Aktualisiert 14.03.2013 07:58

Reaktionen zuhauseFreude, aber keine Euphorie in Argentinien

Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio ist der erste Latino auf dem Papstthron. In seiner Heimat wurde die Nachricht mit Freude, aber auch mit einer gewissen Ablehnung aufgenommen.

von
Karin Leuthold, Buenos Aires

In Argentinien hat die Nachricht vom neuen Papst Franziskus eingeschlagen wie eine Bombe. Die Reaktionen auf die Wahl des argentinischen Kardinals Jorge Mario Bergoglio zum neuen Papst sind allerdings sehr unterschiedlich. In einigen Quartieren von Buenos Aires brach grosse Freude aus, als die Entscheidung bekanntgegeben wurde: Autofahrer hupten und die Menschen feierten auf der Strasse.

Von einer grossen Euphorie kann dennoch nicht die Rede sein. Auf Twitter und Facebook reagierten viele Argentinier mit Humor: «Wir haben gegen Brasilien gewonnen», twitterten einige in Anspielung auf den Erzbischof von São Paulo, Odilo Scherer, der als Top-Favorit gehandelt wurde. «Es kommt bald zur argentinischen Weltherrschaft: Einen Papst und eine holländische Königin», witzelten andere in Anspielung darauf, dass der Gatte der in Argentinien geborenen Prinzessin Maxima, Kronprinz Willem-Alexander, bald König der Niederlande wird. Viele äusserten auch die Hoffnung, dass die Wahl Bergoglios die Kirche näher an diese Weltregion heranbringt, in der mehr Katholiken leben als in jeder anderen.

Kein Freund von Schwulen

Es gibt auch kritische Stimmen nach der Wahl. Sie erinnerten daran, dass «Bergoglio ein Feind der Schwulen» und ein vehementer Abtreibungsgegner ist. Zudem wurden verschiedene Fotos gepostet, die den Argentinier zusammen mit Mitgliedern der Militärdiktatur zeigen, unter der 30'000 Menschen verschwanden.

Gegen den Abend fanden sich einige Tausende Porteños – so nennt man die Einwohner der argentinischen Hauptstadt – zu einer Messe in der Kathedrale ein. Für viele der Armen in Buenos Aires ist Bergoglios Wahl ein positives Ereignis. Juan Carlos Alarcon, ein 58-jähriger Strassenverkäufer, kam mit einer Ladung Flaggen. «Ich muss diesen historischen Moment ausnutzen, um meine Familie zu ernähren», erklärte er.

«Eine fruchtbare pastorale Arbeit»

Die argentinische Präsidentin Cristina Kirchner gratulierte Bergoglio sehr nüchtern in einem Brief, den sie auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte. Sie hoffe, dass er eine fruchtbare pastorale Arbeit habe und für Gerechtigkeit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Frieden eintrete.

Der Kardinal war von Kirchner in der Vergangeheit oftmals für seine konservative Haltung als «mittelalterlich» kritisiert worden. An Franziskus' Einführung zum Papst am 19. März in Rom werde Kirchner trotzdem dabei sein, heisst es.

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