Aktualisiert 02.04.2020 23:16

Sexszenen auf dem BildschirmFremde lassen in Online-Schule Porno laufen

Plötzliches Stöhnen aus den Lautsprechern: An einer Berufsschule in Winterthur traten Unbekannte einer Videokonferenz auf Zoom bei und spielten einen Porno ab.

von
Anja Zingg
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Die Berufsschüler einer KV-Klasse in Winterthur führten wie üblich ihre Lektion über die App Zoom durch. Dabei gab es eine unerfreuliche Überraschung.

Die Berufsschüler einer KV-Klasse in Winterthur führten wie üblich ihre Lektion über die App Zoom durch. Dabei gab es eine unerfreuliche Überraschung.

Zephyr18
Unbekannte betraten die Videokonferenz und auf dem Bildschirmen wurde plötzlich ein Porno abgespielt.

Unbekannte betraten die Videokonferenz und auf dem Bildschirmen wurde plötzlich ein Porno abgespielt.

zVg./L.S.
Während der Corona-Krise boomen Programme wie Zoom, mit denen von zu Hause aus Konferenzen oder eben Unterrichtsstunden abgehalten werden können. (Symbolbild)

Während der Corona-Krise boomen Programme wie Zoom, mit denen von zu Hause aus Konferenzen oder eben Unterrichtsstunden abgehalten werden können. (Symbolbild)

Sebastian Gollnow

Es war eine ganz normale Unterrichtsstunde in Zeiten von Corona: L. S.*, Berufsschülerin der Wirtschaftsschule KV Winterthur, erhielt von ihrer Englischlehrerin per Whatsapp den Link und das Passwort für eine Videokonferenz über das Programm Zoom. Sie loggte sich ein, der Unterricht begann. «Auf einmal traten mehrere fremde Personen mit unbekannten Namen der Videokonferenz bei. Wir haben zuerst gar nicht realisiert, was passiert», so die 18-Jährige. Die Lehrerin sei gerade dabei gewesen, der Klasse ein Dokument auf dem Bildschirm zu zeigen, da habe das Bild gewechselt. «Plötzlich hörte ich ein Stöhnen über die Lautsprecher, erst dann realisierte ich: Da läuft ein Porno auf meinem Bildschirm!» Zu sehen war ein nackter Mann, der sich selbst oral befriedigte.

Die Klasse sei geschockt gewesen, so S. weiter. Die Lehrerin habe sie aufgefordert, die Videokonferenz zu verlassen. Die Lektion wurde danach auf Skype weitergeführt. «Mir ist es wichtig, dass andere gewarnt werden, wie schlecht die Sicherheit bei Zoom ist», so S. Die Schule bestätigt den Vorfall auf Anfrage und arbeitet an einer Alternativlösung.

Hacker-Angriff ist unwahrscheinlich

Dass es sich um einen Hacker-Angriff handelte, bezweifelt IT-Sicherheitsexperte Marc Ruef. «Wer sich Zugang zu einer Zoom-Konferenz verschaffen kann, hat vermutlich anderes im Sinn, als Berufsschüler mit einem Porno zu erschrecken.» Wenn jemand über solche Kompetenzen verfüge, könnte er damit beispielsweise im Darkweb viel Geld verdienen. «Es ist wahrscheinlicher, dass jemand den Link an andere Personen gesendet hat und sich diese damit einen Scherz erlaubt haben.»

Ruef doziert selber an verschiedenen Hochschulen und nutzt dabei unter anderem auch Zoom. Er rät nicht grundsätzlich davon ab. «Eine gewisse Kritik an Zoom ist sicher gerechtfertigt, aber es gibt kaum Alternativen, vor allem für Konferenzen in grossen Gruppen.» Mit wenigen Klicks könne über die Einstellungen verhindert werden, dass fremde Personen das Screensharing übernehmen. «Hochbrisante Themen würde ich dennoch nie über Zoom besprechen!»

*Name der Redaktion bekannt

Sicherheitslücken bei Zoom

Zoom stand wiederholt wegen Datenschutz- und Sicherheitslücken in der Kritik, zuletzt verbot das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk SpaceX seinen Mitarbeitern die Nutzung.. Auch das FBI-Büro in Boston gab eine Warnung über Zoom heraus. Es hatte zuvor zwei Berichte über nicht identifizierte Personen erhalten, die in Schulsitzungen eingedrungen waren. Das Phänomen nennt sich «Zoombombing».

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