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Freiheitsberaubung: Heimleiter verurteilt

Der Leiter eines inzwischen geschlossenen Heims für schwer erziehbare Kinder in Amriswil TG ist zu zwei Wochen Gefängnis bedingt verurteilt worden. Er ist der Freiheitsberaubung für schuldig befunden worden.

Das Bezirksgericht Arbon TG sprach die Ehefrau des Heimleiters vom Vorwurf der Mittäterschaft frei. Der Heimleiter war der Entführung angeklagt gewesen. Der Vorwurf geht auf einen Vorfall von Ende Oktober 2004 zurück.

Damals wollten der Heimleiter und seine Ehefrau eine 17-jährige Heimbewohnerin gegen deren Willen zu einer Pflegefamilie bringen. Dabei wurde die 17-Jährige verletzt.

Lediglich Freiheitsberaubung

Das Gericht vertrat am Mittwoch die Meinung, dass es sich lediglich um Freiheitsberaubung gehandelt habe. Dabei habe der Angeklagte an sich richtig gehandelt, als er die 17-Jährige ausserhalb seines Heimes unterbringen wollte. Er habe dabei aber unzulässig Gewalt angewendet.

Die Verteidiger hatten Freisprüche für ihre Mandanten verlangt. Diese hätten sich damals in einer Notfallsituation befunden und auch «fast alles richtig gemacht».

Gegen ihren Willen ins Toggenburg gebracht

Die 17-Jährige war im Oktober 2004 von ihrem Vormund aus dem Kanton Luzern in das Heim eingewiesen worden. Am 31. Oktober 2004 lief sie weg. Der Heimleiter fand sie am Bahnhof wieder und wollte sie - nach Rücksprache mit dem Vormund - vorübergehend in einer Pflegefamilie im Toggenburg unterbringen.

Weil sie nicht dorthin wollte, wurde die junge Frau gegen ihren Willen ins Auto des Heimleiters verfrachtet, das dessen Ehefrau lenkte. Unterwegs versuchte sie mehrmals aus dem Auto zu fliehen, wurde aber vom Heimleiter-Ehepaar - auch unter Anwendung von Gewalt- daran gehindert.

Das Heim wurde nach der Anzeige gegen das Ehepaar geschlossen. Der Heimleiter und seine Frau zogen von Amriswil nach Wattwil SG, wo er eine Krisenintervention für Kinder und Jugendliche betreibt.

(sda)

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