Schadenersatz: Freigesprochener Lehrer erhält 240'000 Franken
Aktualisiert

SchadenersatzFreigesprochener Lehrer erhält 240'000 Franken

Zu Unrecht wurde Luzerner Claudio Rossi 2004 wegen angeblicher sexueller Übergriffe verhaftet. Nun folgt die Genugtuung.

von
Martin Messmer
Claudio Rossi mit dem für ihn positiven Urteil am Montag in Luzern.

Claudio Rossi mit dem für ihn positiven Urteil am Montag in Luzern.

Claudio Rossi (47) aus Luzern blickt auf eine lange Leidenszeit zurück: Vor neun Jahren wurde er verhaftet, ihm wurde vorgeworfen, als Lehrer einer 4./5. Klasse sexuelle Handlungen an Kindern vorgenommen zu haben. Erst 2009 sprach ihn das Kriminalgericht und 2010 auch das Obergericht von sämtlichen Vorwürfen frei. Um seine Ehre wieder herzustellen, klagte Rossi seinerseits den Kanton ein und verlangte Schadenersatz.

Anfang Jahr verpflichtete das Bezirksgericht den Kanton, 240'000 Fr. Genugtuung zu zahlen. Der Kanton aber legte Berufung beim Kantonsgericht ein – und dieses stützte gestern das Urteil voll – der freigesprochene Lehrer erhält vom Kanton 240 000 Fr. «Er war gezwungen, seinen Beruf unter Schimpf und Schande aufzugeben, obwohl sich die massiven Vorwürfe als unzutreffend herausstellten. Deswegen ist eine Genugtuungssumme gerechtfertigt», begründete das Kantonsgericht.

Neue Existenz aufbauen

«Das ist zwar schon eine Genugtuung für mich, es ist ja schon das vierte Urteil, das für mich spricht», sagt Rossi. Er stellt aber auch nüchtern fest, «dass ich nun 30 Tage warten muss, ob der Kanton das Urteil wieder weiter zieht». Die ganze Sache hat ihm auch körperlich zugesetzt. «Meine Herzoperation wäre nicht nötig gewesen, hätte ich ein normales Leben gehabt.» Mit dem Geld – sollte es denn fliessen – möchte Rossi versuchen, sich eine neue Existenz aufzubauen. Von der Staatsanwaltschaft gabs gestern keine Auskunft.

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