Bezirksgericht Zürich: Freispruch für Onanierer wegen Spermaprobe
Aktualisiert

Bezirksgericht ZürichFreispruch für Onanierer wegen Spermaprobe

Ein 44-Jähriger hat laut Anklage vor einem WC am Zürcher Mythenquai vor einer 16-jährigen Schülerin onaniert. Eine Spermaprobe traf jedoch nicht auf den Beschuldigten zu.

von
Attila Szenogrady
Der Angeklagte soll die junge Frau bei einer WC-Anlage am Mythenquai überrascht haben.

Der Angeklagte soll die junge Frau bei einer WC-Anlage am Mythenquai überrascht haben.

«Wären Sie für die am Tatort sichergestellten Spermaspuren verantwortlich gewesen, wäre der Fall zu Ihren ungunsten gekippt», erklärte der zuständige Einzelrichter Ferdinand Hürlimann dem Beschuldigten anlässlich der Urteilseröffnung vom Montag. Tatsächlich hatten noch während der Untersuchung mehrere belastende Punkte gegen den heute 44-jährigen Schweizer aus Dübendorf gesprochen.

Laut Anklage hatte sich der Dübendorfer an jenem 12. August 2012 am Nachmittag nach Zürich begeben. Wobei er gemäss Staatsanwalt am Sonntag nach der Street Parade die Parkanlage beim Mythenquai aufsuchte. Dort soll er vor einer WC-Anlage eine mit einem Bikini bekleidete Schülerin mit den Worten «Du bisch aber ä Süessi» angesprochen haben. Worauf er mit heruntergelassener Hose an seinem entblössten Geschlechtsteil herumhantierte. Die 16-jährige Geschädigte erschrak und lief zu ihrem Freund. Darauf machte sich das Paar auf die Suche nach dem Exhibitionisten.

Opfer spürte Täter am Paradeplatz auf

Tatsächlich wurde es eine halbe Stunde später in der Nähe des Paradeplatzes fündig. Die Schülerin erkannte den Mann mit Glatze wieder und forderte ihn auf, sogleich ein Geständnis abzulegen. Als dieser sich weigerte, schaltete sie die Polizei ein. Wonach diese den verdächtigen Mann aus Dübendorf für kurze Zeit festnahm.

Am Montag hatte sich der kaufmännische Angestellte wegen Exhibitionismus vor dem Bezirksgericht Zürich zu verantworten. Im Falle eines Schuldspruchs musste er mit einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 150 Franken rechnen. Der Beschuldigte wies die Vorwürfe der Anklage zurück und machte eine Verwechslung geltend. So habe er sich gar nicht am Mythenquai aufgehalten, versicherte er. Vielmehr sei er erst um 13. 52 Uhr mit der S-Bahn im Bahnhof Stadelhofen eingetroffen und von dort aus zum Tessiner-Platz spaziert, sagte er.

Auch der Verteidiger verlangte einen vollen Freispruch und machte geltend, dass es aufgrund der zeitlichen Abläufe unmöglich sei, dass sich sein Mandant zur Tatzeit am Tatort aufgehalten habe. Der Schülerin lastete der Anwalt zu viele Widersprüche an. So habe sie einmal von kurzen Haaren und dann wiederum von einer Glatze gesprochen. Zudem sei sie verwirrt gewesen, da der mutmassliche Täter beim Paradeplatz plötzlich einen Rucksack getragen hatte. Vor der WC-Anlage habe sie dagegen den Unhold noch ohne Gepäck wahrgenommen.

DNA traf nicht auf Beschuldigten zu

Dann warf der Verteidiger seinen wichtigsten Trumpf in die Waagschale. So hatte die Polizei kurz nach der Anzeige am angegeben Tatort Ejakulat sichergestellt. Worauf der Wissenschaftliche Dienst eine Spermaprobe durchführte. Mit einem negativen Ergebnis, da die ermittelte DNA nicht auf den Beschuldigten zutraf.

Für das Gericht lagen deshalb zu viele Zweifel vor. Richter Hürlimann kam zu einem Freispruch und sprach dem Dübendorfer eine Prozessentschädigung von 7300 Franken sowie eine Umtriebsentschädigung von 1000 Franken zu. Hürlimann hielt zudem fest, dass keine Anhaltspunkte vorliegen, wonach der 44-jährige Mann schon früher als Exhibitionist in Erscheinung getreten sei. Was auch für ihn spreche. Ein geringerer Verdacht bleibe dennoch übrig. «Wir wollen aber lieber einen mutmasslich Schuldigen freisprechen, als einen Unschuldigen verurteilen», erklärte er zum Schluss.

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