03.11.2014 06:13

St.GallenFreikirchen-Offensive mit christlichen Musicals

Demnächst gastiert die christliche Musical-Produktion Life on Stage in St. Gallen. «Wir wollen niemanden bekehren», beteuert der Manager. Ein Sektenexperte widerspricht.

von
jeh

«Murti», «Rebekka» und «Rita» – mit drei verschiedenen Musicals gastiert die Produktion Life on Stage vom 11. bis 15. November in der Olma Halle 3.1. Organisiert wird das Ganze vom Netzwerk Schweiz, einer evangelikalen Gruppe, die eng mit diversen Freikirchen zusammenarbeitet.

Jedes der drei Musicals basiert auf angeblich wahren Gegebenheiten und erzählt die Geschichte von Menschen, die tief gefallen waren, um dann zu Gott zu finden. So geht es bei «Murti» um einen Kurdenjungen, der mit seiner Familie in einem Schweizer Bauerndorf ein neues Zuhause findet. «Rita» handelt von einer Frau, die als Kind sexuell misshandelt wurde und immer wieder von Selbstmordgedanken gequält wurde. Ein Spitalaufenthalt mit 65 verändert aber alles.

«Gott ist real»

«Wir möchten mit diesen Musicals die christliche Botschaft übermitteln», sagt Eventmanager Ueli Haldemann. Die Menschen sollen ermutigt werden, sich mit Gott zu beschäftigen. Haldemann stellt allerdings klar, dass man niemanden den Glauben aufzwingen möchte. «Natürlich freut es uns, wenn Menschen nach dem Musical den Glauben zu Gott finden. Bekehren möchten wir aber niemanden», so der Eventmanager.

Über Bekehrung spricht Haldemann ohnehin nicht gerne. «Wir können und wollen aber trotzdem bezeugen, dass Gott und Jesus Christus existent und auch heute noch sehr real erfahrbar sind», sagt Haldemann.

Nicht für jedermann

Für den Religionsexperten Georg Otto Schmid ist klar, dass es sich hier um eine weltanschaulich werbende Veranstaltung handelt. «Als evangelikale Organisation, hat das Netzwerk Schweiz eine missionarische Aufgabe», so Schmid. Dies sollte dem Publikum bewusst sein. Ansonsten würde die Gefahr bestehen, dass sich Besuchende an der weltanschaulichen Werbung stören. Denn die Botschaft sei klar: «Das Musical soll den Zuschauenden das Christentum in evangelikalem Verständnis näherbringen», sagt Schmid.

Missionierung als Ziel

Rund 15 Freikirchen aus der Ostschweiz haben das Musical in St.Gallen zusammen mit dem Netzwerk Schweiz organisiert. Eine davon ist die Freie Evangelische Gemeinde (FEG) Heiden. «Vor rund zwei Jahren haben wir die Anfrage erhalten, ob wir mithelfen möchten», sagt Marianne Brassel, Sekretärin bei der FEG. Für sie war sofort klar, dass diese eine «tolle Aktion ist».

«Es sind alles wertvolle Lebensgeschichten, die aktuelle Themen behandeln», sagt Brassel. Auch der evangelische St.Galler Pfarrer Stefan Lippuner ist angetan vom Christen-Musical. «Die Menschen sollen die Botschaft unseres Herren hören. So kommen sie in Kontakt mit der Kirche, was nur positiv ist», so der Pfarrer.

In die Vorstellung eingebettet ist eine Botschaft von «Event-Prediger» Gabriel Häsler zur Frage: «Gibt es einen Gott? Und wenn ja, wie zeigt er sich und was hat er mit meinem Leben zu tun?» Häsler ist Initiator von Life on Stage und Leiter von Netzwerk Schweiz, das die Musicals in Bülach, Bern und St. Gallen aufführt. Life on Stage ist das grösste Projekt von Netzwerk Schweiz, der Evangelisationsplattform, die Häsler zusammen mit seiner Frau 2008 in Basel gegründet hat. Die Organisation hat 13 Ableger in der Schweiz und vereint Mitglieder zahlreicher Freikirchen.

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