Küsnacht ZH: Freiheitsentzug für kriminellen Familienvater

Aktualisiert

Küsnacht ZHFreiheitsentzug für kriminellen Familienvater

Ein Gärtner aus Küsnacht hat nicht nur Geldbotinnen überfallen, sondern auch diverse Einbrüche verübt und die Sozialhilfe um rund 37 000 Franken betrogen. Jetzt wartet auf den gescheiterten Lebenskünstler das Gefängnis.

von
Attila Szenogrady

Der heute 35-jährige Gärtner aus Küsnacht gilt als multikriminelles Talent. So hat der Schweizer Staatsangehörige mazedonischer Abstammung in den vergangenen Jahren mit geradezu berufsmässiger Regelmässigkeit gegen das Strafgesetz verstossen. So auch als Räuber. Erstmals am 4. März 2003 in Herrliberg, wo er vor einem Nachttresor der Zürcher Kantonalbank (ZKB) zwei Geldbotinnen einer Landi-Filiale mit einer nicht geladenen Pistole bedrohte und ihnen eine Geldkassette mit rund 7 670 Franken abnahm.

Erfolgreicher Räuber und Einbrecher

Vier Jahre später betätigte sich der Angeklagte auch in Zumikon als erfolgreicher Räuber. So bedrohte er am 24. Februar 2007 zwei Verkäuferinnen des Lebensmittelgeschäfts VOLG mit einer Spielzeugwaffe. Erneut vor einem Nachttresor der ZKB. Die Beute betrug diesmal sogar rund 15 500 Franken.

Erheblich mehr «Einkommen» erzielte der Mann allerdings als Profieinbrecher. Zwischen Ende 2003 und August 2005 listete die Anklage über 60 Einbrüche auf. Als Opfer wählte er sich vor allem Baufirmen aus. So beispielsweise die Künzli AG in Küsnacht, wo er in einer einzigen Nacht divers Werkzeuge für über 11 200 Franken entwendete und später auf dem Schwarzmarkt absetzte. Der gesamte Deliktsbetrag bezifferte sich auf über eine Viertel Million Franken.

Auch Küsnachter Sozialamt betrogen

Zu den weiteren Opfern zählte auch das Sozialamt in Küsnacht. So prellte der angebliche Sozialhilfeempfänger die Gemeinde um Fürsorgegelder für rund 37 000 Franken. Dabei lebte der Lebenskünstler demonstrativ auf hohem Niveau. Der verheiratete Familienvater von vier Töchtern leistete sich neben einem teueren Personenwagen auch eine aussereheliche Freundin. Zudem schoss er ab und zu mit einer echten Pistole aus seinem fahrenden Auto in die Lüfte.

Fünf Jahre Freiheitsentzug

Das Bezirksgericht Meilen hatte sich mit dem heute weitgehend geständigen Angeklagten schon im September 2007 sowie im Oktober 2008 beschäftigt. Bei beiden Prozessen kassierte er hohe Freiheitsstrafen von über vier Jahren. Die Verteidigung legte Berufung ein und verlangte kürzlich vor Obergericht nicht nur eine Zusammenlegung der beiden Verfahren, sondern auch eine erhebliche Strafsenkung. Beim ersten formellen Punkt drang der Anwalt durch, da die Oberrichter beide Prozesse vereinigten. Weniger beim Strafantrag. So setzte das Obergericht wegen Raubes, gewerbsmässigen Diebstahls, Betrugs und diversen weiteren Delikten eine hohe, unbedingte Freiheitsstrafe von fünf Jahren fest. Da der Angeklagte während der Untersuchungshaft erst 652 Tage abgesessen hat, wartet noch ein längerer Strafvollzug auf ihn. Zudem sieht es für ihn auch in finanzieller Hinsicht nicht gerade rosig aus. So soll er neben einer zusätzlichen, unbedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 30 Franken bisher aufgelaufene Gerichtsgebühren von über 36 000 Franken tragen. Zudem liess das Gericht bei ihm rund 100 000 Franken beschlagnahmen. Zwecks Entschädigung von Opfern sowie Deckung der Verfahrenskosten.

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