Telekom: Freie Bahn für neuen Handy-Anbieter
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TelekomFreie Bahn für neuen Handy-Anbieter

Nach der Übernahme von Sunrise durch Orange will die ComCom Platz für weitere Mobilfunkanbieter schaffen. «Ich kann mir vorstellen, dass ein dritter Anbieter kommt», sagte ComCom-Präsident Marc Furrer.

«Die Schweiz ist ein attraktiver Standort für einen dritten Mobilfunkbetreiber», sagte Furrer am Mittwoch auf einer Branchenveranstaltung in Zürich. Denn die Schweizer seien bereit, für gute Dienstleistungen etwas zu bezahlen.

Die ComCom plane, alle heuten freien und Ende 2013 beziehungsweise 2016 frei werdenden Frequenzen auszuschreiben. Die entsprechende Auktion Ende solle dann nächsten Jahres oder im 2011 stattfinden. Es gebe eine ganz neue Vergabe des Spektrums. Dies ist für die Einführung neuen Mobilfunkgeneration LTE (Long Term Evolution) in der Schweiz wichtig. Die Neuvergabe sei offen für alle interessierten Firmen.

Lanciert Cablecom eigenes Netz?

Bereits durch die Übernahme von Sunrise durch Orange werde ein Platz unter den Mobilfunkanbietern frei. «Statt drei landesweite GSM- Anbieter haben wir nur noch zwei», sagte Furrer. Die ComCom müsse grundsätzlich alle Übertragungen von Mobilfunkkonzessionen genehmigen.

Die ComCom könne dabei die Konzession ganz oder teilweise entziehen oder besondere Auflagen anordnen. «Hierzu müssen wir mehr wissen. Wir haben noch kein Gesuch bekommen», sagte Furrer. Viel hänge davon ab, wie das Mobilfunknetz nach der Zusammenlegung der Orange- und Sunrise-Netze konkret aussehe.

Wie solche Auflagen aussehen könnten, wollte der ComCom-Präsident nicht konkretisieren. Denkbar wäre etwa, dass gewisse Standorte an einen Dritten verkauft werden müssten. «Es muss Platz haben für einen dritten Anbieter.»

Es wäre denkbar, dass die Cablecom ein eigenes Mobilfunkgeschäft aufbauen wolle, sagte Furrer. Bisher telefonieren die Handykunden der Kabelnetzbetreiberin über das Sunrise-Netz. Sunrise gab gleichentags bereits bekannt, 400 Mobilfunkstandorte an die Waadtländer Telekomfirma In&Phone zu verkaufen. Diese würden nicht mehr benötigt, sagte Sunrise-Chef Christoph Brand.

Bei allfälligen Auflagen werde sich die ComCom an den Zielen des Fernmeldegesetzes orientieren, die unter anderem die Förderung eines nachhaltigen Wettbewerbs vorsehen, sagte Furrer: «Wir wollen nicht die neue Orange durch Auflagen im Wettbewerb mit der Swisscom schwächen.»

Skepsis bei Telekomfirmen

Marktteilnehmer zeigten sich skeptisch, dass nochmals ein Dritter Anbieter die Schweiz mit einem Mobilfunknetz mit den bisherigen Technologien GSM und UMTS überziehen werde. «Ich glaube nicht, dass jemand heute noch ein GSM- und UMTS-Netz von Grund auf aufziehen würde», sagte Swisscom-Chef Carsten Schloter. Ein Neueinsteiger dürfte in neue Lösungen investieren.

Wie sich der Zusammenschluss von Orange und Sunrise auf die Handygesprächspreise auswirken werde, sei noch nicht klar, sagte Furrer: Es könne sein, dass Orange weiterhin gemütlich geschäfte und die Swisscom gewähren lasse.

Orange-Chef Thomas Sieber sagte in einem Interview indes, dass die Mobilfunkpreise sinken würden. Ins selbe Horn stiess auch Swisscom-Chef Schloter: Durch die zunehmenden Bandbreiten könnten Telefonie und SMS auch über Internetdienste getätigt werden. «Es muss sich jeder Anbieter überlegen, für SMS 15 oder 20 Rappen zu verlangen, wenn man diese Angebote gratis im Netz haben kann.»

(sda)

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