Romain Loeffel: Fribourgs bestrafter Schlaumeier
Aktualisiert

Romain LoeffelFribourgs bestrafter Schlaumeier

Das hat es so noch nie gegeben: Fribourgs Verteidiger Romain Loeffel wird für das Vortäuschen einer Verletzung bestraft. Und das ist richtig so.

von
Klaus Zaugg
Fribourgs Romain Loeffel (l.) muss eine Busse von 1150 Franken bezahlen.

Fribourgs Romain Loeffel (l.) muss eine Busse von 1150 Franken bezahlen.

Einzelrichter Reto Steinmann hat das Verfahren aufgrund der TV-Bilder eröffnet und nun das Urteil gefällt: Romain Loeffel bekommt eine Rechnung über 1150 Franken. Eine Busse von 500 Franken plus Verfahrenskosten von 500 Franken plus Schreibgebühren von 150 Franken.

Der Vorfall: Romain Loeffel bleibt in der 11. Minute der Partie Fribourg gegen Bern (3:1) nach einem Zweikampf mit SCB-Verteidiger Mark Streit während 40 Sekunden liegen und lässt sich dann gestützt von zwei Leuten vom Eis führen. Zwei Minuten nach Wiederaufnahme des Spiels wird er bereits wieder fliegend eingewechselt (20 Minuten Online berichtete).

Kein Check und kein Schlag gegen Loeffel

Einzelrichter Reto Steinmann stellt zum Sachverhalt nach Studium der TV-Aufnahmen und Befragen der Beteiligten fest:

Beim Aufeinandertreffen von Mark Streit und Romain Loeffel erfolgt kein Aufprall irgendeines Körperteils von Streit gegen den Kopf von Loeffel. Die Bilder belegen, dass allenfalls eine Berührung, aber kein Check und schon gar kein Schlag erfolgt sind. Deshalb sei es unerklärlich, dass Loeffel - wie vom Blitz getroffen - aufs Eis fällt. Eine Verletzung der Nase habe es nicht gegeben.

Aufgrund der Faktenlage sieht es der Einzelrichter als erwiesen an, dass Romain Loeffel eine Verletzung vorgetäuscht hat. Solches Verhalten sei verwerflich. Hätten die Schiedsrichter den Vorfall dem Verhalten des Spielers entsprechend gedeutet, wären die Konsequenzen für Mark Streit einschneidend gewesen: Matchstrafe plus automatische Sperre plus Busse.

Loeffel findet Verfahren ungerecht

Der Einzelrichter wertet es als erschwerend, dass Romain Loeffel sich hinterher auch noch den gegenüber dem Klub nahestehenden Medien erklärte, er sei von Streit mit dem Ellenbogen voll auf die Nase getroffen worden und es sei schade, dass es die Schiedsrichter nicht gesehen hätten.

Romain Loeffel führt zu seiner Verteidigung an, dass solche Aktionen öfters vorkommen und die spätere Rückkehr eines Spielers aufs Eis nicht bedeute, dass der betreffende Spieler eine Verletzung simuliert habe. Zumal er sich wegen Nasenbluten habe pflegen lassen müssen. Das Verfahren sei völlig ungerechtfertigt.

Schiedsrichter können keine Simulanten gebrauchen

Das Verfahren ist nicht nur gerechtfertigt, es ist im Sinne des Eishockeys sogar notwendig.

Romain Loeffel, eines der grössten Verteidigertalente im Lande, ist kein Simulant. Aber die TV-Kameras haben ihn bei einer Schlaumeierei erwischt. Eine Schlaumeierei, die leicht Mark Streit eine Matchstrafe hätte bescheren können und die für zusätzliche Emotionen auf den Rängen sorgte. Und es ist richtig, dass er für diese Schlaumeierei nun auch bestraft worden ist.

Die Schiedsrichter müssen sich darauf verlassen können, dass ein Spieler, der auf dem Eis liegen bleibt, auch tatsächlich verletzt ist und nicht Theater spielt. Bei der hohen Anzahl von Zweikämpfen und der im Reglement erlaubten Härte und Gewalt (es ist erlaubt, den Spieler mit einem harten Check von der Scheibe zu trennen und einzuschüchtern) wären selbst zwei Schiedsrichter überfordert, wenn Spieler gezielt simulieren würden. Der Einzelrichter hat ein starkes Signal im Interesse des Eishockeys gesetzt. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

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