Aktualisiert 20.10.2011 08:40

Obergericht ZürichFreispruch trotz Rüebli-Sex

Drei Männer sollen in Regensdorf eine junge bewusstlose Köchin geschändet haben. Der Staatsanwalt forderte bis zu fünf Jahren Haft. Vor Obergericht blieb von den Vorwürfen allerdings wenig übrig.

von
Attila Szenogrady

Es spielte sich an einem Maisonntag 2009 ab: Drei Mittzwanziger sollen eine 18-jährige Frau massiv sexuell missbraucht haben. Tatort war eine Wohnung in Regensdorf, in der ein Bruder eines Angeklagten wohnt. Laut Staatsanwaltschaft hatte die Geschädigte die drei Kollegen freiwillig ins zürcherische Regensdorf begleitet. Sie begab sich auf das Sofa im Wohnzimmer, wo sie nicht nur schnell einschlief, sondern auch aus unbekannten Gründen in einen komatösen Zustand verfiel.

Unbestritten ist, dass sich einer der Angeklagten sogleich an der bewusstlosen Geschädigten verging und mit seinen Fingern in den Intimbereich der Besucherin eindrang. In den nächsten dreissig Minuten kam es zu zahlreichen sexuellen Handlungen. Wobei sich alle drei Beschuldigten an den Übergriffen beteiligten. Feststeht, dass sie zuerst eine Banane und danach auch eine Karotte in den Intimbereich der jungen Frau einführten. Zudem knetete der Haupttäter ihre Brüste. Gesichert ist, dass zwei der Angeschuldigten die meisten Handlungen mit ihren Handys filmten.

Als die Geschädigte wieder zu sich kam, hörten die Beschuldigten auf. Nicht zuletzt, weil sie sich heftig zu wehren begann. Mehrere Wochen nach den Vorfällen meldete sie sich auf Anraten einer Freundin bei der Polizei und ersstattete Strafanzeige.

Schon in Dielsdorf Freisprüche

Die drei mutmasslichen Täter mussten sich im Juli 2010 zuerst am Bezirksgericht Dielsdorf wegen Schändung, Pornographie und weiteren Delikten verantworten. Die beiden Schweizer thailändischer Abstammung sowie ein Mazedonier machten geltend, dass die Geschädigte freiwillig mitgemacht habe. Sie habe sich auch nicht in einem komatösen Zustand befunden. Die Verteidiger sahen eine Schändung als nicht erwiesen an. Auch nicht das Dielsdorfer Gericht, das der Geschädigten ihre Bewusstlosigkeit nicht abkaufte und daraus schloss, dass sie die Übergriffe geduldet habe. So kam es bei den Vorwürfen zu Freisprüchen. Einzig aufgrund der Filmaufnahmen wurden zwei Angeschuldigte wegen Verletzung des Privatbereichs sowie Pornographie zu bedingten Geldstrafen von 270 Tagessätzen zu 90 Franken und 210 Tagessätzen zu 30 Franken verurteilt.

Glaubhafte Geschädigte, trotzdem Freisprüche

Seit letzter Woche beschäftigte der Fall das Zürcher Obergericht. Die Staatsanwaltschaft verlangte vor Obergericht hohe Freiheitsstrafen von fünf Jahren, viereinhalb Jahren sowie dreieinhalb Jahren. Staatsanwalt Ulrich Weder übte dabei harsche Kritik am Dielsdorfer Entscheid. Er legte dabei die sichergestellten Filme als harte Beweise ins Recht. Diese würden klar für die Version des Opfers sprechen, sagte Weder.

Allerdings vergebens. So sprachen die Oberrichter am Mittwoch alle drei Beschuldigten vom Hauptvorwurf der Schändung frei. Allerdings mit einer anderen Begründung als das Landgericht. So stuften die Oberrichter die Aussagen des Opfers – im Gegensatz zu Dielsdorf - als durchaus glaubhaft und echt erlebt ein. Die Geschädigte habe die Beschuldigten auch nicht übermässig belastet, führte der Gerichtsvorsitzende Christoph Spiess dazu aus. Objektiv seien die Vorwürfe erstellt.

Im Zweifel für die Angeklagten

Nicht aber aus der subjektiven Sicht der Täter, fuhr Spiess fort. So sei nicht erwiesen, dass die Männer erkannt hätten, dass die Geschädigte tatsächlich geistig weggetreten sei, sagte er. So sei nicht auszuschliessen, dass sie von einem Wachzustand des Opfers ausgegangen seien. Für das Obergericht sei auch das Verhalten der jungen Frau unerklärbar. So habe sie zuerst völlig normal die Wohnung betreten und sei danach plötzlich in einen komatösen Zustand gefallen. Um kurz danach wieder aufzuwachen und nach den Vorfällen Spaghetti zu essen. Damit seien dem Obergericht Zweifel aufgekommen. Zwei Männer wurden umfassend freigesprochen. Sie erhalten für die zu Unrecht erlittene Haft von mehreren Monaten Schmerzensgelder von 19 000 Franken sowie 17 800 Franken. Der mutmassliche Haupttäter erhielt zudem eine Prozessentschädigung von über 22 000 Franken.

Ein dritter Täter aus Zürich kam aber nicht ganz ungeschoren davon. Da er die junge Frau am Tattag auch im Badezimmer bedrängt hatte, wurde er wegen sexueller Nötigung und Verletzung des Privatbereichs zu einer bedingten Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu 60 Franken verurteilt. Er erhält keine Genugtuung.

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