Aktualisiert 01.07.2011 18:22

Stromstoss tötet Hausfrau

Freispruch trotz tödlichem Baupfusch

Wegen einem falsch verlegten Stromkabel ist in Dielsdorf eine italienische Hausfrau ums Leben gekommen. Trotz des offensichtlichen Baupfuschs sind alle Beschuldigten freigesprochen worden.

von
Attila Szenogrady

«Wegen eines klaren Baupfuschs hat eine unschuldige Mutter das Leben verloren», erklärte der Geschädigtenvertreter Renzo Guzzi vor zwei Wochen vor dem Zürcher Obergericht. Doch nun soll niemand dafür verantwortlich sein, beschwerte er sich. Seine Befürchtungen haben sich nun bewahrheitet. In seinem am Donnerstag eröffneten Urteil haben die Oberrichter alle Angeklagten umfassend freigesprochen. Die Hinterbliebenen des Opfers gehen damit leer aus. Das Obergericht trat auf die Forderungen nach Schadenersatz und Genugtuung nicht einmal ein.

Tödlicher Pfusch

Das Unglück geschah am 10. Juli 2004. Damals wurden an der Gumpenwiesenstrasse in Dielsdorf die Fassaden von einigen Mehrfamilienhäusern saniert. Dabei wurde für die Versorgung der Baustelle ein Stromkabel verlegt. Dieses verlief von einem Oeltankraum aus durch einen Lichtschacht beim Gartensitzplatz des Opfers ins Freie.

Fatalerweise wurde das Kabel beschädigt und setzte die Gitterabdeckung beim Lichtschacht unter Strom. Mit tödlichen Folgen. Als die 69-jährige Mieterin an jenem Sommertag im Garten arbeitete, kam sie mit einem Maschendrahtzaun in den Händen mit dem Gitter in Berührung. Der starke Stromschlag verlief für sie tödlich.

Zuerst zwei Schuldsprüche

Die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland leitete nach dem Unglück umfassende Ermittlungen ein und brachte am Bezirksgericht Dielsdorf sechs Personen der Baustelle wegen fahrlässiger Tötung auf die Anklagebank. Zwei davon wurden im letzten September für schuldig befunden und zu bedingten Geldstrafen verurteilt. Der Filialleiter der zuständigen Elektrofirma erhielt 90 Tagessätze zu 250 Franken. Der zuständige Elektrokontrolleur kassierte 120 Tagessätze zu 210 Franken. Beide Angeklagten wurden solidarisch verpflichtet, der Tochter der Geschädigten ein Schmerzensgeld von 20 000 Franken zu bezahlen, zudem eine Prozessentschädigung von über 16 000 Franken.

Nun alle unschuldig

Im kürzlich erfolgten Berufungsprozess verlangten die Verteidiger von vier Angeklagten erneut umfassende Freisprüche. Dabei schoben die Anwälte die Verantwortung für den Unfall jeweils auf andere Personen ab. Offenbar mit Erfolg. Mit den umfassenden Freisprüchen gelten nun alle Angeklagten als unschuldig. Nicht nur die beiden Elektro-Verantwortlichen, sondern auch der Architekt, ein Bauführer sowie zwei Gerüstebauer. Eine schriftliche Begründung für die Freisprüche liegt noch nicht vor.

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