Strafe erhöht: Freispruch für Autofahrer gekippt
Aktualisiert

Strafe erhöhtFreispruch für Autofahrer gekippt

Laut Anklage hat ein Autolenker aus Glattbrugg beim Limmattaler Kreuz eine andere Verkehrsteilnehmerin massiv bedrängt. Während das Bezirksgericht Dietikon zu einem Freispruch kam, sah es das Obergericht anders.

von
Attila Szenogrady

Im letzten Juni sah es für den heute 27-jährigen Autolenker aus Glattbrugg noch sehr gut aus. Er wurde vom Bezirksgericht Dietikon vom Vorwurf der groben Verletzung von Verkehrsregeln freigesprochen. Der Zürcher Unterländer IT-Berater erhielt sogar eine Prozessentschädigung von 3 200 Franken.

Laut Anklageschrift hatte der Schweizer Staatsangehörige am 8. September 2010 beim Limmattaler Kreuz beinahe einen schweren Unfall verursacht.

Geschockte Autolenkerin

Gemäss Staatsanwaltschaft hatte der Beschuldigte am Vormittag auf der Höhe von Unterengstringen eine andere Autolenkerin so stark seitlich bedrängt, dass die geschockte Frau nur durch eine Vollbremsung eine Kollision vermeiden konnte. Die Geschädigte merkte sich die Kontrollnummern des Verkehrssünders und suchte kurz darauf den Polizeiposten in Schlieren auf, wo sie Anzeige erstattete.

Freispruch angefochten

Das Bezirksgericht Dietikon wollte auf die Darstellungen der Frau allerdings nicht abstellen und verneinte sogar die Verwertbarkeit ihrer Aussagen als Zeugin. So hätte sie als ebenfalls verdächtige Lenkerin bloss als Auskunftsperson befragt werden dürfen, schrieb der Dietiker Richter.

Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein und verlangte am Donnerstag vor dem Zürcher Obergericht einen Schuldspruch wegen eines groben Verkehrsdeliktes. Zudem fordert die zuständige Staatsanwältin Claudia Wiederkehr für den vorbestraften Mercedes-Lenker eine unbedingte Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu 130 Franken sowie den Widerruf der Vorstrafe von 20 Tagessätzen zu 100 Franken.

Der Geschädigten geglaubt

Der Verteidiger setzte sich dagegen für die Bestätigung des Dietiker Freispruchs ein und versuchte die Aussagen der Prozessgegnerin zu zerpflücken. Doch diesmal vergebens. So stuften die Oberrichter die Darstellungen der Frau nicht nur als rechtlich verwertbar, sondern auch als durchaus konstant, nachvollziehbar sowie klar ein. Zudem sei kaum anzunehmen, dass die Frau aus dem blauen Himmel heraus eine Anzeige gegen eine unbekannte Person erstatten würde, erklärte der Vorsitzende Peter Marti.

Strafe erhöht

Der Schuldspruch zog massive Folgen für den Glattbrugger Angeschuldigten nach sich. So erhöhten die Oberrichter aufgrund eines groben Verschuldens die Geldstrafe deutlich auf 60 Tagessätzen zu 130 Franken. Neben den insgesamt 7 800 Franken soll der Lenker die bisher aufgelaufenen Gerichtskosten von rund 5000 Franken tragen. Dass das Obergericht auf den Widerruf der Vorstrafe verzichtete, ist für den Angeschuldigten wohl nur ein kleiner Trost. So droht ihm bei Rechtskraft des Urteils der Entzug des Führerausweises.

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