Aktualisiert 21.12.2007 10:12

Freie Fahrt für Millionen

Europa ist in der Nacht auf heute noch enger zusammengerückt. Begleitet von zahlreichen Feiern wurden neun weitere EU-Länder in den Schengen-Raum aufgenommen.

Neben Polen und Tschechien zählen nun auch die drei Baltenstaaten sowie Ungarn, die Slowakei, Slowenien und Malta dazu. Damit ist für fast 400 Mio. Menschen der Reiseverkehr ohne Grenzkontrollen in 24 Staaten möglich. Lediglich im Flugverkehr bleiben die Passkontrollen bis März 2008 erhalten.

Die Schengen-Aussengrenze verläuft nun mit Russland, Weissrussland, der Ukraine, Rumänien und Kroatien. Der Schengenraum ist rund 3,6 Mio. Quadratkilometer gross und bietet rund 400 Mio. freie Fahrt.

Nur die EU-Neulinge Rumänien und Bulgarien müssen erst noch die für das Abkommen erforderlichen Sicherheitsanforderungen erfüllen. Für Grossbritannien und Irland gelten gewisse Ausnahmen. In der Schweiz soll das Schengen-Abkommen Ende 2008 in Kraft treten.

Baltische Staaten machten Anfang

Als Erste erlebten die Bewohner der baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland den Wegfall der Grenzen. Wegen der Zeitverschiebung feierten Tausende von Menschen mit Feuerwerk und dem Abspielen der Europa-Hymne «Ode an die Freude» bereits um 23.00 Uhr MEZ an den Grenzübergängen.

Am Hafen der estnischen Hauptstadt Tallinn waren Fährpassagiere aus Finnland die ersten, die ohne Passkontrollen in den Baltenstaat einreisen durften. Der lettische Aussenminister Maris Riekstins nannte den Beitritt «einen logischen Schritt Lettlands und der übrigen EU-Mitgliedsstaaten».

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte am Donnerstag in Tallinn, der Schengen-Beitritt der neun jungen EU-Mitgliedsstaaten sei «der schönste Tag» seines Lebens. Bewegungsfreiheit sei eines der höchsten Menschenrechte.

Präsidiale Grenzkontrolle

Am ungarisch-österreichischen Autobahn-Grenzübergang Hegyeshalom-Nickelsdorf winkten Österreichs Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und sein ungarischer Kollege Ferenc Gyurcsany die Autofahrer durch. An diesem Grenzübergang hatten Autofahrer in den vergangenen Jahren oft stundenlange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen.

Ungarns Präsident Laszlo Solyom sagte, nunmehr werde ein Freiheitszustand wiederhergestellt, den Ungarn seit hundert Jahren nicht mehr hatte.

Freude in Polen und Tschechien

Mit Musik und Feuerwerk feierten auch die Bewohner der deutsch-polnischen Grenzregionen in der Nacht zum Freitag den Wegfall der Passkontrollen. Kurz vor Mitternacht fertigten bei Frankfurt (Oder) deutsche und polnischen Grenzbeamte zum letzten Mal Autofahrer und Fussgänger ab.

Auch an den Übergängen zwischen Bayern und Tschechien wurde kurz vor Mitternacht zum letzten Mal kontrolliert. «Das ist ein historischer Moment, der dazu beiträgt, dass Europa weiter zusammenwächst, sagte der Staatssekretär im bayerischen Innenministerium, Jürgen Heike (CSU), am Grenzübergang Schirnding.

(sda)

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