Frontal-Crash in Densbüren AG: Freunde trauern um Ziad, Zedan und Massoud
Aktualisiert

Frontal-Crash in Densbüren AGFreunde trauern um Ziad, Zedan und Massoud

Drei junge Iraker starben beim Frontal-Crash in Densbüren AG. Freunde und Familienangehörige trauern auf Facebook.

von
Qendresa Llugiqi
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Schwerer Unfall: Bei einer Frontalkollision in Densbüren AG am Mittwochabend kam ein junger Mann ums Leben. Seine zwei Mitfahrer verstarben nur wenige Stunden später im Spital.

Schwerer Unfall: Bei einer Frontalkollision in Densbüren AG am Mittwochabend kam ein junger Mann ums Leben. Seine zwei Mitfahrer verstarben nur wenige Stunden später im Spital.

Newspictures/Simon Ertler
Dabei handelt es sich um Massoud H* (19),...

Dabei handelt es sich um Massoud H* (19),...

Screenshot / Facebook
...Zedan A.* (19)...

...Zedan A.* (19)...

Screenshot / Facebook

Zwei Autos sind am Mittwoch kurz vor 21 Uhr in Densbüren AG heftig frontal kollidiert. Drei junge Männer aus dem Irak fanden dabei den Tod. Sie sassen in einem roten Peugeot, der gemäss der Polizei ins Schleudern geraten sein dürfte. Es kam zum Zusammenstoss. Der Peugeot stürzte daraufhin eine Böschung hinunter. Laut der Polizei waren die Insassen zum Teil eingeklemmt und mussten durch die Strassenrettung der Stützpunktfeuerwehr Frick geborgen werden.

Der 19-jährige Massoud H.* verstarb noch an der Unfallstelle. Sein Verwandter, der gleichaltrige Zedan A.,* wurde mit dem Rettungshelikopter ins Spital geflogen. Dort erlag er in der Nacht auf Donnerstag seinen schweren Verletzungen. Den Peugeot lenkte der Bruder von Zedan, der 21-jährige Ziad A.*. Er wurde mit der Ambulanz ins Spital gebracht. Im Verlauf des Donnerstags verstarb auch er.

«Es war so eine schreckliche Nachricht»

Freunde und Familienangehörige trauern jetzt auf Facebook. In mehreren Beiträgen sind Fotos der drei jungen Männer und Beileidsbekundungen zu finden. Eine Verwandte aus Freiburg im Breisgau (D) und ihre Familie erfuhren vom Tod der jungen Männer am Donnerstag. «Unser Vater hat es uns erzählt. Er ist auch in der Schweiz», sagt sie. «Als wir es hörten, konnten wir es gar nicht glauben. Es war so eine schreckliche Nachricht. Wir haben nur noch gezittert.»

Gemäss der Verwandten sind alle drei Männer aus dem Irak nach Europa geflohen. «Sie sind Jesiden, eine Minderheit, die im Irak verfolgt wird. Deshalb flüchteten sie», sagt sie. «Massoud kam vor rund einem Jahr nach Deutschland, Ziad und Zedan vor ungefähr zwei Jahren in die Schweiz. Jeder beantragte Asyl im jeweiligen Land.»

Keine Raser

Gemäss der Verwandten gehen alle Bekannten davon aus, dass die drei jungen Männer aufgrund der winterlichen Strassenverhältnisse ums Leben kamen. «Sie waren nicht solche Jungs, die gerne rasten.» Weiter beschreibt sie die jungen Männer als «normale Jungs, die Freude am Leben hatten und öfter etwas zusammen unternahmen».

20 Minuten konnte auch mit dem Bruder von Ziad und Zedan, Bakr A.* (27) aus Basel, sprechen. Er hat in der Schweiz Asyl erhalten und ist seit rund sieben Jahren hier. Ihm zufolge waren die drei jungen Männer am Abend des Unfalls auf dem Weg zu ihm: «Wir wollten meine Verlobung feiern. Doch sie kamen einfach nicht.»

«Es hiess, ein solches Auto sei verunfallt»

Er habe mehrmals versucht, Kontakt mit seinen Brüdern aufzunehmen. Weil niemand ans Telefon ging und er ein mulmiges Gefühl hatte, ging er zunächst zur Polizei in Basel.

Als die ihm nicht habe weiterhelfen können, sei er zur Polizei in Aarau gegangen: «Ich habe beschrieben, mit was für einem Wagen meine Brüder unterwegs waren. Es hiess dann, ein solches Auto sei verunfallt und ein Mann sei bereits am Unfallort gestorben. Die Welt stand plötzlich still, mein Herz hat geblutet.»

«Der Arzt sagte mir, dass es nicht gut um Ziad stehe»

Zwei Polizisten hätten ihn ins Kantonsspital Aarau begleitet. Dort eingetroffen, sei nur noch Ziad am Leben gewesen, so der Bruder. «Er hatte eine Kopfverletzung und war an verschiedene Maschinen angeschlossen. Der Arzt sagte mir bereits da, dass es nicht gut um Ziad stehe.» Nur wenige Stunden später verstarb auch sein zweiter Bruder.

Bakr A.* muss sich nun um die Überführung der Leichen in den Irak kümmern: «Unsere Eltern leben dort, sie alle warten auf die drei. Sie sind am Boden zerstört.»

*Namen der Redaktion bekannt

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