Jahrelanger Bürgerkrieg: Friedenstauben kreisen über Kolumbien
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Jahrelanger BürgerkriegFriedenstauben kreisen über Kolumbien

Die kolumbianische Regierung hat einen neuen Anlauf zu einem Friedensabkommen mit der FARC genommen. Doch ist die FARC das einzige Hindernis auf dem Weg zum Frieden? Die Lage ist verzwickt.

In Havanna nehmen die kolumbianische Regierung und die FARC-Rebellen derzeit einen neuen Anlauf zu einem Friedensabkommen. Es soll dem Konflikt in Kolumbien endlich ein Ende setzen.

In Kolumbien herrscht seit 1964 Bürgerkrieg. Damals sagten die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) Regierung und Armee des südamerikanischen Landes den Kampf an. Ursprünglich wollten sie die Rechte der Kleinbauern verteidigen. Heute aber leiden gerade die Bauern am meisten unter dem Konflikt, indem sie von Haus und Land vertrieben werden.

Die UNO schätzt die Zahl der Vertriebenen - der Desplazados - derzeit auf rund 4 Millionen. Nichtstaatliche Organisationen (NGO) gehen von bis zu 5,45 Millionen aus. Bei einer Landesbevölkerung von 45 Millionen ist das fast jede achte Person.

Paramilitärs so zahlreich wie FARC

«FARC genauso wie Paramilitärs sind an den Vertreibungen schuld», sagt Mario Aguilera Peña vom politologischen Institut der Universidad Nacional in Bogotá gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Die Paramilitärs, auch Bandas Criminales genannt, sind voneinander unabhängige kriminelle Banden. Ihre Waffengewalt kann man mit dem nötigen Kleingeld sozusagen mieten. Natürlich setzen sie mit ihren Waffen aber auch eigene Ziele durch.

Die Paramilitärs seien heutzutage ähnlich zahlreich wie die FARC, die 8000 bis 10'000 Guerilleros in ihren Reihen führten, sagt Aguilera Peña. «Ein einseitiges Friedensabkommen zwischen Regierung und FARC bedeutet darum noch lange nicht, dass dann Frieden im Land herrscht».

Auch der neueste Kolumbienbericht des renommierten Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC) in Genf besagt: «2011 waren erstmals die Paramilitärs für mehr Massenvertreibungen verantwortlich als die FARC».

Drogenhandel und Bergbau als Geldquellen

Was aber sind die Ursachen der Vertreibungen? «In der grössten Unruheprovinz Valle del Cauca spielt der Drogenhandel eine wichtige Rolle», sagt die Schriftstellerin Lucero Veléz Calle. «Viele Kleinbauern sind von den FARC und den Paramilitärs verdrängt worden, weil sich das Land in der Gegend gut für den Kokaanbau eignet».

Und der Handel mit Kokain sei noch immer eine der wichtigsten Einnahmequellen beider Gruppierungen. Zudem würden die südwestlichen Bergregionen nahe der Pazifikküste Zugang zum Meer und damit zu den weltweiten Absatzmärkten bieten.

Nestor Ocampo, Gründer der Friedensorganisation Diálogo Democrático, nennt einen weiteren Grund: «FARC und Paramilitärs sind dort, wo natürliche Rohstoffe abgebaut werden». Dazu zählen Gold und Silber, Kupfer und Kohle, Coltan und Zink sowie Erdöl. «Die bewaffneten Gruppen betreiben illegale Minen und erpressen Schutzgeld von kleinen Minenbetrieben ohne Schürflizenz», sagt er.

Zudem verdienten diese Gruppen Geld mit Handlangerarbeiten für die multinationalen Bergbaukonzerne: BHP Billiton, Anglo American, Glencore, Xstrata oder Anglo-Gold Ashanti. Von der südafrikanischen Goldschürffirma etwa sei bekannt, dass sie mithilfe von Paramilitärs Kleinbauern und indigene Stämme von deren Land vertrieben habe. (sda)

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