Tutu gegen Mugabe: Friedensnobelpreisträger plädiert für Gewalt

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Tutu gegen MugabeFriedensnobelpreisträger plädiert für Gewalt

Die internationale Gemeinschaft muss dem simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe nach Ansicht von Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu mit einem gewaltsamen Eingreifen drohen, um ihn aus dem Amt zu drängen. Unterdessen sind fast 24 000 Menschen in Simbabwe an Cholera erkrankt.

Er hoffe, dass die Afrikanische Union (AU) Mugabe ein entsprechendes Ultimatum stellen werde, erklärte Mugabe am Mittwoch im britischen Sender BBC. Auf die Frage, ob Mugabe mit Gewalt aus dem Amt gedrängt werden solle, sagte Tutu, es sollte sicherlich damit gedroht werden.

Ausserdem müsse Mugabe verdeutlicht werden, dass ihm wegen der Verfolgung von Anhängern der Opposition eine Verfolgung seitens des Internationalen Strafgerichtshofs drohe. Er schäme sich, dass sein Heimatland Südafrika bislang Versuche blockiert habe, Mugabe abzusetzen, sagte Tutu. «Ich bin zutiefst verstört darüber, dass wir uns nicht auf der Seite derer wiederfinden, die leiden», erklärte er.

Der frühere südafrikanische Präsident Thabo Mbeki hat im September als Vermittler eine Regierung der nationalen Einheit zwischen Regierung und Opposition ausgehandelt, sie kam aber wegen Streitigkeiten über die Besetzung wichtiger Kabinettsposten bislang nicht zustande. Simbabwe liegt nach Mugabes 28-jähriger Herrschaft wirtschaftlich am Boden.

Einer Cholera-Epidemie sind dort nach UN-Angaben seit August mindestens 1174 Menschen zum Opfer gefallen. Die Epidemie breitet sich nach Angaben des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) immer weiter aus. Es könne noch sechs Monate dauern, bis die Seuche unter Kontrolle sei, warnte der UNICEF-Repräsentant in dem südafrikanischen Land, Roeland Monasch. Insgesamt sind mehr als 23 700 Menschen an Cholera erkrankt. Mit etwa fünf Prozent sei die Rate tödlich verlaufender Infektionen ungewöhnlich hoch, sagte Monasch am Dienstag Journalisten in Genf telefonisch aus Harare.

Gesundheitsversorgung zusammengebrochen

Die Gesundheitsversorgung in Simbabwe ist praktisch zusammengebrochen. Sauberes Trinkwasser ist besonders in der Hauptstadt Harare selten. UNICEF gibt nach eigenen Angaben täglich etwa 700 000 Liter Trinkwasser aus. Zudem würden Brunnen gebohrt und rund 4000 Tonnen Chemikalien zur Wasserbehandlung in städtischen Gebieten verteilt.

Eine seit drei Wochen vermisste Menschenrechtsaktivistin wurde unterdessen am Mittwoch einem Gericht vorgeführt. Staatlichen Medienberichten zufolge wird Jestina Mukoko eines Umsturzversuchs beschuldigt. Sie war am 3. Dezember aus ihrer Wohnung abgeführt worden. Die staatliche Zeitung «The Herald» berichtete, Mukoko und neun Aktivisten der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) sollten der Anwerbung von Kämpfern mit dem Ziel eines Sturzes von Mugabe angeklagt werden. Die MDC bilde Kämpfer in Botsuana aus. Sowohl die MDC als auch Botsuana haben die Beschuldigungen zurückgewiesen. (dapd)

Menschrechtsaktivistin vor Gericht gestellt

Eine Menschenrechtsaktivistin aus Simbabwe ist mit acht anderen Mitstreitern wegen der angeblichen Planung eines Putsches gegen Präsident Robert Mugabe am Mittwoch vor ein Gericht in Harare gestellt worden.

Die Leiterin des Zimbabwe Peace Projects (ZPP), Jestina Mukoko, die Anfang Dezember von bewaffneten Männern aus ihrem Haus verschleppt worden ist, soll laut ihrem Anwalt andere Aktivisten aufgefordert haben, sich in Botswana militärisches ausbilden zu lassen, um die Regierung in Simabawe zu stürzen,

Staatsanwältin Florence Ziyambi erklärte, die Gruppe sei von Sicherheitskräften festgehalten und am Montag der Polizei übergeben worden. Mukoko war Anfang Dezember von zwölf bewaffneten Männer aus ihrem Haus verschleppt worden. Weitere Aktivisten wurden ebenfalls verschleppt. (SDA)

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