Aktualisiert 04.05.2006 22:12

Interview

«Freundin des Dealers heisst immer Sandra»

Kokaindealer werden in Afrika ausgebildet, bevor sie in der Schweiz Asyl beantragen, glaubt Staatsanwalt Thomas Hansjakob. Im Interview verteidigt er den aufwendigen Kampf gegen die Kügeli-Dealer.

Herr Hansjakob, seit über zwei Jahren jagen Sie schon mit Scheinkäufen intensiv dunkelhäutige Kleindealer – und trotzdem nimmt die Zahl der Verhaftungen nicht ab. Warum?

Thomas Hansjakob: Die Rekrutierungsstrukturen der Dealerorganisation funktionieren reibungslos. Da die Festgenommenen praktisch alle die gleiche Geschichte erzählen, liegt die Vermutung nahe, dass die Leute noch vor ihrer Abreise aus Afrika richtiggehend geschult werden.

Was erzählen sie?

Hansjakob: Sie sagen, sie seien nach St. Gallen gekommen, um ihre Freundin zu treffen. Sie kennen nur ihren Vornamen – sie heisst fast immer Sandra. Sie hat ihnen aber immer das Natel geschenkt und ihnen auch die Geldbeträge überlassen, welche die Festgenommenen jeweils auf sich tragen. Das Kokain hat ihnen oft ein unbekannter Schwarzer geschenkt, weil sie diesen um Geld angebettelt haben.

Ist dieser aussichtslose Kampf nicht reine Geldverschleuderung?

Hansjakob: Die Kügeli-Dealer haben keinen grossen Mengenumsatz, aber sie machen Kokain niederschwellig verfügbar – zum Beispiel für Kantischüler. Unsere Aktivitäten sorgen dafür, dass die Dealer nicht mehr aktiv Passanten ansprechen. Auswärtige Dealer meiden zudem St. Gallen und weichen auf andere Kantone aus, das ist messbar. Deshalb hat Zürich mit Scheinkäufen nachgezogen und so den Druck ebenfalls erhöht.

Gaudenz Looser

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