Aktualisiert 15.03.2020 10:41

Coronavirus

Freiwillige wollen Einkäufe für Unbekannte machen

Ältere Menschen sollen vor dem Coronavirus geschützt werden. Genau das wollen Freiwillige jetzt tun. In Jonschwil SG wurde dafür ein Projekt lanciert.

von
mig
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Susann Schuh hat das Projekt «Helfende Hand Jonschwil» ins Leben gerufen.

Susann Schuh hat das Projekt «Helfende Hand Jonschwil» ins Leben gerufen.

privat
Sie sagt: «Die Idee ist, Leuten aus den Risikogruppen den wöchentlichen Einkauf abzunehmen.»

Sie sagt: «Die Idee ist, Leuten aus den Risikogruppen den wöchentlichen Einkauf abzunehmen.»

Keystone/Gaetan Bally
Den Kunden wird der Einkauf direkt an die Haustüre gebracht.

Den Kunden wird der Einkauf direkt an die Haustüre gebracht.

privat

Über 800 Menschen sind in der Schweiz mittlerweile am Coronavirus erkrankt. Sechs von ihnen sind bis Donnerstag an der Krankheit gestorben. Als Risikogruppe gelten laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) vor allem Menschen über 65 und solche mit bestehender Vorerkrankung.

In den sozialen Medien gibt es zunehmend Bemühungen, diesen Menschen zu helfen. Susann Schuh hat das Projekt «Helfende Hand Jonschwil» ins Leben gerufen. Sie sagt: «Die Idee ist, Leuten aus den Risikogruppen den wöchentlichen Einkauf abzunehmen.» Die Lebensmittel sollen direkt nach Hause geliefert werden.

Ihr Projekt hat die berufstätige Mutter auch auf Facebook gepostet. Innert weniger Stunden hätten sich die ersten vier Personen gemeldet, die ebenfalls helfen wollen. Interessierte könnten sich via Facebook direkt bei ihr melden. «Im Idealfall können später andere Personen für ihre Gemeinde das Projekt kopieren», sagt die 39-Jährige. Sie selbst konzentriere sich auf Jonschwil.

Unterstützung zugesichert

Im Dorf hat sie sich auch schon umgehört. Die Gemeinde und auch die Geschäfte würden das Projekt unterstützen, meint Schuh. Dies vor allem mit Werbung. Das sei wichtig, da ältere Menschen weniger in den Sozialen Medien unterwegs seien, so die Initiantin. Ihr Ziel: «Alle Betroffenen einer Risikogruppe in der Gemeinde sollen das Angebot kennen und im Idealfall auch davon profitieren.» Noch keine definitive Lösung gibt es laut der Initiantin des Projekts für die Bezahlung der Produkte. Das sei derzeit noch das grösste Fragezeichen, so Schuh.

Die Idee für das Projekt sei in den letzten Wochen entstanden. Gerade in schwierigen Zeiten wie jetzt sei es wichtig, dass es Leute gebe, die helfen. Zu ihrem eigenen Antrieb sagt sie: «Ich bin ein Helfertyp und bin mir um den Ernst der aktuellen Lage bewusst. Ich will schlicht helfen und bin mit diesem Gefühl nicht alleine.»

Auch andere wollen helfen

Die Idee von Susann Schuh teilt Cornelia Plüss aus Gossau SG. Auch sie bietet sich für Einkäufe an. Plüss sagt: «Ich bin Tanzlehrerin und habe im Moment viel Freizeit wegen dem Virus, da Kunden die Stunden absagen. Doch ich will die Zeit sinnvoll nutzen.» Sie sei ein Macher und könne nicht nur zu Hause rumsitzen.

Bisher sei noch keine Anfrage reingekommen. Interessierte könnten sich direkt bei ihr melden. Sie sei nun gespannt, wie sich alles entwickelt. Weiter sagt Plüss: «Das Coronavirus hat mir zwar beruflich einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber es gibt auch positive Seiten.» Sie nehme etwa wahr, wie die Leute respektvoller miteinander umgehen und eher nach den Bedürfnissen anderer fragen würden.

In Wien zeigt sich diese Haltung durch den Hashtag #wienliebe.

Unter diesem Hashtag bieten viele Personen an, Menschen der Risikogruppen unter die Arme zu greifen, sei es mit Einkäufen oder sonstigen Tätigkeiten in der Öffentlichkeit.

Einwohner von anderen Gemeinden, die Interesse haben «Helfende Hand» bei sich in Betrieb zu nehmen, können sich bei Susann Schuh melden. Sie würde alle Dokumente zur Verfügung stellen und die ersten Erfahrungen mitteilen.

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