NLA-Playoffs: Fribourg breakt - Bern wird überfahren
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NLA-PlayoffsFribourg breakt - Bern wird überfahren

Fribourg-Gottéron setzt seine Serie gegen die ZSC Lions fort. Im Hallenstadion kommt es zur Verlängerung, welche Andrej Bykow entscheidet. Zug schickt den SCB mit 8:2 nachhause.

Die Siegesserie des HC Fribourg-Gottéron gegen die ZSC Lions geht weiter. Die Freiburger feierten mit 2:1 nach Verlängerung im Hallenstadion den zehnten Sieg hintereinander gegen den amtierenden Meister und gingen in der Halbfinalserie mit 2:0 Siegen in Führung.

Den Sieg konnte Fribourg erst mit Verzögerung bejubeln. Andrej Bykow entschied mit einem platzierten Hocheckschuss nach 64 Minuten und 13 Sekunden die Partie. Die Scheibe flog indes derart schnell wieder aus dem Netzhimmel hinaus, dass keiner der Referees mit Sicherheit auf Tor entscheiden konnte. So wurde noch über 20 Sekunden weiter gespielt, ehe es Julien Sprunger zu bunt wurde. Sprunger lupfte den Puck in die Zuschauerränge, damit die Schiedsrichter endlich zum Videobeweis schreiten konnten. Wäre es kein Tor gewesen, hätte Fribourg wegen Sprungers Spielverzögerung die nächsten zwei Minuten in Unterzahl spielen müssen. «Aber Bykow und Sprunger waren sich so sicher, dass es ein reguläres Tor gewesen war, dass ich mir auch sicher war», meinte Fribourgs Coach Hans Kossmann, der mit Fribourg noch nie gegen Zürich verloren hat. Und es dauerte nicht allzu lange, und dann waren auch die Schiedsrichter überzeugt.

Damit endete die Partie so wie immer in letzter Zeit, wenn diese Teams gegeneinander antreten. Die ZSC Lions finden kein Rezept gegen Gottéron. In den letzten fünf Heimspielen gegen Fribourg führten die Lions dreimal, zu einem Sieg reichte es aber nie. Zweimal setzte sich Fribourg im Penaltyschiessen durch, zweimal gewann Gottéron nach einem 0:1-Rückstand mit 2:1. Besonders bitter für die ZSC Lions war die donnerstägliche Niederlage, weil zwei Minuten vor Bykows Siegtor Morris Trachsler die grosse Chance auf den Sieg vergeben hatte. Goalie Benjamin Conz lag nach einer Parade gegen Thibaut Monnet auf dem Eis; Morris Trachsler verfehlte aber aus (zugegeben spitzem Winkel) das freie Tor; der Puck flitzte vor dem Gehäuse vorbei.

Die Partie hätte auf beide Seiten kippen können

Schon in der regulären Spielzeit wogte das Geschehen hin und her. Die ZSC Lions starteten furios und kamen schon nach neun Sekunden zum ersten gefährlichen Torschuss. In der 3. Minute traf Reto Schäppi für die Zürcher den Pfosten. Danach erspielten sich aber die Freiburger durch Sandy Jeannin (7.), Julien Sprunger (8.), Joel Kwiatkowski (9.) und Andrej Bykow (19.) bis zur ersten Pause eher die besseren Chancen. Im zweiten Abschnitt fielen die beiden Tore der regulären Spielzeit. Nach 26:26 Minuten fälschte Patrik Bärtschi einen Weitschuss von Mathias Seger unhaltbar ab. Julien Sprunger begünstigte mit einer Auswechslung zur Unzeit dieses Führungstor der Lions. Mit der Führung im Rücken kontrollierte der Zürcher SC das Geschehen. Aber nach 39:39 Minuten fiel dennoch der Ausgleich: Sprunger schoss aus aussichtsreicher Position nach einem Querpass direkt aufs Tor, der Zürcher Goalie Lukas Flüeler vermochte die Scheibe abzuwehren, aber nicht festzuhalten, und Adam Hasani spedierte den Puck ins offene Goal.

Auch im Schlussabschnitt taten die Zürcher Gastgeber mehr für die Offensive (total 30:18 Schüsse). Fribourg agierte aber eher direkter vorwärts und erspielte sich regelmässig gute Konterchancen. Die besten Möglichkeiten im dritten Abschnitt vergaben Roman Wick (53.) und Mike Knoepfli (56.). Die Zürcher, die eigentlich mit nur zwei Ausländern spielten (denn Alexandre Tremblay kam bloss zu vereinzelten Einsätzen), vergaben den möglichen Sieg insbesondere mit einem unterdurchschnittlichen Überzahlspiel. Die ZSC Lions kamen zu fünf Powerplay-Chancen, während dieser knapp zehn Minuten aber lediglich zu zwei Torschüssen. In der gesamten Serie ist dem Zürcher SC noch kein Powerplay-Tor gelungen.

Zug überrennt enttäuschende Berner

Nach elf Niederlagen in Serie hat der EV Zug wieder einmal in den Playoff-Halbfinals gewonnen. Das Team von Doug Shedden bezwang den SC Bern vor heimischem Publikum 8:2 und glich in der Best-of-7-Serie zum 1:1 aus. Nachdem die Berner zu Beginn des Schlussdrittels innerhalb von 56 Sekunden durch Geoff Kinrade (43.) und Joël Vermin (44.) aus einem 0:4 ein 2:4 gemacht hatten, kam nochmals etwas Spannung auf. Doch sieben Minuten später stand es nach drei Powerplay-Toren von Josh Holden (48.), Andy Wozniewski (49.) und Lino Martschini 7:2. Damit trafen die Zentralschweizer innerhalb von 144 Sekunden gleich oft in Überzahl wie in den acht Playoff-Partien zuvor. Fabian Sutter und Holden zeichneten sich beim EVZ als Doppeltorschützen aus, gar auf drei Skorerpunkte kam der ins Team zurückgekehrte amerikanische Verteidiger Wozniewski.

Bereits nach den ersten 20 Minuten hatten sich die Zuschauer in der ausverkauften Bossard-Arena erhoben. Sie waren begeistert, wie sich die Gastgeber im ersten Drittel präsentiert hatten. Zwar bekundeten sie zu Beginn gegen die druckvoll gestarteten Berner Mühe - in der 3. Minute scheiterte Tristan Scherwey mit einem Penalty am starken Jussi Markkanen -, doch in der 6. Minute brachte Nolan Diem die Gastgeber mit der ersten «richtigen» Chance in Führung. Der erst 19-jährige Center traf aus kurzer Distanz, nachdem er von Verteidiger Timo Helbling von hinter dem Tor mustergültig bedient worden war. Es war für Diem erst der zweite Saisontreffer. 168 Sekunden später stand es nach einem klassischen «Bully-Goal» 2:0. Holden gewann das Bully, Wozniewski zog gleich ab, und Holden lenkte den Puck ab - der Kanadier traf erstmals nach fünf torlosen Spielen.

Kein Selbstvertrauen beim SCB

Der Zweitore-Vorsprung gab dem EVZ sichtlich Schwung; er hatte in den nächsten Minuten klar mehr vom Spiel. Das 3:0 von Fabian Sutter (15.) nach Vorarbeit von Linus Omark war nichts als logisch. Shedden hatte doch am bislang in den Playoffs enttäuschenden Schweden festgehalten und Domenico Pittis auf die Tribüne verbannt. Zu Beginn dürfte er diesen Entscheid bereut haben, denn ein Fehlpass von Omark bildete den Ursprung des Penaltys - Alessandro Chiesa konnte den alleine auf Markkanen losstürmenden Tristan Scherwey nur mit einem Foul stoppen.

Die Berner zeigten eine enttäuschende Leistung. Von Selbstvertrauen nach vier Siegen in Serie - im Viertelfinal hatten sie gegen Genève-Servette ein 1:3 gedreht - war nichts zu sehen. Zwar schnürten sie die zu passiv gewordenen Zentralschweizer nach der ersten Pause phasenweise in deren Drittel ein, doch fehlte es dem SCB lange Zeit an Ideen, den Abwehrriegel zu knacken. Man hatte in den zweiten 20 Minuten nie das Gefühl, dass demnächst ein Tor für die Gäste fallen würde. Einem solchem am nächsten kam noch der 18-jährige Christoph Bertschy, der auffällig spielte.

Langnauer starten Aufholjagd zu spät

Die Rapperswil-Jona Lakers haben im Playout auf das «Break» der SCL Tigers vom Dienstag (5:6 n.P.) reagiert, die Emmentaler auswärts mit 4:3 bezwungen und ihrem neuen Trainer Anders Eldebrink den ersten Sieg beschert. In der Serie steht es nun 1:1. Allerdings geriet der erste Sieg unter ihrem neuen Trainer für die Lakers unerwartet noch einmal in Gefahr. Denn nachdem die Rapperswiler durch Benjamin Neukom in der 46. Minute das 4:0 erzielt hatten, hätte wohl keiner der 4770 Zuschauer in der Ilfishalle noch auf die SCL Tigers gewettet. Doch die Emmentaler spielten plötzlich (wieder) druckvoll und kamen durch Simon Moser, Jörg Reber und Sami El Assaoui innerhalb von 3:40 Minuten wieder auf 3:4 heran. Doch die Reaktion der Langnauer kam zu spät.

Die beiden Mannschaften konnten auch im zweiten Spiel ihre Verunsicherung nicht verbergen. Langnau dominierte die Startphase, verpasste aber den frühen Torerfolg. Mit dem Doppelschlag innerhalb von 14 Sekunden Ende des ersten Abschnitts übernahmen die Rapperswiler das Spieldiktat und schienen einem sicheren Sieg entgegen zu steuern. Doch nach dem ersten Langnauer Tor durch deren unermüdlich kämpfenden Antreiber Simon Moser drehte die Partie erneut komplett.

Giovannini ersetzt Bäumle

Langnaus Trainer Alex Reinhard setzte im Vergleich zum ersten Duell wieder auf Stammtorhüter Thomas Bäumle anstelle von Remo Giovannini. Die Massnahme zahlte sich überhaupt nicht aus. Nach drei Gegentreffern und nur fünf Paraden wechselte Reinhard seinen Goalie erneut. Der erst 21-jährige Giovannini, der am Dienstag überraschend debütiert hatte, machte seine Sache erneut gut. Zur Wende konnte aber auch der Ersatzkeeper sein Team nicht mehr führen.

Bereits in der ersten Playout-Runde gegen die Kloten Flyers vermochten die Emmentaler das «Break» aus dem ersten Spiel im nachfolgenden ersten Heimspiel nicht zu bestätigen. Die Rapperswil-Jona Lakers auf der anderen Seite holten sich den Heimvorteil mit dem letztlich nicht unverdienten Sieg gleich bei erster Gelegenheit zurück. Es war für das Team von Trainer Eldebrink, der die Equipe erst auf die Partien gegen Langnau von Harry Rogenmoser übernommen hatte, erst der zweite Sieg seit der letzten Nationalmannschafts-Pause Mitte Februar.

ZSC Lions - Fribourg 1:2 (0:0, 1:1, 0:0, 0:1) n.V.

Hallenstadion. 10'693 Zuschauer. SR Rochette/Wiegand, Fluri/Müller.

Tore: 27. Patrik Bärtschi (Seger, Kenins) 1:0. 40. (39:39) Hasani (Sprunger, Bykow) 1:1. 64. Bykow (Abplanalp, Benny Plüss) 1:2.

Strafen: 3mal 2 Minuten gegen ZSC Lions, 6mal 2 Minuten gegen Fribourg.

PostFinance-Topskorer: Monnet; Bykow.

ZSC Lions: Flüeler; Blindenbacher, Geering; Seger, Lashoff; Daniel Schnyder, Maurer; Hächler; Patrik Bärtschi, Cunti, Kenins; Ambühl, Shannon, Wick; Bastl, Morris Trachsler, Monnet; Bühler, Schäppi, Chris Baltisberger; Tremblay.

Fribourg: Benjamin Conz; Heins, Birbaum; Kwiatkowski, Marc Abplanalp; Ngoy, Loeffel; Schilt; Lauper, Dubé, Gamache; Sprunger, Bykow, Benny Plüss; Mauldin, Jeannin, Knoepfli; Cadieux, Botter, Tristan Vauclair; Hasani.

Bemerkungen: ZSC Lions ohne McCarthy, Stoffel (beide verletzt) und Lehtonen (krank), Fribourg ohne Lukas Gerber (verletzt) und Suschinski (überzähliger Ausländer). Pfostenschuss Schäppi (3.). Timeout Fribourg (58:29).

Zug - Bern 8:2 (3:0, 1:0, 4:1)

Bossard Arena. - 7015 Zuschauer (ausverkauft). - SR Eichmann/Stricker, Arm/Küng.

Tore: 6. Diem (Helbling, Schnyder) 1:0. 8. Holden (Wozniewski) 2:0. 15. Sutter (Omark, Erni) 3:0. 35. Sutter (Martschini, Wozniewski) 4:0. 43. (42:24) Kinrade (Randegger/Ausschluss Diem) 4:1. 44. (43:20) Vermin (Campbell) 4:2. 48. Holden (Ausschluss Neuenschwander) 5:2. 49. (48:11) Wozniewski (Casutt/Ausschluss Kinrade) 6:2. 51. Martschini (Ausschluss Randegger) 7:2. 60. Christen (Lammer) 8:2.

Strafen: 3mal 2 Minuten gegen Zug, 5mal 2 Minuten gegen Bern. -

PostFinance-Topskorer: Omark; Ritchie.

Zug: Markkanen; Chiesa, Wozniewski; Helbling, Fischer; Erni, Andreas Furrer; Suri, Holden, Casutt; Schnyder, Diem, Lindemann; Martschini, Sutter, Omark; Christen, Schneuwly, Lammer; Lüthi.

Bern: Bührer/Gigon (ab 49.); Collenberg, Philippe Furrer; Roche, Gerber; Kinrade, Randegger; Vermin, Ritchie, Scherwey; Loichat, Plüss, Rüthemann; Pascal Berger, Campbell, Rubin; Alain Berger, Bertschy, Neuenschwander.

Bemerkungen: Zug ohne Blaser, Schefer (beide verletzt) und Pittis (überzähliger Ausländer). Bern ohne Bednar, Hänni, Höhener, Jobin, Sykora (alle verletzt) und Gardner (gesperrt). - Scherwey scheitert mit Penalty an Markkanen. - Timeout Zug (44.).

SCL Tigers - Rapperswil-Jona Lakers 3:4 (0:2, 0:1, 3:1)

Ilfis. - 4770 Zuschauer. - SR Koch/Kurmann, Espinoza/Kohler.

Tore: 19. (18:34) Rizzello (Hürlimann) 0:1. 19. (18:48) Earl (Wichser, Walser) 0:2. 25. Riesen (Sejna) 0:3. 46. Neukom (Sven Berger, Geiger) 0:4. 49. Simon Moser (Froidevaux, El Assaoui) 1:4. 52. (51:46) Reber (Sandro Moggi, Claudio Moggi) 2:4. 53. (52:07) El Assaoui (Pelletier) 3:4.

Strafen: je 1mal 2 Minuten. -

PostFinance-Topskorer: Kurtis McLean; Earl.

SCL Tigers: Bäumle (25. Giovannini); El Assaoui, Lampman; Simon Lüthi, Reber; Lardi, Christian Moser; Philippe Rytz; Jacquemet, Pelletier, Tobias Bucher; Genazzi, Kurtis McLean, Bomersback; Leblanc, Froidevaux, Simon Moser; Sandro Moggi, Adrian Gerber, Claudio Moggi; Lukas Haas.

Rapperswil-Jona Lakers: Aebischer; Derrick Walser, Gmür; Geiger, Sven Berger; Geyer, Camperchioli; Marzan; Kolnik, Wichser, Earl; Riesen, Burkhalter, Sejna; Jörg, Duri Camichel, Nils Berger; Neukom, Hürlimann, Rizzello; Thibaudeau.

Bemerkungen: SCL Tigers ohne Popovic (verletzt), Stettler, Kim Lindemann, Nüssli, Adrian Brunner und Rexha (alle überzählig), Rapperswil-Jona Lakers ohne Welti, Camenzind, Winkler (alle verletzt) und Kesä (überzählig). Pfostenschüsse Tobias Bucher (3.) und Kurtis McLean (48.). Timeouts Rapperswil-Jona Lakers (52.) und SCL Tigers (59:15). SCL Tigers ab 59:10 ohne Torhüter. (si)

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