Lieber Phil Geld: Freigestellt – erhalte ich dennoch Lohn?
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Lieber Phil GeldFreigestellt – erhalte ich dennoch Lohn?

Philipp (32) hat seine Arbeitsstelle gekündigt und wurde von seinem Arbeitgeber freigestellt. Hat er dennoch Anspruch auf seinen Lohn?

von
deg
«Show me the money!» Tom Cruise kann das auch nach einer Freistellung fordern. (Bild: Jerry Maguire / Tristar)

«Show me the money!» Tom Cruise kann das auch nach einer Freistellung fordern. (Bild: Jerry Maguire / Tristar)

Lieber Phil Geld

Ich habe meinen Job auf Ende September gekündigt. Mein Chef stellte mich daraufhin umgehend frei. Erhalte ich dennoch meinen Lohn bis Ende September? Was ist, wenn ich vorher eine neue Arbeitsstelle antrete?

Lieber Philipp

Mit der Freistellung verzichtet der Arbeitgeber freiwillig auf die (Arbeits-)Leistung des Arbeitnehmers. Folglich wird der Arbeitnehmer von seiner Arbeitspflicht, nicht aber von seinen Nebenpflichten wie der Treue- oder der Herausgabepflicht befreit. Das Arbeitsverhältnis wird demzufolge noch nicht beendet, sondern besteht bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist fort.

Die Freistellung ist nicht zu verwechseln mit der fristlosen Entlassung, die ein Arbeitsverhältnis, und damit auch die Lohnzahlung, per sofort beendet (vgl. hierzu Art. 337 OR). Die fristlose Entlassung ist im Gegensatz zur Freistellung nur aus einem wichtigen Grund möglich. Als wichtiger Grund gilt namentlich jeder Umstand, bei dessen Vorhandensein dem Kündigenden nach Treu und Glauben die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zugemutet werden darf (Art. 337 Abs. 2 OR). Das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer muss derart gestört sein, dass die sofortige und fristlose Auflösung des Arbeitsverhältnisses als einziger Ausweg erscheint.

Während der Freistellung hat der Arbeitnehmer Anspruch auf den vollen Lohn. Das heisst, er ist so zu stellen, wie wenn er arbeiten würde. Ebenfalls geschuldet sind Umsatz- oder Gewinnbeteiligungen, Provisionen sowie Zulagen, die in direktem Zusammenhang mit der Arbeitsleistung stehen und keinen Spesencharakter aufweisen.

Freigestellte dürfen während der Freistellung eine neue Arbeitsstelle antreten, sofern diese den alten Arbeitgeber nicht konkurrenziert. Ein Anspruch auf doppelte Lohnzahlung besteht jedoch nicht. Anderweitig erzielter Lohn beziehungsweise Verdienst ist an den Lohn anzurechnen.

Nach dem Gesagten, hast du also bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist Anspruch auf Lohn. Solltest du eine neue Arbeitsstelle antreten, muss der dafür erhaltene Verdienst an den Lohn angerechnet werden.

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

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