhoffe sich mehr Klarheit in einem Bereich, der noch weitgehend im Dunkeln liege. Die Umfrage sei ein Möglichkeit, herauszufinden, wie drängend das Problem in Freiburg ist.

Für die Belästigungsopfer, mit denen 20 Minuten Kontakt hatte, ist klar: Kampagne und Idee der Stadt gehen in die richtige Richtung. «Es ist ein guter Ansatzpunkt und wichtig, dass das Problem angegangen wird», sagt J. G. Sie hofft, dass wenn die Ergebnisse dereinst ausgewertet sind, die Stadt konkrete Massnahmen ergreifen wird. Die Auswertung soll bis Mitte 2020 erfolgen.

Hier geht es zur Online-Umfrage der Stadt Freiburg.

*Name der Redaktion bekannt

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