Aktualisiert 05.04.2014 21:31

Playoffs

Fribourg rettet sich spektakulär ins 6. Spiel

Fribourg erzittert sich gegen Kloten einen 2:1-Sieg nach Verlängerung. Damit dürfen die «Drachen» weiter auf eine Finalteilnahme hoffen. Servette unterliegt dem ZSC 0:2.

Der HC Fribourg-Gottéron hauchte sich in den Eishockey-Playoffs neues Leben ein. Bis ganz kurz vor Schluss sahen die Kloten Flyers wie der erste Playoff-Finalist aus, doch im Finish erzwangen die Freiburger in extremis ein sechstes Spiel.

Am Ende siegte Fribourg nach 23 Uhr mit 2:1 nach Verlängerung. Marc-Antoine Pouliot erzielte nach 63 Minuten und 56 Sekunden das verdiente Siegtor. Er spedierte den Abpraller ins offene Goal, nachdem Klotens Goalie Martin Gerber einen weiteren Schuss von Greg Mauldin noch hatte parieren können. Neun Minuten vorher hatte bei einer ähnlichen Szene der Finne Niklas Hagmann den Abpraller hinter das offene Tor geschossen.

Späte Entscheidung

Die späte Entscheidung war die eine Geschichte dieses Abends. Sie beschert dem HC Fribourg-Gottéron eine weitere Chance, mit einem Auswärtssieg am Dienstagabend in Kloten nochmals in die Serie zurückzukehren. Moral für das Auswärtsspiel im Stadion am Schluefweg vermochten die Freiburger am Samstagabend auf jeden Fall zu tanken.

Denn die andere Geschichte dieses Spiels wurde bereits vor der Overtime geschrieben. Es war die Story des pausenlosen und scheinbar erfolglosen Anrennens der Freiburger gegen die Klotener Abwehr. Nach 21 Minuten gingen die Flyers entgegen des Spielverlaufs und mit dem erst vierten Torschuss in Führung. Sekunden vorher hatte Christian Dubé auf der Gegenseite eine weitere Grosschance ausgelassen. Gottéron schoss bis zur 60. Minute über 40 Mal auf das Tor von Martin Gerber. Der Ertrag blieb jedoch bei Null.

Es sah lange düster aus für Gottéron

Zum ersten Mal seit dem 13. Januar 2013, einem 0:6 gegen Bern, schien dem HC Fribourg in einem Heimspiel kein Tor zu gelingen. 175 Sekunden vor Schluss stand es immer noch 0:1. Christian Dubé musste wegen eines Stockschlags auf die Strafbank. Weniger als drei Minuten zu spielen und zwei Minuten Unterzahl; alles schien verloren. 85 Sekunden später musste aber auch der Klotener James Vandermeer wegen eines Beinstellens auf die Strafbank. Hoffnung keimte nochmals auf. Powerplay für Fribourg in den letzten 55 Sekunden der Partie mit sechs Feldspielern (ohne Goalie) gegen vier. Aber Kloten bietet sich eine Konterchance. Romano Lemm trifft das leere Tor nicht. Ein letztes Bully vor dem Klotener Tor. Gottéron erhält von den Referees zwei zusätzliche Sekunden auf die Matchuhr. Und 4,0 Sekunden vor der Schlusssirene ist der Puck doch noch im Tor. Julien Sprunger drückte die Scheibe über die Linie. Ausgerechnet Sprunger, der vorher während der fast gesamten Halbfinalserie nie getroffen hatte. Das Eisstadion zu St-Léonard bebte. Die Eisreinigung vor der Verlängerung musste vorgezogen werden; zuviel Abfall lag auf dem Eis.

Was hatte Fribourg vorher für Chancen vergeben. Das Team von Hans Kossmann fand einfach kein Rezept gegen das Klotener Abwehrbollwerk um den tadellosen Keeper Martin Gerber. Manchmal lag es an Unvermögen, dass das Tor nicht fiel. Oftmals schossen die Stürmer aber auch schlecht und überhastet. Und in einigen Szenen stand den Kloten Flyers auch einfach nur das Glück zur Seite, beispielsweise nach 26 Minuten, als Klotens siebenter Verteidiger zuerst mit dem Helm und dann volley mit dem Stock ein Gegentor verhinderte.

ZSC Lions - Servette: ZSC Lions mit starker Reaktion

Die ZSC Lions legten in der Serie gegen Genève-Servette wieder vor. Durch das 2:0 fehlt den Zürchern noch ein Sieg zum siebten Playoff-Finaleinzug der Klubgeschichte.

Zu verdanken hatten die Lions den zweiten Heimsieg in Folge, der ihnen zwei Matchpucks eintrug, ihrem Goalie und der Paradeformation. Lukas Flüeler zeigte im Spiel nach der Aus-, Ein- und Auswechslung jene Reaktion, die Trainer Marc Crawford mit der mental gewiss nicht einfachen Situation hatte provozieren wollen. Der Zürcher Goalie wehrte alle 25 Schüsse ab und blieb zum ersten Mal in dieser Serie unbezwungen. Gross spielte dazu die Formation um Ryan Keller, Ryan Shannon und PostFinance-Topskorer Roman Wick auf. Keller erzielte die Tore zum 1:0 (20.) und 2:0 (22.). Mit nunmehr zehn Treffern ist der Kanadier, der bereits in Spiel 2 beim 5:3 in Genf mit einem Hattrick brilliert hatte, der beste Torschütze der NLA-Playoffs.

Genf mit Stock statt Körper

Auf Seiten Servettes war nach der Sperre gegen Alexandre Picard - an seiner Stelle kam Verteidiger Grant Stafford zu seinem ersten Einsatz seit Ende Januar - wegen des Checks in Spiel 4 gegen Dan Fritsche noch mehr Aggressivität erwartet worden. Stattdessen versuchten es die Genfer Herausforderer mit spielerischen Mitteln, so weit dies möglich war. Trainer Chris McSorley forcierte die Paradelinie um den Kanadier Matt Lombardi teils am Limit. Die gefährlichste Formation blieb für einmal ebenso wirkungslos wie der Rest der Mannschaft.

Die ZSC Lions drückten der Partie vor etwas mehr als 10'600 Zuschauern während 40 Minuten den Stempel klar auf. Im ersten Drittel betrug das Schussverhältnis 19:9, das Skore lautete aber nur 1:0. Keller hatte 30 Sekunden vor Ende des Startabschnitts den frei liegenden Puck ins Tor gestochert. Mit etwas mehr Präzision (Chancen durch Wick, Bärtschi, Geering) hätte der ZSC zu diesem Zeitpunkt schon 3:0 oder höher führen können.

Kellers Treffer eine Augenweide

Kellers zweiter Treffer war das spielerische Highlight der Partie. Die herrliche, direkt ausgeführte Kombination über Shannon und Wick führte zum sehenswerten 2:0. Weil die ZSC Lions ihre Angriffe in der Folge zu wenig konsequent abschlossen, blieb Servette, das in diesen Playoffs noch nie nach Rückstand gewonnen hat, das Prinzip Hoffnung: ein Abpraller, ein Ablenker, ein Powerplay-Tor. Doch nichts dergleichen geschah. Im Gegenteil vergaben die Lions durch Wick und Ronalds Kenins (28.) beste Möglichkeiten, die Partie endgültig zu entscheiden.

Fribourg - Kloten 2:1 (0:0, 0:1, 1:0, 1:0) n.V.

BCF-Arena. 6700 Zuschauer (ausverkauft). SR Kämpfer/Kurmann, Arm/Küng.

Tor: 21. (20:56) Romano Lemm (Bieber) 0:1. 60. (59:56) Sprunger (Benny Plüss/Ausschluss Vandermeer) 1:1 (ohne Torhüter). 64. (63:56) Pouliot (Mauldin, Sprunger) 2:1.

Strafen: 2mal 2 Minuten gegen Fribourg, 4mal 2 Minuten gegen Kloten.

PostFinance-Topskorer: Benny Plüss; Peter Mueller.

Fribourg: Benjamin Conz; Ngoy, Kwiatkowski; Helbling, Marc Abplanalp; Kamerzin, Schilt; Huguenin; Hasani, Dubé, Benny Plüss; Sprunger, Bykow, Hagman; Mauldin, Pouliot, Lauper; John Fritsche, Ness, Tristan Vauclair; Mottet.

Kloten: Martin Gerber; DuPont, von Gunten; Gian-Andrea Randegger, Vandermeer; Blum, Schelling; Frick; Peter Mueller, Santala, Bieber; Stancescu, Romano Lemm, Bühler; Simon Bodenmann, Liniger, Steinmann; Herren, Jenni, Aurelio Lemm; Luka Hoffmann.

Bemerkungen: Fribourg ohne Jeannin, Huber (beide verletzt), Miettinen, Jurcina, Monnet und Birbaum (alle überzählig), Kloten ohne Stoop, Félicien Du Bois (beide verletzt) und Hennesy (überzähliger Ausländer). Timeouts: Fribourg (59:25); Kloten (57.).

ZSC Lions - Genève-Servette 2:0 (1:0, 1:0, 0:0)

Hallenstadion. - 10'604 Zuschauer. - SR Reiber/Wiegand, Kaderli/Wüst.

Tore: 20. Keller (Wick, Shannon) 1:0. 22. Keller (Wick, Shannon) 2:0.

Strafen: 3mal 2 Minuten gegen die ZSC Lions, 5mal 2 Minuten gegen Genève-Servette.

PostFinance-Topskorer: Wick; Lombardi.

ZSC Lions: Flüeler; Seger, McCarthy; Blindenbacher, Geering; Stoffel, Bergeron; Schnyder; Bärtschi, Cunti, Kenins; Nilsson, Trachsler, Bastl; Fritsche, Senteler, Schäppi; Keller, Shannon, Wick; Baltisberger.

Genève-Servette: Stephan; Vukovic, Marti; Bezina, Stafford; Antonietti, Mercier; Iglesias; Gerber, Rivera, Petrell; Jacquemet, Romy, Hollenstein; Simek, Rod, Almond; Daugavins, Lombardi, Berthon; Kast.

Bemerkungen: ZSC Lions ohne Tabacek (überzählig), Genève-Servette ohne Loeffel (verletzt), Picard (gesperrt), Krutow und Meunier (beide überzählig). - Servette ab 59:00 ohne Goalie. - 60. (59:07) Timeout Genève-Servette. (si)

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