17.06.2020 02:55

«Psychoterror der übelsten Sorte»Freundin macht Schluss, Mann (25) bedroht sie stundenlang mit Pistole

Eine junge Frau machte Schluss mit ihrem Freund. Dieser bedrohte sie anschliessend stundenlang mit dem Tod. Trotzdem kommt der 25-Jährige mit einer bedingten Freiheitsstrafe davon.

von
Stefan Hohler
1 / 2
Vor dem Bezirksgericht Zürich stand am Dienstag ein 25-jähriger Bauarbeiter.

Vor dem Bezirksgericht Zürich stand am Dienstag ein 25-jähriger Bauarbeiter.

KEYSTONE
Er wurde unter anderem wegen Drohung und Freiheitsberaubung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt.

Er wurde unter anderem wegen Drohung und Freiheitsberaubung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Ein heute 25-jähriger Bauarbeiter hat im Mai 2019 seine Freundin mit einer Pistole während Stunden mit dem Tod bedroht, als sie Schluss machte.
  • Das Bezirksgericht Zürich verurteilte den Mann wegen Freiheitsberaubung, Drohung und Nötigung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten.
  • Das Gericht sprach von «Psychoterror der übelsten Sorte».

Der heute 25-jährige Bauarbeiter und die um zwei Jahre jüngere Frau hatten sich im Februar 2019 im Militärdienst kennen und lieben gelernt. Während bei der Freundin die Gefühle für den Schweizer bald erloschen, war dieser «geblendet vor Liebe», wie er am Prozess vor dem Bezirksgericht Zürich am Dienstag sagte. Der Mann war unter anderem wegen Vergewaltigung, Freiheitsberaubung, Drohung und strafbarer Vorbereitungshandlungen zu vorsätzlicher Tötung angeklagt.

Das alles geschah an einem Abend im Mai 2019 in seiner Wohnung in der Stadt Zürich, als die Freundin die Beziehung beendete. Als sie kurz die Wohnung verliess, machte der Mann laut Anklageschrift einen «Plan A» und einen «Plan B». Ersterer bedeutete, die Frau umzustimmen – letzterer sie zu erschiessen und ins Ausland zu fliehen, sollte «Plan A» nicht klappen.

Pistole mit vollem Magazin

Er liess in der Wohnung die Rollläden runter, nahm seine legal erworbene Pistole mit vollem Magazin und packte einen Rucksack für seine Flucht. Als die junge Frau wieder zurückkehrte und sich nicht umstimmen liess, ergriff der Beschuldigte seine Pistole. Er machte eine Ladebewegung, richtete die Waffe auf sie und sagte ihr, dass er sie erschiessen werde, sollte sie ihn wirklich verlassen.

Was nun folgte war «Psychoterror, der übelsten Sorte», wie der Richter sagte. In den folgenden Stunden zwang der Beschuldigte die Freundin mit ihm zu reden, wobei er sagte, dass er sie erschiessen werde. So sagte der Bauarbeiter beispielsweise zur Frau, er würde jetzt auf zehn zählen und schiessen, wenn sie ihm nicht die Wahrheit sage. «Ich wollte den wahren Trennungsgrund herausfinden», begründete der 25-Jährige die Tat, «Ich hätte ihr aber sicher nichts angetan.»

Die junge Frau, die ebenfalls am Prozess anwesend war, beschrieb unter Tränen ihre Todesangst: «Ich hatte mit meinem Leben abgeschlossen. Ich dachte mir, du wirst die Wohnung nicht mehr lebend verlassen.»

«Sie hat den blanken Horror erlebt»

Während bis zu diesem Punkt die Aussagen von Opfer und Täter mehrheitlich übereinstimmten, gingen sie beim Anklagepunkt Vergewaltigung auseinander. Fakt ist, dass der Mann später die Pistole in einen Schrank versorgte sowie Pizza und Salat für beide bestellte. Zudem schauten sie beide gemeinsam Filme und die Frau verliess erst am nächsten Morgen die Wohnung, nachdem sie und der Beschuldigte zuvor noch Sex hatten. Während die Frau sagte, sie habe das aus Angst über sich ergehen lassen, meinte der Beschuldigte, dass der Sex zum Abschluss der Beziehung ein allerletzter schöner Moment gewesen sei.

Für den Staatsanwalt war diese Aussage völlig lebensfremd, hatte sie doch am Abend zuvor den «blanken Horror erlebt». Er verlangte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren, wovon der Beschuldigte ein Jahr absitzen soll. Er war bereits ein knappes halbes Jahr in Untersuchungshaft gewesen. Der Anwalt des Opfers verlangte eine Genugtuung von 15’000 Franken. Seine Mandantin sei stundenlang mit dem Tod bedroht worden.

Bedingte Freiheitsstrafe

Der Anwalt des Beschuldigten forderte wegen Freiheitsberaubung, Drohung und Nötigung eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten. Es habe sich nicht um eine Vergewaltigung gehandelt und eine strafbare Vorbereitungshandlungen zu vorsätzlichen Tötung habe nicht vorgelegen.

Das Gericht folgte dieser Argumentation und verurteilte den Beschuldigten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Zwar seien die Aussagen des Opfers glaubhaft, es habe sich aber nicht in einer auswegslosen Situation befunden. Für das Gericht hat der Beschuldigten die Frau nicht ernsthaft töten wollen, sondern mit der brutalen Drohung einen maximalen Druck aufbauen wollen, damit sie nur ja die Wahrheit sage. «Das Vorgehen war äusserst brutal, rücksichtslos und respektlos, ein Machogehabe», sagte der Richter. Der Beschuldigte muss der Frau 4000 Franken Schmerzensgeld bezahlen. Der Staatsanwalt wird das Urteil vermutlich weiterziehen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.