Tötungsversuch: Freispruch für Matrosen-Stricher

Aktualisiert

TötungsversuchFreispruch für Matrosen-Stricher

Laut Anklage wollte ein bulgarischer Stricher einen Zürcher Freier mit einem Messer töten. Nicht zu beweisen, befand nun das Zürcher Obergericht.

von
Attila Szenogrady
Das Zürcher Bezirksgericht fand die Aussagen des Opfers zu widersprüchlich für eine Verurteilung.

Das Zürcher Bezirksgericht fand die Aussagen des Opfers zu widersprüchlich für eine Verurteilung.

Schlappe für die Zürcher Staatsanwaltschaft: Sie wollte am Dienstag einen heute 38-jährigen Matrosen aus Bulgarien wegen versuchter vorsätzlicher Tötung sowie wegen Vergehens gegen das Ausländergesetz für neun Jahre hinter Gitter bringen. Laut Anklage hat der beschuldigte Stricher im letzten August einen Schweizer Freier in dessen Wohnung mit einem 25 Zentimeter langen Küchenmesser attackiert. Dabei soll er geschrien haben: «Ich bringe dich um, so wie meinen Vater!» und soll dabei mehrere Stichbewegungen gegen das Gesicht und den Hals des Geschädigten ausgeführt haben. Das mutmassliche Opfer soll dabei hinter seinem linken Ohr leicht verletzt worden sein.

Unklares Tatmotiv

Fest steht, dass der über 60-jährige Freier kurz darauf die Polizei alarmierte, worauf die Fahnder den mehrfach, auch wegen Körperverletzung vorbestraften Matrosen festnahmen. Allerdings konnte der Privatkläger schon bei der Polizei nicht erklären, warum ihn sein Gast hätte umbringen sollen.

Der Beschuldigte führte dagegen aus, dass sich der depressive Geschädigte selber mit dem Messer verletzt habe und aus Frust über eine enttäuschte Liebesbeziehung gelogen habe.

Im Zweifel für den Angeklagte

Der Prozess vor dem Bezirksgericht stand vor allem im Zeichen der Verteidigung, die einen vollen Freispruch vom Tötungsvorwurf verlangte. Weshalb hat der angebliche Täter die Wohnung unmittelbar nach dem Angriff nicht verlassen? Warum liess er sich von der Polizei einfach festnehmen? Wieso sollte der Beschuldigte ausgerechnet seinen Gönner, der ihn über mehrere Monate grosszügig ausgehalten hatte, aus heiterem Himmel plötzlich umbringen? Auf diese zentralen Fragen des Rechtsanwaltes fand niemand eine plausible Antwort.

Zum Schluss auch das Gericht nicht. Es sprach den Bulgaren von sämtlichen Vorwürfen mangels Beweisen und widersprüchlichen Angaben des angeblichen Opfers frei. Für die zu Unrecht erlittene Haft wurde dem Osteuropäer ein Schmerzensgeld von 20'000 Franken zugesprochen.

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