Prostitution: «Freier bleiben nie länger als eine halbe Stunde»
Aktualisiert

Prostitution«Freier bleiben nie länger als eine halbe Stunde»

Eine Wissenschaftlerin aus Neuenburg hat sechs Monate lang als Empfangsdame bei einer Prostituierten gearbeitet. Ihre Ergebnisse liegen nun in Buchform vor.

Arbeitete sechs Monate für eine Prostituierte: Alica Sala

Arbeitete sechs Monate für eine Prostituierte: Alica Sala

Zwei Institute der Universität Neuenburg haben ein Buch veröffentlicht, das zehn Studien zur geheimnisvollen Welt der Prostitution enthält (siehe Infobox). Eine davon stammt von der Ethnologin Alice Sala. Sechs Monate lang hat sie an der Rezeption eines Massagesalons gearbeitet und dabei den Alltag ihrer «Arbeitgeberin» minutiös verfolgt. In einem Interview mit der Zeitung «Le Matin» spricht sie über ihre Erfahrungen.

Gemäss ihrer Studie machen die sexuellen Beziehungen nur einen kleinen Teil der Arbeit einer Prostituierten aus. Welche anderen Verpflichtungen gibt es in diesem Gewerbe?

Alice Sala: Es gibt viele Formen der Prostitution. In meiner Studie geht es um eine Frau, die ihren Beruf legal und alleine in einem Massagesalon ausübt. Ihr Arbeitstag dauert acht bis zehn Stunden, doch nur drei davon sind dem Sex gewidmet. Sie empfängt höchstens fünf Kunden pro Tag, meistens zwischen zwei und vier. Die restliche Zeit verbringt sie am Telefon, um ihre Kunden an sich zu binden.

Was heisst das konkret?

Sie spielt ihnen eine Liebesbeziehung vor. Sie schickt ihnen SMS und nimmt Nachrichten von ihnen entgegen. Man muss eine sehr gute Schauspielerin sein in diesem Gewerbe. Sie spielt die Rolle einer Liebhaberin, ohne zu tief ins Leben dieser Männer einzudringen. Die Prostituierte, bei der ich gearbeitet habe, hat es am liebsten so. Das ist allerdings auch sehr ermüdend, da es ein sehr grosses Engagement erfordert. Die Männer empfinden sie als eine Vertrauensperson und Freundin, der sie ihre Geheimnisse und Schwächen mitteilen können. Überraschenderweise ist ihre Kundschaft sehr vielfältig: Es gibt Junge, Alte, Hässliche, Schöne, Verheiratete und Ledige.

Welche Fähigkeiten braucht eine Prostituierte sonst noch?

Unter allen Anrufern muss sie die potenziellen Kunden erkennen. Es gibt die Schüchternen, die nicht kommen werden, und diejenigen, die Telefonsex zu niedrigen Kosten suchen. Es braucht auch ein gewisses Verhandlungsgeschick bei der Festlegung des Preises.

Und wie sieht es mit dem Sex aus?

Eine Prostituierte muss die Männer und ihre Vorlieben kennen. Sie muss herausfinden, was den Kunden am schnellsten zum Orgasmus führt. Die Freier bleiben nie länger als eine halbe Stunde, aber sie müssen den Eindruck haben, dass ihnen volle Aufmerksamkeit zuteil wird. Die Prostituierte muss den Eindruck erwecken, dass sie nicht unter Zeitdruck steht und dass der Mann die Situation beherrscht, obwohl in Wahrheit sie den Rhythmus diktiert.

Wie ist es ihnen gelungen, als Empfangsdame in einem Massagesalon engagiert zu werden?

Ich rief bei den Salons an, deren Telefonnummern in der Zeitung zu finden sind. Ich wollte herausfinden, ob die Personen, die dort arbeiten, bereit wären, einen Fragebogen auszufüllen. Als ich bei einer Prostituierten vorbeiging, die sich zur Teilnahme bereit erklärt hatte, diskutierten wir stundenlang. Wir verstanden uns sofort gut, und sie war bereit, mich für sie arbeiten zu lassen. Eine Rezeptionistin verbessert das Image eines Salons, denn die Prostituierte vermeidet es so, Kunden zu verlieren, wenn sie gerade besetzt ist.

Hat sich ihr Blick auf die Prostitution verändert?

Ja. Eine der grössten Offenbarungen war, dass die Prostituierten gar nicht so anders sind als wir. Als ich mich das erste Mal in den Salon begab, öffnete mir eine umwerfende Blondine die Tür. Ich war ziemlich eingeschüchtert. Ich merkte dann aber schnell, dass es zwischen uns viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gibt.

Was bringt einen dazu, Prostituierte zu werden?

Es gibt Prostituierte, die weder unter der Kontrolle eines Zuhälters stehen noch drogenabhängig sind. Aber nur wenige lassen sich freiwillig auf eine derart stigmatisierende Tätigkeit ein. Meist wollen sie einer Notsituation entkommen. Die Prostituierte, von der ich spreche, ist eine geschiedene Familienmutter, die ihre Kinder ernähren möchte, ohne von der Sozialhilfe abhängig zu sein. So kann sie sich durchschlagen, schwimmt aber nicht im Geld.

Wie würden Sie die Welt der Prostitution in einem Wort beschreiben?

Es ist ein hartes Leben. Nicht unbedingt, weil die Prostituierten zu Opfern abartiger Männerphantasien werden, sondern weil es sich um eine stigmatisierende Tätigkeit handelt, von der man niemandem erzählen kann. Man muss über ein enormes Selbstvertrauen verfügen, um dieses Doppelleben auszuhalten, das zu den belastendsten Elementen dieses Berufs zählt.

Quelle: «Le Matin»/Bearbeitung: rm

Personen, die sich prostituieren, sehen sich mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert, doch sie müssen auch über beträchtliche Fähigkeiten verfügen. Dies zeigt ein Kolloquium, das von der «Maison d'analyse des processus sociaux» (MAPS) und dem ethnologischen Institut der Universität Neuenburg organisiert wurde. Die Ergebnisse der Forschungen sind soeben in Buchform erschienen. Eine der zehn Studien zeigt beispielsweise, wie es chinesischen Prostituierten in Paris gelingt, ihre Dienste anzubieten, ohne sich als Sexarbeiterinnen zu fühlen. In einer anderen ist nachzulesen, wie es brasilianischen Transvestiten in der Schweiz gelingt, Gefühl und Geschäft zu trennen. Eine weitere ist Hotelprostituierten im brasilianischen Belo Horizonte gewidmet, die dem Gewerbe entkommen und eine stabile Liebesbeziehung eingehen wollen. Die Forscher hoffen, zu einer differenzierteren Sicht des Sexgewerbes beitragen zu können. «Cachez ce travail que je ne saurai voir. Ethnographies du travail du sexe» Verlag Antipodes, Lausanne, 2010 228 Seiten

Personen, die sich prostituieren, sehen sich mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert, doch sie müssen auch über beträchtliche Fähigkeiten verfügen. Dies zeigt ein Kolloquium, das von der «Maison d'analyse des processus sociaux» (MAPS) und dem ethnologischen Institut der Universität Neuenburg organisiert wurde. Die Ergebnisse der Forschungen sind soeben in Buchform erschienen. Eine der zehn Studien zeigt beispielsweise, wie es chinesischen Prostituierten in Paris gelingt, ihre Dienste anzubieten, ohne sich als Sexarbeiterinnen zu fühlen. In einer anderen ist nachzulesen, wie es brasilianischen Transvestiten in der Schweiz gelingt, Gefühl und Geschäft zu trennen. Eine weitere ist Hotelprostituierten im brasilianischen Belo Horizonte gewidmet, die dem Gewerbe entkommen und eine stabile Liebesbeziehung eingehen wollen. Die Forscher hoffen, zu einer differenzierteren Sicht des Sexgewerbes beitragen zu können. «Cachez ce travail que je ne saurai voir. Ethnographies du travail du sexe» Verlag Antipodes, Lausanne, 2010 228 Seiten

Personen, die sich prostituieren, sehen sich mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert, doch sie müssen auch über beträchtliche Fähigkeiten verfügen. Dies zeigt ein Kolloquium, das von der «Maison d'analyse des processus sociaux» (MAPS) und dem ethnologischen Institut der Universität Neuenburg organisiert wurde. Die Ergebnisse der Forschungen sind soeben in Buchform erschienen. Eine der zehn Studien zeigt beispielsweise, wie es chinesischen Prostituierten in Paris gelingt, ihre Dienste anzubieten, ohne sich als Sexarbeiterinnen zu fühlen. In einer anderen ist nachzulesen, wie es brasilianischen Transvestiten in der Schweiz gelingt, Gefühl und Geschäft zu trennen. Eine weitere ist Hotelprostituierten im brasilianischen Belo Horizonte gewidmet, die dem Gewerbe entkommen und eine stabile Liebesbeziehung eingehen wollen. Die Forscher hoffen, zu einer differenzierteren Sicht des Sexgewerbes beitragen zu können. «Cachez ce travail que je ne saurai voir. Ethnographies du travail du sexe» Verlag Antipodes, Lausanne, 2010 228 Seiten

Personen, die sich prostituieren, sehen sich mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert, doch sie müssen auch über beträchtliche Fähigkeiten verfügen. Dies zeigt ein Kolloquium, das von der «Maison d'analyse des processus sociaux» (MAPS) und dem ethnologischen Institut der Universität Neuenburg organisiert wurde. Die Ergebnisse der Forschungen sind soeben in Buchform erschienen. Eine der zehn Studien zeigt beispielsweise, wie es chinesischen Prostituierten in Paris gelingt, ihre Dienste anzubieten, ohne sich als Sexarbeiterinnen zu fühlen. In einer anderen ist nachzulesen, wie es brasilianischen Transvestiten in der Schweiz gelingt, Gefühl und Geschäft zu trennen. Eine weitere ist Hotelprostituierten im brasilianischen Belo Horizonte gewidmet, die dem Gewerbe entkommen und eine stabile Liebesbeziehung eingehen wollen. Die Forscher hoffen, zu einer differenzierteren Sicht des Sexgewerbes beitragen zu können. «Cachez ce travail que je ne saurai voir. Ethnographies du travail du sexe» Verlag Antipodes, Lausanne, 2010 228 Seiten

Personen, die sich prostituieren, sehen sich mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert, doch sie müssen auch über beträchtliche Fähigkeiten verfügen. Dies zeigt ein Kolloquium, das von der «Maison d'analyse des processus sociaux» (MAPS) und dem ethnologischen Institut der Universität Neuenburg organisiert wurde. Die Ergebnisse der Forschungen sind soeben in Buchform erschienen. Eine der zehn Studien zeigt beispielsweise, wie es chinesischen Prostituierten in Paris gelingt, ihre Dienste anzubieten, ohne sich als Sexarbeiterinnen zu fühlen. In einer anderen ist nachzulesen, wie es brasilianischen Transvestiten in der Schweiz gelingt, Gefühl und Geschäft zu trennen. Eine weitere ist Hotelprostituierten im brasilianischen Belo Horizonte gewidmet, die dem Gewerbe entkommen und eine stabile Liebesbeziehung eingehen wollen. Die Forscher hoffen, zu einer differenzierteren Sicht des Sexgewerbes beitragen zu können. «Cachez ce travail que je ne saurai voir. Ethnographies du travail du sexe» Verlag Antipodes, Lausanne, 2010 228 Seiten

Personen, die sich prostituieren, sehen sich mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert, doch sie müssen auch über beträchtliche Fähigkeiten verfügen. Dies zeigt ein Kolloquium, das von der «Maison d'analyse des processus sociaux» (MAPS) und dem ethnologischen Institut der Universität Neuenburg organisiert wurde. Die Ergebnisse der Forschungen sind soeben in Buchform erschienen. Eine der zehn Studien zeigt beispielsweise, wie es chinesischen Prostituierten in Paris gelingt, ihre Dienste anzubieten, ohne sich als Sexarbeiterinnen zu fühlen. In einer anderen ist nachzulesen, wie es brasilianischen Transvestiten in der Schweiz gelingt, Gefühl und Geschäft zu trennen. Eine weitere ist Hotelprostituierten im brasilianischen Belo Horizonte gewidmet, die dem Gewerbe entkommen und eine stabile Liebesbeziehung eingehen wollen. Die Forscher hoffen, zu einer differenzierteren Sicht des Sexgewerbes beitragen zu können. «Cachez ce travail que je ne saurai voir. Ethnographies du travail du sexe» Verlag Antipodes, Lausanne, 2010 228 Seiten

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