10.10.2016 17:42

Bundesrätlicher VorschlagFreie Fahrt für E-Autos auf dem Pannenstreifen

Doris Leuthard will den Pannenstreifen für selbstfahrende und Elektroautos öffnen. Dies kommt bei Bürgerlichen und Verkehrsexperten nicht gut an.

von
lz
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Während der Verkehr auf der Autobahn stockt, könnten Elektroautos und selbstfahrende Fahrzeuge künftig entspannt auf dem Pannenstreifen daran vorbeibrausen.

Während der Verkehr auf der Autobahn stockt, könnten Elektroautos und selbstfahrende Fahrzeuge künftig entspannt auf dem Pannenstreifen daran vorbeibrausen.

Francesca Agosta
Dies schwebt CVP-Verkehrsministerin Doris Leuthard vor. Im Interview mit der «Nordwestschweiz» sagt sie: «Das wäre eine wirksame und kostenlose Förderung der neuen Technologie.»

Dies schwebt CVP-Verkehrsministerin Doris Leuthard vor. Im Interview mit der «Nordwestschweiz» sagt sie: «Das wäre eine wirksame und kostenlose Förderung der neuen Technologie.»

Keystone/Christian Brun
Zu den Befürwortern zählt Nationalrat Jürg Grossen (GLP). «So muss man den Kauf eines Elektroautos nicht subventionieren, die Leute tun es aufgrund des Anreizes aus eigenem Antrieb», lobt er. Ausserdem hätte man so auf der Autobahn allgemein mehr Platz und weniger Stau.

Zu den Befürwortern zählt Nationalrat Jürg Grossen (GLP). «So muss man den Kauf eines Elektroautos nicht subventionieren, die Leute tun es aufgrund des Anreizes aus eigenem Antrieb», lobt er. Ausserdem hätte man so auf der Autobahn allgemein mehr Platz und weniger Stau.

Keystone/Gaetan Bally

Während der Verkehr auf der Autobahn stockt, könnten Elektroautos und selbstfahrende Fahrzeuge künftig entspannt auf dem Pannenstreifen an der Kolonne vorbeibrausen. Dies schwebt CVP-Verkehrsministerin Doris Leuthard vor. Im Interview mit der «Nordwestschweiz» sagt sie: «Das wäre eine wirksame und kostenlose Förderung der neuen Technologie.»

Für ihren Vorschlag, den Pannenstreifen für die beiden Fahrzeugkategorien zu öffnen, erntete sie in der Politik Lob, aber auch Kritik. Zu den Befürwortern zählt Nationalrat Jürg Grossen (GLP). «So muss man den Kauf eines Elektroautos nicht subventionieren, die Leute tun es aufgrund des Anreizes aus eigenem Antrieb», lobt er. Ausserdem gäbe es so auf der Autobahn mehr Platz und weniger Stau. Grossen würde die Idee sogar ausweiten und den Pannenstreifen bei Verkehrsengpässen für alle Fahrzeuge öffnen, in denen mehr als eine Person sitzt. Solche «carpool lanes» seien beispielsweise in den USA schon weit verbreitet.

Sicherheitsbedenken

Nationalrat Ulrich Giezendanner (SVP) hält eine Schnellstrasse für Elektroautos hingegen für unangemessen. Es dürfe nicht sein, dass eine Technologie systematisch bevorzugt werde.

Eine Öffnung des Pannenstreifens für selbstfahrende Fahrzeuge wäre für ihn zwar denkbar. Allerdings nur für einen klar definierten Zeitraum – danach müssten sie in den regulären Verkehr integriert werden. Zudem sei das Zukunftsmusik. «Es wird noch mindestens 10 Jahre dauern, bis wir selbstfahrende Autos überhaupt auf der Autobahn testen können. Damit das ordentlich funktioniert, bräuchten wir ein flächendeckendes 5-G-Netz», so Giezendanner.

FDP-Verkehrspolitiker Thierry Burkart äussert gegenüber der «Aargauer Zeitung» auch Sicherheitsbedenken: «Stellen sie sich vor, ein Elektroauto fährt mit 120 km/h auf dem Pannenstreifen und trifft auf ein abgestelltes Auto, das auf den Abschleppdienst wartet.»

Reiche bevorzugt

Von der Verkehrskapazität her würde dieser Vorschlag wenig Vorteile bringen, gibt ZHAW-Verkehrsexperte Rolf Steinegger zu bedenken. «Ein paar wenigen Zutritt zum Pannenstreifen zu gewähren, wird insgesamt keinen Unterschied machen», argumentiert er. Dies, weil die vor- und nachgelagerten Kreuzungen als Engpässe bestehen bleiben würden.

Auch eine bevorzugte Behandlung von Elektroautos habe ihre Tücken. Er warnt vor sozialen Ungerechtigkeiten: «Elektrofahrzeuge werden noch viele Jahre teurer sein als solche mit Verbrennungsmotoren.» Hier schüfe man eine Möglichkeit zur Stauumfahrung, die nur den Reichen zugänglich wäre, warnt Steinegger.

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