Aktualisiert 09.02.2011 08:55

«Time-Out»Fribourg - eine längst fällige Entlassung

Serge Pelletier gefeuert - das ist eine schlechte Nachricht für die Konkurrenz: Mit dem richtigen Coach kann der HC Fribourg-Gottéron nämlich die Meisterschaft gewinnen.

von
Klaus Zaugg

Die Mannschaft ist einfach zu gut. Sonst wäre Trainer und Sportchef Serge Pelletier längst gefeuert worden. Aber auch als «Club méditerrané» ist Gottéron nie in eine richtige Krise geraten, nicht sportlich und nicht wirtschaftlich.

Die «Playoff-Wunder» von 2008 (gegen den SC Bern) und 2009 (gegen die ZSC Lions) haben die Hockeybegeisterung entfacht, die für konstant hohe Zuschauerzahlen sorgt und die Trainer und Sportchef Serge Pelletier scheinbar «unentlassbar» gemacht haben.

Ein Diplomat im feinen Zwirn

Der eingebürgerte Kanadier ist einer der intelligentesten und kultiviertesten und mit Sicherheit der bestangezogene Trainer unserer neueren Hockeygeschichte. Mit Universitätsabschluss in Kanada, mit Humor, mit guten Manieren und einem Sinn für modische Kleidung. Das Problem ist nur, dass er im Laufe der Zeit mehr Diplomat, Manager und Hockeygeneral und immer weniger Hockeytrainer geworden ist.

Deshalb ist aus Fribourg-Gottéron im Laufe von Pelletiers gut fünfjähriger Amtszeit mehr und mehr ein «Club méditerrané» des Hockeys geworden: Zu viel Vergnügen, zu wenig Arbeit. Aus Gottéron ist so etwas wie ein ungeschliffener Diamant geworden. Genug Talent, um eine Meisterschaft zu gewinnen. Aber zu wenig Disziplin, zu wenig taktische Ordnung und zu wenig Intensität im Training und im Spiel, ganz einfach zu wenig Schliff, um während der Qualifikation zu dominieren und in den Playoffs den letzten Schritt zum grossen Triumph machen zu können. Auch deshalb, weil Pelletier in der Doppelfunktion als Sportdirektor und Trainer überfordert war und nicht mehr genug Zeit und Energie für die tagtägliche Arbeit auf dem Eis hatte. Zudem kompensierte er im Umgang mit den Spielern fehlendes Einfühlungsvermögen und keimende Unsicherheit durch Arroganz und brachte so die Alphatiere (allen voran Sandy Jeannin) gegen sich auf. Pelletier ist letztlich ebenso als Kommunikator gescheitert.

Es kann nur einen geben

Während der «russischen Flugjahre» mit Slawa Bykow und Andrej Chomutow verpasste Gottéron den Titel gegen den SC Bern und Kloten, weil Torhüter Dino Stecher zwar einer der talentiertesten und populärsten Goalies der Liga war. Aber mental zerbrechlich wie eine billige Uhr.

In den letzten drei Jahren hätte Gottéron mit einem Coach wie Arno Del Curto einen Titel geholt und wäre jetzt einer der Favoriten für die Meisterschaft 2010/11. Aber die Mannschaft steht auf Platz 8 und nur noch die ZSC Lions haben von den Playoff-Teams mehr Tore kassiert. Ein weiteres Zeichen für den Larifari-Betrieb: Zehnmal hat Gottéron mit zwei oder mehr Toren geführt und doch verloren.

Die Entlassung von Serge Pelletier kommt zu spät, um Gottéron noch zum Meisterkandidaten zu trimmen. Aber mit dem richtigen Trainer ist Gottéron nächste Saison ein ganz heisser Titelkandidat.

Eigentlich ist auch klar, wen der Verwaltungsrat jetzt als Trainer nach Fribourg holen müsste. Sozusagen um (fast) jeden Preis: Slawa Bykow, zurzeit noch in Russland beschäftigt. Es wäre eine Geschichte, wie sie eben nur Gottéron schreiben kann: Slawa Bykow, als Spieler im Titelkampf gescheitert, kehrt als Trainer zurück, vollendet seine Mission und beschert Gottéron den ersten Titel der Geschichte.

Und Pelletier? Geläutert durch die Erfahrungen, die er bei Gottéron gemacht hat, könnte er der perfekte Trainer für Lugano werden.

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