Sterbebegleitung: Freiwillige am Sterbebett
Aktualisiert

SterbebegleitungFreiwillige am Sterbebett

Nur bei zehn Prozent der Menschen, die in der Schweiz sterben, kommt der Tod unerwartet – die restlichen sind bereits zuvor über längere Zeit pflegebedürftig. Unheilbar Kranken soll die so genannte Palliative Care helfen.

von
Martina Huber

Bei dieser Art der Gesundheitsversorgung stehen nicht lebensverlängernde Massnahmen im Vordergrund. Vielmehr geht

es darum, dass der Patient nicht leidet und bis zum Tod eine möglichst hohe Lebensqualität behalten kann. Dazu können neben medizinischen Fachpersonen und Angehörigen auch Freiwillige beitragen, wie das Bundesamt für Gesundheit in seiner «Nationalen Strategie Palliative Care 2010–2012» festhält.

Von den Angehörigen oder dem Pflegepersonal angefragt, setzen sich die Freiwilligen – meist Frauen – ans Bett von Sterbenden, die sie vorher nicht kannten. Einfach, um für diese da zu sein, beispielsweise als Gesprächspartner. Wie und warum sie das tun, hat der Sozialanthropologe Yannis Papadaniel in seiner Doktorarbeit an der Uni Lausanne untersucht. Ergebnis: Eine wesent­liche Motivation ist, dass die Helfer den Kranken mit ihrer Anwesenheit beistehen und Angehörige entlasten wollen. Aber auch die Freiwilligen selbst profitieren von ihrem Einsatz. Gerade weil sie den Sterbenden nicht nahestehen, können sie deren Tod auch ­etwas Positives abgewinnen: Laut Papadaniel durchleben viele beim Begleiten intensive Momente. Die Sterbebegleiter werden sich ihres eigenen Lebens wieder mehr bewusst, lernen ihre Gesundheit schätzen und ihre Probleme relativieren. Deshalb beschrieben auch viele ihr Erlebnis am Sterbebett mit den Sätzen: «Es war traurig. Aber es war auch schön.»

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

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