Freispruch für windige «Börsengurus»
Aktualisiert

Freispruch für windige «Börsengurus»

Drei «Börsengurus» haben rund 600 Anleger um über 20 Millionen Franken geprellt. Trotzdem hat das Zürcher Obergericht das Trio im Gegensatz zum Bezirksgericht von den Hauptvorwürfen freigesprochen. Grund: Die Geprellten sind selbst schuld.

Seit September wurde einer der grössten Börsenbetrugsfälle der Schweiz vor dem Zürcher Obergericht verhandelt. Auf der Anklagebank sassen drei ehemalige Börsenfachleute der Zürcher Finanzgesellschaften Bloomfield Consulting und Rosenberg & Oppenfield Securities.

Der hauptangeklagten 33-jährige Unternehmensberater aus Deutschland hatte zusammen mit einem 32-jährigen Landsmann und einem serbischen 41-jährigen Hotelmanager 1998 zunächst die Gesellschaft Bloomfield gegründet.

Börsenlärm am Telefon vorgetäuscht

Die Angeschuldigten gaben eine honorige Adresse an der Zürcher Bahnhoftrasse als Firmensitz an. In Wahrheit arbeiteten sie in einer bescheidenen Mietwohnung in Zürich-Altstetten.

Das Trio heuerte aggressive Telefonverkäufer an. Diese wiederum riefen zehntausende von Personen an und warben mit besten Gewinnmöglichkeiten. Bis 2003 hatten sie 750 000 Personen in der Schweiz, Deutschland und Österreich kontaktiert. Während den Anrufen lief eine CD mit Börsenlärm im Hintergrund.

Investoren verlieren 20 Millionen Franken

Die Telefonverkäufer versprachen euphorisch ansehnliche Gewinne mit Wertpapieren aus Übersee. 600 Anleger schluckten den Köder. Als Ende 2001 erste Pressemeldungen über unseriöse Methoden der Bloomfield auftauchten, übertrugen die Angeklagten die Geschäftstätigkeit flugs auf die Rosenberg. Ende 2003 war klar, dass die Investoren rund 20 Millionen Franken verloren hatten.

Im September 2005 verurteilte das Bezirksgericht Zürich das Finanz-Trio wegen gewerbsmässigen Betrugs sowie Geldwäscherei zu unbedingten Zuchthausstrafen. Die Deutschen erhielten je drei Jahre, der Serbe zwei.

Kein Zuchthaus

Am Mittwoch sprach das Obergericht die Angeklagten von den meisten Vorwürfen frei. Es sei allen Geschädigten klar gewesen, dass sie sich auf risikoreiche Anlagen einliessen, erklärte der Gerichtsvorsitzende Peter Marti und stellte die Opfermitverantwortung in den Vordergrund.

Ganz ungeschoren kam das Trio nicht davon. Sämtliche Untersuchungskosten, die erstinstanzliche Gerichtsgebühr sowie die Anwaltskosten von über 140 000 Franken müssen die «Börsengurus» berappen.

Zudem wurden die beiden Deutschen wegen unlauteren Wettbewerbs und wirtschaftlichen Nachrichtendienstes zu Geldstrafen verurteilt. Der Hauptbeschuldigte erhielt eine unbedingte Strafe von 100 Tagessätzen zu 100 Franken, sein Komplize 90 Tagessätze zu 100 Franken auf Bewährung. (sda)

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