Publiziert

Oetwil an der LimmatFriedensrichterwahl eskaliert

Friedensrichter sind da, um bei Streit zu schlichten. Doch der oder die Oetwiler Friedensrichterin braucht wohl selbst einen Streitschlichter. Am nächsten Sonntag ist der zweite Wahlgang in der Gemeinde. Doch letzte Woche flatterte ein Flugblatt der SVP in alle Oetwiler Haushalte.

von
Stefan Lanz
1 / 1

Friedensrichterinnen und Friedensrichter sind da, um bei Streit zu schlichten. Doch der oder die Oetwiler Friedensrichterin braucht wohl selbst einen Streitschlichter. Am nächsten Sonntag ist der zweite Wahlgang in der Gemeinde. Doch letzte Woche flatterte dieses Flugblatt der SVP in alle Oetwiler Haushalte.

«Die SVP Oetwil ist höchst befremdet darüber, dass ihr Kandidat René Laemmel nicht auf dem Beiblatt des zweiten Wahlganges aufgeführt ist», heisst es in einem Flugblatt der SVP Oetwil.

Was ist passiert? Um den Posten als Friedensrichterin oder Friedensrichter kämpfen der SVP-Kandidat René Laemmel und die CVP-Kandidatin Fatma Bernegger. Doch in den Abstimmungsunterlagen taucht nur Fatma Bernegger auf. Für die SVP hat ihr Kandidat jetzt die deutlich schlechteren Karten bei der Wahl. Und das verurteilt sie mit deutlichen Worten auf dem Flugblatt.

Flugblatt, SVP Oetwil: «Dass damit (...) die Wahl des Friedensrichters zugunsten der Frau eines Gemeinderats massgeblich beeinflusst wurde, ist nicht von der Hand zu weisen. Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Demokratie ist von anderen Werten getragen.»

Vetternwirtschaft in Oetwil an der Limmat. Doch stimmt das? Nein, sagt sogar SVP-Gemeinderat Enrico Frei. Enrico Frei, Gemeinderat SVP, Oetwil a.d.L.: «Da ist Kopfschütteln angesagt.»

Um auf dem offiziellen Beiblatt zum zweiten Wahlgang erwähnt zu werden, hätte sich René Laemmel nochmals aktiv bei der Gemeinde melden müssen und mitteilen, dass er antritt. Dies hat er nicht gemacht und stattdessen das Flugblatt verteilt.

Enrico Frei, Gemeinderat SVP, Oetwil a.d.L.: «Ja, was ist mir durch den Kopf gegangen? Ich habe zuerst gedacht, das darf ja nicht wahr sein. Ich meine, er ist ein 68-jähriger gestandener Mann und wenn er nicht mal weiss, dass er sich nochmal melden muss, dann frage ich mich schon, wie will er überhaupt das Friedensrichteramt ausführen?»
Also alles die Schuld von Kandidat Laemmel? SVP-Gemeinderat Roland Hagenbucher nimmt den Kandidaten gegenüber 20 Minuten in Schutz.

Roland Hagenbucher: «Es gab wegen der ganzen Sache Diskussionen im Gemeinderat. Man ist sich hier nicht einig, ob das Vorgehen der Gemeinde richtig war, dass man den SVP-Kandidaten nicht darauf hingewiesen hat, dass er sich melden muss.»

Und was sagt die angeschuldigte CVP-Kandidatin Fatma Bernegger? Sie soll ja gemäss dem Flugblatt von der Vetternwirtschaft profitieren. Doch stimmt das? Fakt ist: Sie ist tatsächlich die Ehefrau des CVP-Gemeinderates Thomas Bernegger.

Fatma Bernegger, Kandidatin Friedensrichterin: «Ich bin selber eine Persönlichkeit. Ich werde mit dem Namen Fatma Bernegger gewählt und nicht mit dem Namen von Herrn Bernegger.»

Das Flugblatt trägt sicher nicht zum Dorffrieden bei, für den eine Friedensrichterin oder ein Friedensrichter sich ja auch einsetzen sollte. Der lokale SVP-Parteipräsident war am Montag wegen verschiedener Termine nicht erreichbar und Kandidat René Laemmel teilt mit, er wolle sich nun vor allem auf die Wahl konzentrieren. Denn trotz fehlendem Namen in den Abstimmungsunterlagen ist er immer noch wählbar.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

0 Kommentare